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Entspannung auf vier Pfoten: Auch Hunde geniessen heute Wellness und Ferien wie ihre Menschen. Bild: Pixabay

Im 7. Hundehimmel: Wellness mit Wau-Effekt

Christian Haas

Wellness für Hunde? Aber ja! Etwa in den USA und Thailand konzentrieren sich ganze Hotelanlagen auf das Wohlbefinden der Vierbeiner, Kräuterstempelmassagen und eigene Hundesuite inklusive. Deutschland, Österreich und die Schweiz hingegen setzen verstärkt auf gemeinsame Ferien von Mensch und Tier.

So ein Hundeleben kann ja manchmal ganz schön anstrengend sein! Und da wollen viele Hundebesitzer, von denen es in Deutschland etwa zehn Millionen und in der Schweiz knapp 500‘000 gibt, ihren geliebten Gefährten auch mal etwas gönnen: sündteure Leckereien, selbstgestrickte Jäckchen oder einen Besuch im Hundesalon. Angebote für Letzteres gibt es ja mittlerweile wie Robidog-Säckchen im Park.

Wer seinem Liebling mehr als eine «normale» Pflege zukommen lassen will, bucht eine Wellnessanwendung. Das geht zum Beispiel im Zürcher Hundesalon „Hot Dog Grooming“ oder im Münchner «Fellwohl», das mit einem umfangreichen Service rund um Pflege, Styling und Entspannung wirbt. Die beachtliche Serviceliste reicht von «Puppy Pampering» über Ozonbad und Mineralbehandlung bis zur Feelgood-Massage. Spätestens um 19 Uhr muss jedoch auch der letzte tierische Besucher abgeholt werden. Übernachtung? Gehört nicht zum Angebot.

Ein Indoor-Pool für Hunde

Wohl aber in manch Hunde-Spas in den USA. Ohnehin nahm die Bewegung dort ihren Anfang, als in den 80er und 90er Jahren in Los Angeles und New York die ersten derartigen Einrichtungen eröffnet wurden – eben gern auch mit Übernachtungsmöglichkeit. Wohl gemerkt für Vier- und nicht für Zweibeiner! In den Folgejahren folgten Nachahmer in England, Frankreich und dem übrigen Europa, doch in den Staaten wird nach wie vor extragrosses Trara um «den besten Freund des Menschen» betrieben. Manchen scheint ihr Haustier ja auch wirklich sehr lieb und teuer zu sein – mit Betonung auf letzterem.

Im 2007 eröffneten und seither mit etlichen Awards als «haustierfreundlichste Unterkunft» ausgezeichneten «Paws Pet Resort & Spa» in Connecticut kostet die Nacht je nach Suitengrösse 79 bis 93 US-Dollar, Verpflegung, Bespassung und Kamera-Stream aufs Handy inklusive. Zusatzleistungen, vom privaten Hundeschultrainer bis zur intensiven Fellpflege, kosten, na klar, extra.

Hundemaniküre gehört längst zum Spa-Angebot moderner Hundehotels. Bild: Pixabay

Zu den Extras der Overnight Stays im «Paws Pet Resort» in South Dakota zählen übrigens ein tierisch grosser Indoor-Pool, ein Chauffeur-Shuttle-Service für den Hund sowie ein «Full Service Grooming». So nennt sich ein Rundum-Pflegepaket, das neben dem Baden, Föhnen und Bürsten auch Krallenpflege, Trimmen und Ohrenpflege beinhaltet. Ach ja, Geburtstagsfeiern für Hunde und ihre Freunde können dort ebenfalls gebucht werden. Für 150 US-Dollar haben die dann das XXL-Spielgelände ganz für sich. Menschen müssen da übrigens draussen bleiben, zumindest überwiegend.

Gross im Hundegeschäft ist auch das «Olde Towne Pet Resort», das drei Niederlassungen in der Nähe von Washington D.C. betreibt und mit mehr als 130 Angestellten für das bestmögliche Wohl der Vierbeiner sorgt. Das wird gleich bei der Ankunft deutlich: Die typische Rotunde, also der Aufenthaltsraum für die vierbeinigen Urlauber, sieht aus wie die Lobby eines Vier-Sterne-Hotels. Und auch sonst ähnelt sich die Infrastruktur, zu der ein Swimmingpool zum Plantschen und für Hydrotherapiestunden gehört, ein Nagelstudio für Pediküre und Extra-Leckerlis im Übernachtungsabteil, das man dank seiner Grosszügigkeit und liebevollen Einrichtung beim besten Willen nicht als Zwinger bezeichnen kann.

Speisekarte für den Hund

So richtig auf den Hund gekommen sind sie aber in Asien, insbesondere in Südkorea und Japan, wo Anfang der 2000er Jahre die Idee des Hundecafés aufkam – Orte, an denen Besucher mit den dortigen Hunden interagieren können. Auch in China, Vietnam und Thailand tut sich viel, hat doch die neue Oberschicht schon länger sündteure Zuchtrassen als Statussymbol entdeckt. Dessen «Marktwert» lässt sich eben nicht nur durch Designerschleifchen und Swarovski-Halsbänder steigern, sondern auch durch den Besuch edler Adressen, etwa dem «Coffee & Puppy» in Bangkok. Dort wird auch dem mitgeführten Hund eine Speisekarte ausgehändigt, damit Mensch und Tier ihr Menü gemeinsam verzehren können…

Überhaupt hat sich Bangkok zur Hochburg der Hunde-Verwöhnung entwickelt. Das «Indo Thai Dog Spa» in Rasit unweit der Hauptstadt gilt gar als eines der weltbesten Hunde-Retreatments. Für Bello, Wuffi und Co. stehen dort mehr als ein Dutzend exotische Anwendungen zur Wahl – entspannende Blütenbäder, Fellweichspülungen und heilende Kräuterstempelmassagen. Hundezüchter Jare Jansrisuriyawong, der noch weitere «Premium Pet Spas» in der Region betreibt, schwört auch auf heisse Packungen aus schwarzem Kaffee und Karotten, die den Pelz besser duften lassen, oder Bäder in warmem, mit Rosenblättern bestreuten Orangenmilchwasser, das gegen Ermüdung wirkt und Erkältungen und ähnliche Infektionskrankheiten verhindern soll.

Ferien mit dem Hund

Aber muss es derart abgefahren sein? Und derart weit gefahren werden? Noch dazu, um seinen Liebsten abzugeben? Sicher nicht. Ohnehin wollen doch die meisten eher Ferien mit ihrem Hund machen. Laut hundehotel.info kommen dafür in Europa rund 700 Adressen in Frage, die meisten davon in Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz. Eines davon, das «Haus Waldeck» in Philippsreut im Bayerischen Wald, zählt gar zu den bekanntesten Hundehotels auf dem Kontinent. Allein von 2020 bis 2024 wurde es als bestes Hundehotel im deutschsprachigen Raum geehrt. Es wird ja auch wirklich viel geboten. Während Frauchen und Herrchen im Zimmer, Loft oder Cottage relaxen, vergnügen sich ihre Liebsten im «Hundeareal», zu dem eine Indoor-Agility-Halle, ein Outdoor-Agility-Platz sowie ein Hundebadeteich samt Spielwiese zählen. Was ebenfalls gut ankommt, ist das Angebot wechselnder Hundetrainings und Workshops.

Zwei Vierbeiner entspannen auf der Wiese beim Hotel Sacher. Bild: Hotel Sacher

Das «Alpin Resort Sacher Seefeld» ist ebenfalls ausgezeichnet, und das nicht nur vom Gault&Millau für ihre gelungene Küche und vom Relax Guide für den herausragenden Spa. Von der Plattform «Pfotencheck» wurde das Fünf-Sterne-Superior-Wellnesshotel in den Tiroler Bergen mit fünf Pfoten, als der Maximalwertung, bedacht. Diese wird nur vergeben, wenn ein Betrieb nachweislich hohe Standards in Sachen Sicherheit, Komfort und Service für Hunde erfüllt. Check!

Was bei Gästen mit Hund besonders gut ankommt: Dass ihr Liebling nicht nur geduldet, sondern herzlich willkommen ist und im selben Zimmer wie Herrchen und Frauchen unterkommt. Damit es dort auch schön heimelig wird, warten bei der Ankunft nebst Begrüssungsleckerli auch ein Napf sowie ein Hundepolster. Und ein Frotteetuch, falls es beim Gassigehen oder Herumtollen auf der eingezäunten und mit einem Hundeparcours versehenen Hundewiese mal regnen sollte. Einmal im Jahr findet zudem ein «Longevity Deluxe für vier Pfoten» statt. Immer am Tag des Hundes.