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Erdbebenserie erschüttert Istanbul
Ein Erdbeben der Stärke 6,2 hat am Mittwoch die türkische Metropole Istanbul und umliegende Regionen erschüttert. Mindestens 236 Menschen seien mit Verletzungen in Spitäler gebracht worden, die sie sich zugezogen hätten, als sie in Panik aus Gebäuden sprangen oder zu klettern versuchten, teilte das Gesundheitsministerium mit. Allein 173 Fälle seien aus Istanbul gemeldet worden.
Nach Angaben des Umweltministerium wurden 378 strukturelle Gebäudeschäden gemeldet. Zwölf Bauwerke wurden vorsichtshalber evakuiert. Nur ein verfallenes und seit Langem leerstehende Gebäude sei eingestürzt, hiess es. Bildungsminister Yusuf Tekin sagte, die Schulen in Istanbul sollten am Donnerstag und Freitag geschlossen bleiben. Berichte über Tote gab es nicht.
Der Katastrophendienst Afad meldete zahlreiche Beben der Stärken 4 bis 5 – alle mit Epizentren im vor der Stadt gelegenen Marmarameer. Insgesamt verzeichnete Afad nach dem schweren Erdstoss am Mittwoch gut 300 weitere Beben, «das stärkste davon hatte eine Stärke von 5,9», sagte Innenminister Ali Yerlikaya laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu. Es wird mit weiteren Nachbeben gerechnet.
Stadt bleibt in Alarmbereitschaft
Das erste Beben ist laut US-Erdbebenwarte USGS in einer Tiefe von zehn Kilometern aufgetreten. Das Epizentrum habe etwa 60 Kilometer südwestlich von Istanbul im Marmarameer gelegen. «Ich spreche unseren Bürgern meine besten Wünsche aus», teilte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan auf der Plattform X mit. «Wir beobachten die Situation genau».
Türkischen Medienberichten zufolge gibt es bislang keine grösseren Schäden. «Bei unseren ersten Untersuchungen wurden keine Schäden oder negativen Zustände an den Strassen, Flughäfen, Zügen und U-Bahnen festgestellt», teilte der türkische Verkehrsminister, Abdulkadir Uraloglu, auf X mit.
Nach der Erdbebenserie hält die Angst vor weiteren starken Erdstössen an. Laut Berichten des Staatssenders TRT holten manche Menschen ihre Angehörigen aus Spitälern, um sie in Sicherheit zu bringen. Fernsehbilder zeigten zudem, dass viele Bewohnerinnen und Bewohner sich im Freien aufhalten, unter anderem in überfüllten Parks.
Das stärkste der Beben war auch in Teilen Griechenlands deutlich zu spüren. Vor allem im Nordosten des Landes am Grenzfluss Evros zur Türkei hin seien die Menschen in Angst versetzt worden, berichteten griechische Medien. Zuvor hatten sie aufgrund der ersten, schwächeren Beben bereits ein Warn-SMS des griechischen Katastrophenschutzes erhalten.
Auch im nordwestlich angrenzenden Bulgarien wurde das Beben gespürt, am stärksten im südöstlichen Grenzgebiet und in der Region Burgas am Schwarzen Meer, wie das Geophysische Institut in Sofia mitteilte.
Experten gehen davon aus, dass ein Beben rund um die Stärke 7 in der Metropole Istanbul mit 16 Millionen Menschen überfällig ist. Laut türkischem Städtebauminister Murat Kurum gelten 1,5 Millionen Wohnungen und Gewerbeeinheiten als erdbebengefährdet.
(Dieser Artikel wurde am 24. April 2025 aktualisiert.)