Future
Rahel Ammon: «Auslöser waren Einzelfälle von respektlosem Verhalten»
Gregor WaserOvertourism, Littering oder schwindender Wohnraum belasten weltweit viele Destinationen und lösen Konflikte zwischen Einheimischen und Touristen aus. Auch die Schweiz bleibt davon nicht unberührt. Im neuesten «Travel News Talk» erläutert Rahel Ammon, Head Tourism Development & Sustainability, wie Schweiz Tourismus (ST) dieser Entwicklung entgegenwirkt. Im Zentrum steht dabei die «Travel Better»-Philosophie, die sich intensiv der Tourismusakzeptanz widmet.
Gemeinsam mit der Regional Tourism Alliance (RTA) und dem Schweizer Tourismus Verband (STV) hat ST Massnahmen ergriffen: «Eine modulare Toolbox bietet Destinationen Hilfestellung und Good-Practice-Beispiele», erklärt Rahel Ammon. Ein zentraler Teil davon ist die Gästesensibilisierung. «Dabei möchten wir Gäste auf Gepflogenheiten, Umgangsformen und Verhaltensregeln hinweisen. Viele wissen schlicht nicht, wie man das in der Schweiz macht. Hier bieten wir Hand.» Unterlagen zur Gästesensibilisierung und die Branchen-Toolbox Tourismusakzeptanz stellen ST & STV Branchenpartnern zur Verfügung.
Die Toolbox gegen Fettnäpfchen
ST betritt damit Neuland. Es handle sich nicht um eine klassische Kommunikationskampagne, so Ammon: «Das ist eine Initiative, die langfristig Bestand hat. Sie zielt nicht auf Nachfragesteigerung ab, sondern auf den respektvollen Umgang miteinander.» Denn auf Reisen gebe es eben viele Fettnäpfchen, in die man unabsichtlich reintreten könne.
Bei der Ausarbeitung der Initiative war die grösste Herausforderung, nicht diskriminierend zu wirken oder gewisse Nationalitäten anzuprangern – sei dies durch die Sprache oder die Illustrationen. Deswegen wurde das Konzept in verschiedenen Ländern intensiv getestet.
Das Resultat ist die sympathische Leitfigur Flurina im Retro-Stil. Ausgespielt wird die Kampagne entlang der gesamten Reisekette: Schon während der Anreise im Inflight-Entertainment der Swiss, später am Flughafen-Gepäckband in Zürich oder direkt vor Ort in den Destinationen wie Luzern oder der Jungfrau Region.
Rahel Ammon verfolgt intensiv, wie andere weltweite Hotspots auf sporadischen Overtourism reagieren. Ihr Fazit: Es gibt kein «One-size-fits-all». Jede Destination benötige individuelle, auf die lokalen Gegebenheiten angepasste Lösungen. «Was aber jeder Ort sicher braucht, ist ein durchdachtes Visitor Management und eine frühzeitige Einbindung der lokalen Bevölkerung.»
Im Podcast erfahren Sie ausserdem, wie Rahel Ammon bei ihren eigenen Reisen auf Tourismus-Hotspots reagiert – und warum ihre nächste Reise eine ganz neue Erfahrung sein wird.