Destinationen

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Estland ist nicht mehr auf der Risikoländerliste - im Bild der Mägdeturm in Tallinn. Bild: Julius Jansson

Abgesang auf die BAG-Risikoländerliste

Noch gibt es sie, die Risikoländerliste, und es kam soeben eine neue heraus. Diese weist allerdings bereits aufs nahe Ende hin: Keine neuen Länder sind drauf, sondern wiederum weniger - obwohl es eigentlich umgekehrt sein müsste.

Grosses Aufatmen in der Reisebranche am letzten Freitag: Geht es nach dem Bundesrat, soll die seit Monaten gefürchtete und die Nachfrage dämmende Risikoländerliste des Bundesamts für Gesundheit (BAG) endlich dahingehend reduziert werden, dass nur noch Einreisen aus Staaten mit einer Virusmutations-Variante allenfalls einer Quarantänepflicht unterzogen werden, bei bisher infolge von Inzidenzen höher als in der Schweiz als Risikogebiete ausgewiesene Länder fällt diese weg.

Der Entscheid hierzu fällt aber erst am 23. Juni. Die Frage stand deshalb im Raum, ob heute Mittwoch (16. Juni) doch nochmals eine Risikoländerliste, entsprechend dem üblichen Turnus, publiziert wird. Die Antwort ist: Ja. Doch Grund zur Besorgnis gibt es nicht.

Die neue Liste, gültig ab morgen Donnerstag, 17. Juni, ist bis auf einen einzigen Eintrag gegenüber der zuvor gültigen Liste nämlich unverändert. Lediglich Estland ist weggefallen, d.h. die Liste ist weiter geschrumpft. Damit verbleiben in den kommenden zwei Wochen bzw. bis zur Umsetzung des bundesrätlichen Verordnung (sofern angenommen) noch insgesamt 29 Länder und vier Regionen aus Frankreich auf der Liste. Nachfolgend die Auflistung und am Ende wie üblich ein Fazit - heute quasi eine Würdigung der bald abgeschafften Risikoländerliste.

Staaten und Gebiete *)

  • Ägypten
  • Andorra
  • Argentinien
  • Bahrain
  • Belgien
  • Cabo Verde
  • Chile
  • Costa Rica
  • Georgien
  • Kolumbien
  • Kuwait
  • Lettland
  • Litauen
  • Malediven
  • Mexiko
  • Mongolei
  • Niederlande (Königreich der)
  • Paraguay
  • Schweden
  • Seychellen
  • Slowenien
  • Tansania
  • Uruguay

Staaten und Gebiete mit Virusmutationen *)

  • Brasilien
  • Indien
  • Kanada
  • Nepal
  • Südafrika
  • Vereinigtes Königreich

Regionen der Nachbarländer

Frankreich:

  • Region Centre-Val de Loire
  • Region Hauts-de-France
  • Region Île-de-France
  • Region Normandie
  • Region Pays de la Loire

Fazit

Diese möglicherweise letzte «umfassende» Risikoländerliste wird nicht mehr viel Unheil anrichten. Es sind keine neuen Staaten drauf genommen worden.

Hätte man weiterhin die bislang gültige Regel «CH+60» angewendet, müssten infolge der in der Schweiz stark gesunkenen Inzidenzzahlen im Prinzip nun zahlreiche Länder wieder auf der Liste landen - darunter auch etliche wichtige Reiseländer. Nach aktuellem Stand sind, nebst den bereits auf der Liste enthaltenen Länder, zum Beispiel auch Namibia, Botswana, die V.A.E., Sri Lanka, die Kapverden oder sogar auch Spanien wieder über dem eigentlichen Grenzwert. Doch keines dieser Länder wurde auf die neue Liste genommen. Damit zeichnet sich deren Ende deutlich ab - den bundesrätlichen Vorschlag wird niemand umkippen, weshalb nun das BAG wohl auch nicht mehr stur am Prinzip der Liste festhält und doch noch etwas Flexibilität beweist.

Obwohl man in diesem Zusammenhang auch Fragen könnte, weshalb Ägypten oder Mexiko, seit Wochen weit unterhalb der Schweiz beim Inzidenzwert, auch weiterhin noch auf dieser Risikoländerliste drauf sind. Ein Schelm, wer Böses denkt: Aber irgendwie korrelierte die Aufnahme der Malediven, Mexiko, Costa Rica und Ägypten auf die BAG-Liste mehr mit einer Zunahme der touristischen Nachfrage als mit einer Zunahme der Covid-Fälle vor Ort. Der Verdacht liegt nahe, dass die Liste wirklich primär «erzieherischen Zweck» hatte und die Leute vom Reisen abhalten sollte. Nur wollte man dies der Reisebranche so nicht sagen - und kritisiert sie aktuell sogar noch (via Grünen-Nationalrätin Regula Rytz im Blick), wenn sie mit gutem Beispiel vorangeht und selber, auf eigene Kosten, ins Ausland zur eigenen GV reist...

Das lässt sich wieder tun, weil die Destination (in diesem Fall Ras-al-Khaimah) wieder «berechenbar» ist. Denn genau darin lag bislang die grosse Krux der Liste - das ewige Auf und Ab der Inzidenzen führte zu einem Ewigen «Drauf» oder «Weg» von der Liste bei etlichen Ländern, was eine Planbarkeit von Ferien verunmöglichte und nicht selten für kurzfristige Umbuchungs-Aktionen und viel Frust bei Reisenden und in der Reisebranche sorgte. Ob dieses stur an Zahlen festgemachtes Hin-und-Her auch wirklich sinnvoll war bzw. eine klare epidemiologische Funktion einnahm, wurde eigentlich nie klar belegt. Nun denn, die Liste gilt nun nochmals für ein paar Tage, sie ist aber selber schon fast berechenbar geworden, und wenn dann die Quarantänepflicht komplett Geschichte ist, zumindest in Reiserichtung Schweiz, und die Verbindlichkeit wieder gegeben ist, wird es der Reisebranche einfach so schon wieder ein Stückchen besser gehen.

(JCR)