Destinationen

Challau.jpg
Lust auf einen Ausflug zur Friedenspagode in Milton Keynes? Roboter Challau geht für sie hin. Bild: Propelmee

Lassen Sie doch den Roboter für sich reisen

Reiserestriktionen wohin man schaut? Dann reisen Sie eben virtuell und doch live. Ein Startup hat dafür eine originelle, wenngleich fragwürdige Idee.

Die Sehnsucht nach fremden Orten ist den meisten Menschen angeboren. Mit fortschreitender technologischer Entwicklung hat dies immer weitere und schnellere Reisen ermöglicht, weshalb auch die Reisebranche in den letzten Jahren regelrecht explodiert ist. Nun aber hat die Corona-Pandemie eine globale «Reise-Vollbremsung» mit sich gebracht. Geblieben ist die Sehnsucht. Für die nun aber findige Startups abermals eine Lösung haben: Das britische Unternehmen Propelmee hat nämlich einen Roboter entwickelt, mit welchem sich User weltweit an einen Ort «teleportieren» können.

Konkret heisst dies, dass man sich in kleine mobile Roboter einwählen kann und mit diesen an bestimmten Orten bzw. Sehenswürdigkeiten nach Lust und Laune herumfahren kann und via Kamera alles live sieht, was vor Ort passiert. Noch besser: Auf Wunsch kann man sich selber auf einem Screen zeigen, etwa wie bei einer Zoom-Konferenz, und in direkten Austausch mit Personen vor Ort treten, welche mit dem Roboter namens Challau bzw. dessen Display interagieren.

Aktuell sieht das so aus: Man erhält Zugang zu den Challau-Robotern über eine Web-basierte Plattform. Dort erhält man einen Überblick über so genannte «Portale», also Orte, wo sich gerade ein Challau-Roboter befindet. Jedes Portal zeigt über einen Countdown an, wann es geöffnet wird, wonach User sich mit dem Roboter vernetzen und kontrollieren können, also mit diesem am Zielort herumfahren und interagieren können. Dafür gibt es einen virtuellen Joystick. Auf Knopfdruck kann man sich dann, wie oben erwähnt, auch auf dem Display zeigen.

Aktuell befinden sich die Challau-Roboter alle noch an Orten in Grossbritannien, etwa am Trafalgar Square in London, im Lake District oder in Oxford. Laut Website von Propelmee ist eine internationale Expansion im kommenden Jahr geplant. Die Beta-Version in Grossbritannien wird gratis zu benützen sein; künftig dürften wohl Kosten anfallen.

Ob man echte Reise-Erlebnisse durch eine ferngesteuerte Alternative ersetzen kann, sei mal dahingestellt. Im Falle von Einschränkungen wie eben nun bei den Einreisen, oder auch von physischen oder finanziellen Einschränkungen, kann die Roboter-Reise sicherlich eine Alternative sein, allerdings wohl mehr im Sinne einer Spielerei als eines echten Reise-Erlebnisses. Zain Khawaja, Gründer und CEO von Propelmee, glaubt jedenfalls an sein Geschäftsmodell: «Es gibt in der Tourismusindustrie bislang keine guten Lösungen, um Orte online zu besuchen. Das wollen wir mit Challau bieten. Wir glauben, dass es viele Nutzer schätzen werden, einen Roboter in Real-Time am anderen Ende der Welt zu bewegen und mit diesem die Umgebung frei zu erforschen.» Dazu sind bestimmt noch viele Fragen offen - aber die Idee ist  tatsächlich noch sympathisch, auch wenn sie das echte Reisen niemals ersetzen wird.

(JCR)