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Diese afrikanische Landschaft diente dem Paradies als Modell
Jean-Claude Raemy«Die klassische Südafrika-Rundreise für Einsteiger führt zunächst ab Johannesburg zum Krüger-Park und zur Panorama-Route in der Provinz Mpumalanga, danach ab Port Elizabeth entlang der Garden Route nach Kapstadt», erklärt Silvia Braun (South African Tourism/KPRN). Einen Teil dieser klassischen Route, nämlich jenen in der Provinz Mpumalanga, konnten sich einige Journalisten des deutschsprachigen Raumes - darunter auch Travelnews - im Vorfeld der diesjährigen Einkaufsmesse Indaba in Durban ansehen.
Während dreier Tage ging es vom Örtchen Hazyview aus zu einigen der schönsten Sehenswürdigkeiten Südafrikas. Nachfolgend unsere Impressionen dieser eindrücklichen Kurzreise.
Auf der Suche nach den Tieren im Kruger-Nationalpark
Nach einem ruhigen Flug mit South African Airways ab Frankfurt nach Johannesburg geht es nach Erledigung der Zollformalitäten mit einer Embraer von Airlink gleich weiter nach Nelspruit, das seit 2009 eigentlich Mbombela heisst. Der Ort wurde bekannt als Austragungsort einiger Spiele der Fussball-WM 2010. Vor allem aber ist Mbombela Hauptort der Provinz Mpumalanga. Der beschauliche Flughafen lässt dies eigentlich nicht vermuten, lässt uns aber gleich bei der Ankunft dank viel Ebenholz, Rhinozeros-Statuen und der entspannten Atmosphäre ins echte Afrika eintauchen.
Abgeholt werden wir von Guide Evenick Mhkatshwa von der Incoming-Agentur Mfafa Safaris. Bei der Fahrt zum Hotel in Hazyview fährt man durch eine hügelige, sanfte, grüne, spärlich besiedelte Landschaft, die in gewissen Zügen an die Toskana erinnert. Dabei fallen als erstes die riesigen Plantagen auf. Evenick klärt uns auf: «Mpumalanga lebt primär von der Landwirtschaft und ist eine Kornkammer Südafrikas. Der Tourismus kommt an zweiter Stelle.» Überall sind riesige Farmen mit Plantagen von Bananen, Mango, Avocado, Litchi, Macadamianüssen, Tomaten und mehr zu sehen. Der Renner: Macadamianüsse, welche immer öfter anstelle bisheriger Erzeugnisse wie Passionsfrucht angebaut werden, «wegen der riesigen globalen Nachfrage».
Im schmucken Boutique-Hotel Little Pilgrim's in Hazyview bleibt kaum Zeit zum Einrichten, denn schon geht es weiter zu einem «Game Drive» durch den südlichen Teil des Kruger-Nationalparks. Mit 21'000 Quadratkilometern ist dieser so gross wie die halbe Schweiz und damit der grösste Südafrikas und einer der grössten von ganz Afrika. Üblich sind hier geführte und ungeführte Game Drives im offenen Fahrzeug, man kann aber auch (nicht ganz ungefährliche) Wandertouren buchen. Wir sehen zwar laut Evenick auf der fast vierstündigen Tour nur 4 Prozent des Parks, werden aber nicht enttäuscht: Zwar sind keine grossen Herden zu sehen, aber zu Gesicht kriegen wir doch Elefant, Giraffe, Löwe, Pavian, Impala und diverse Vogelarten. Büffel, Nashorn und Leopard gibt es bei unserer Tour nicht zu sehen, sie sind aber im Park durchaus präsent. Elefanten zu verpassen geht fast nicht: Laut Evenick hat es davon rund 14'000 im Park, «eine klare Überpopulation», doch ist Geburtenkontrolle nicht möglich und niemand anderes wolle die «destruktiven Fresser» aufnehmen, weshalb man die Elefanten einfach behält. Der Kruger-Nationalpark ist komplett eingezäunt, weshalb die Elefanten nicht einfach das Weite suchen und dabei in Konflikt mit Menschen geraten können.
Abends gibt es ein erstes Tasting von südafrikanischen Spezialitäten. Die Küche ist, wie auch an den folgenden Tagen, exzellent und vielseitig. Wir haben Kudufleisch probiert - sehr empfehlenswert.
Ein Hund als lokaler Held
Der zweite Tag steht ganz im Zeichen der Panorama-Route. Nach dem Frühstück geht es los - und es muss gut selektiert werden, denn die kreisförmige Route ist lang und bietet unheimlich viele Naturattraktionen, von Wasserfällen über Canyons und Aussichtspunkte bis hin zu schmucken Ortschaften.
Unser erster Stopp führt zu den Bridal Veil Falls, die man über einen kurzen, aber malerischen Wanderweg erreicht. Die Fälle sind rund 70 Meter hoch und stürzen begleitet von Regenbogen in einen kleinen Tümpel, der langsam abrinnt. Hier fliesst Wasser von einem Zuläufer des Sabie River, einem der wichtigsten Flüsse der Provinz Mpumalanga. Man kann auch hinter den Wasserfall treten oder längere Wanderungen in der Umgebung durchführen.
Unterwegs zur nächsten Station gibt es einen kurzen Stopp bei einer Gedenktafel für «Jock of the Bushveld». Dabei handelt es sich um einen Staffordshire Bullterrier, der während der Besiedelung der Region durch Weisse im 19. Jahrhundert seine Dienste dermassen gut leistete, dass ihm sein Besitzer Percy Fitzpatrick ein Buch widmete. Dieses erzählt nicht nur viel über den Hund, sondern eben auch über das Leben in dieser wilden Natur im 19. Jahrhundert. Die Geschichte wurde auch verfilmt. Und scheint Guide Evenick sehr am Herzen zu liegen, zumal dieser die Geschichte mit vielen Details nacherzählt.
Am drittgrössten Canyon der Welt
Die Fahrt führt weiter durch die Ortschaft Graskop zum Blyde River Canyon. Dieser ist nach dem Grand Canyon (USA) und dem Fish River Canyon (Namibia) der drittgrösste Canyon der Welt - im Gegensatz zu diesen beiden aber deutlich grüner.
Der erste Stopp erfolgt bei den «Bourke's Luck Potholes». Hier trifft der Treure River auf den Blyde River und hat im weichen Sandstein zahlreiche Strudellöcher gebildet. Ein Spazierweg mit Brücken führt über den Canyon und erlaubt so gute Blicke auf die Potholes und die wunderbare Szenerie der östlichen Drakensberge. Auch hier kann man schöne Hikes unternehmen - allerdings muss man unbedingt auf den Wegen bleiben, weil die Wände am Canyon steil abfallen!
Nur wenig weiter nördlich dann kommt man zum Aussichtspunkt, der Blicke auf den 33 Kilometer langen Canyon sowie auf die Bergformation der «Three Rondavels» erlaubt. Laut Evenick bedeutet «Rondavel» auf Afrikaans ein rundes Haus mit Reetdach, und die Bergkuppen sehen effektiv so aus. Das sich hier bietende Panorama ist schlicht phänomenal; die Berge sind hier bis zu 1944 Meter hoch. Wie Evenick erklärt, nannte man die Formation früher übrigens auch «The Three Wives», weil die Three Rondavels von den Einheimischen Frauennamen erhielten: Die Namen der ersten drei Ehefrauen von Chief Marripe des Punana-Stamms, welcher den Pedi-Stamm in einer Schlacht gegen den Stamm der Swati (zu welchem Evenick selber gehört) unterstützt und dabei wesentlich zum Sieg beigetragen hatte.
Göttlich dinieren
Zeit für einen Lunch! Diesen gibt es mit Stil: Entlang der Route R532, welche einen Grossteil der «Panorama Route» ausmacht, kann man bei Erasmushoop, etwas südlich der Potholes, einfach von der Strasse abbiegen und kommt dann zu einem schmuck ans Ufer des Treure River hingebauten Restaurant. Das «Potlock Boskombuis» («Boskombuis» heisst Busch-Kombüse, also Feldküche) liegt nicht nur idyllisch, sondern bietet auch wunderbare lokale Spezialitäten, von Bobotie (Frühlingsrollen mit Hackfleischfüllung) über «Mielie Pap» (Getreidebrei aus Maismehl) bis hin zu Spare Ribs. Von Einheimischen in der Feldküche zubereitet, auf einfachen Holztischen serviert, mit Blick auf den Treure River - himmlisch.
Himmlisch sollte dann eigentlich auch der Blick von «God's Window» auf das 900 Meter tiefer gelegene Lowveld sein, also auf das tiefe Plateau am Rand der Drakensberge. Der Blick ist tatsächlich wunderbar, allerdings ist es wegen dem - nicht unüblichen - Nebel etwas diesig und damit auch schwierig fotografisch festzuhalten. Dafür hat man umso mehr Zeit, sich die Handwerksarbeiten der Einheimischen beim Parkplatz zu Gemüte zu führen. Die kleinen Stände mit Schnitzereien, Tüchern und mehr sind hübsch und fotogen, allerdings sind die angebotenen Produkte an allen ähnlichen Ständen in der Provinz immer dieselben. Etwas Diversifizierung beim Handwerk täte gut.
Nach einer kurzen Erfrischung zurück im Hotel gibt es dann noch ein Dinner-Highlight: Exklusives Abendessen auf einer Brücke über dem Sabie River beim Hippo Hollow Estate in Hazyview. Das Essen wird selber auf dem Tisch gegrillt. Und ja, wir sehen auch tatsächlich ein Hippo, welches auf dem Hotelrasen beim Fluss friedlich grast. Wer mag, kann hier auch Krokodilfleisch essen, dazu vorzüglichen Fisch, natürlich begleitet von feinem südafrikanischem Wein. Ein Tag in paradiesischer Natur, vollendet mit perfekter Küche: Was will man mehr?
Wandern statt reiten!
Am dritten Tag geht es ganz in den Süden der Drakensberge, nach Kapsehoop, welches auf fast 1500 Metern Höhe in einer regnerischen Zone liegt, wo Quartzit-Felsen die Landschaft prägen. Hier haben sich Menschen vor allem wegen Goldfunden im 19. Jahrhundert niedergelassen, unter anderem wurde einmal ein 5,5 Kilo schwerer Goldnugget gefunden. Hier kann man noch die leerstehenden Häuser des früheren Bergbau-Verantwortlichen sowie ein kleines lokales Übergangsgefängnis besichtigen. Heute gibt es allerdings keinen Bergbau mehr, dieser wurde ins nahe gelegene Barberton verlegt.
Die meisten Leute kommen ohnehin wegen der Wildpferde hierher. Unser Guide Enos Zulu führt uns entlang einem Wanderpfad durch die Gegend bei Kapsehoop. Zunächst sieht man vor allem Paviane - nicht zutrauliche, sondern wilde, trotz der Nähe zu menschlichen Siedlungen. Wir laufen hoch zum Herman's Lookout auf 1800 Metern über Meer, der Blicke auf den 3-6 Millionen Jahre alten «Barberton Impact Crater» und - allerdings nur bei gutem Wetter - bis nach Swaziland bietet, diesem Enklavenstaat innerhalb Südafrikas. Auch hier ist das Wetter etwas diesig. Dafür werden wir beim Abstieg mit einer Herde Wildpferde belohnt, die friedlich in der Nähe grast. Laut Guide Enos sind die Pferde nicht scheu und müssen hier mit Ausnahme von seltenen Leoparden auch kaum mit Gefahren rechnen. Die üblichste Todesursache, nebst dem Alter, seien hier Blitzeinschläge. Trotz der Nähe zum Menschen handelt es sich aber doch um echte Wildpferde. Laut Enos habe es ein Pferde-Farmer in der Nähe nie geschafft, auf einem dieser Pferde zu reiten.
Zum Abschluss der Wandertour brüllen nochmals Paviane um die Wette und springen ganz nahe der Gruppe vorbei, was tolle Fotos ermöglicht. Nach einem kurzen Tour durch das Örtchen Kapsehoop, welches etwas von einer Aussteiger-Kommune hat und über schmucke B&Bs, Cottages und kleinen Restaurants verfügt, geht es zurück nach Hazyview. Dort wartet zunächst mal Entspannung: Im Summerfields Rose Retreat & Spa, einer wundervollen Farm inklusive Barefoot-Luxury-Hotel und eben Spa, gönnen wir uns eine Massage. Zum Einsatz kommt dabei lokales Macadamia-Öl, als Hintergrundmusik fungiert das Rauschen des Sabie River.
Einblick in die Landwirtschaft
Nach dem Vergnügen ein Blick in die Arbeit: Farm-Manager Diederik Joubert führt uns durch die enorme Summerfields-Plantage. Das Grundstück ist 100 Hektar gross, rund 35 Hektar entfallen auf Plantagen von Macadamias der Sorte Beaumont, mehrere Hektaren auch für Litchis. Früher wurden auch Mangos und Passionsfrucht angebaut, was jedoch eingestellt wurde. Die Farm, 2000 durch das Ehepaar Andrew und Ilse Van Heerden gekauft, wurde sukzessive um ein Spa und ein Hotel erweitert und bietet auch ein regional bekanntes Feinschmecker-Restaurant. Der Haupterwerbszweig bleibt allerdings die Farm.
23 Mitarbeitende sind für Pflege, Ernte und Sortierung der Macadamias und Litchis notwendig. Der Aufwand lohnt sich: Pro Tonne Macadamias schauen rund 85-90'000 Rand heraus, also bis zu rund 6400 Franken. Erfreulich: Obwohl mit Chemikalien eine höhere Produktion möglich wäre, hat man sich auf der Summerfields Farm ganz der organischen Produktion verschrieben. Die naturreinen Erzeugnisse werden in der eigenen Küche als «Farm to table» verwendet; als Nebenerwerb wird inzwischen aus den Litchis auch Gin gewonnen, welcher «Duke Gin» heisst, benannt nach dem treuen Hund des Hausherrn. Trotz geringen Mengen - aus 100 Tonnen Litschi gewinnt man gerade mal 5000 Liter Gin - wird exportiert. Auch 98 Prozent der Macadamias, von Joubert kurz «Macs» genannt, gehen ins Ausland. Mit dem Rest werden Speise- und Pflegeöle, Eiscrème oder Butter hergestellt. Die Produkte werden natürlich auch im Farmshop verkauft und im eigenen Restaurant angeboten. In letzterem gibt es auch fantastisches Fleisch. Ein würdevoller Abschluss einer kurzen Reise durch die Provinz Mpumalanga.
Fazit
Mpumalanga, das frühere Eastern Transvaal, wird nicht umsonst «The Paradise Province» benannt. Man ist geneigt zu vermuten, dass die Region dem Paradies als Modell gedient haben könnte. Fantastische Natur, eine reiche Tierwelt, überaus freundliche Menschen und nirgendwo ein Gefühl von Unsicherheit: Hier kommt das Beste von Südafrika zum Vorschein.
Gewiss, man sollte keine rosa Brille auf haben: Auch hier zeigt sich, dass die Differenzen zwischen Schwarz und Weiss auch 25 Jahre nach Abschaffung der Apartheid noch nicht komplett überwunden sind. Das zeigt sich im Alltag oft, etwa mit getrennten Schulen in Mbombela, aber glücklicherweise kaum durch offene Konflikte. Ein gewisses gegenseitiges Misstrauen gibt es zwar noch. Touristen werden aber hüben wie drüben freundlich empfangen. Deshalb kann auch Travelnews nur wärmstens empfehlen: Sind Sie erstmals in Südafrika, besuchen Sie unbedingt die Region Mpumalanga. Und sind sie schon da gewesen, kommen Sie gelegentlich wieder. Denn auch diese Region verändert sich, nicht zuletzt wegen dem Klimawandel, den die Farmer und Guides mehrfach erwähnen und der sich in späteren, dafür heftigeren Regenzeiten äussert. Die paradiesische Region verdient die Unterstützung von (Schweizer) Touristen.
[Die Reise wurde ermöglicht von South African Tourism und South African Airways]