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MSC-Chef Pierfrancesco Vago rechnet 2021 mit 50 Prozent der Passagiere aus dem Vorkrisen-Jahr 2019. Bild: MSC Cruises

MSC-Chef rechnet 2022 mit schwarzen Zahlen

Pierfrancesco Vago, Executive Chairman von MSC, spricht in einem Interview über die Herausforderungen der Krise, weshalb er keine Impfpflicht an Bord einführt und die aktuelle Buchungslage.

Wie steht es eigentlich aktuell um das Kreuzfahrt-Unternehmen MSC Cruises? In einem Interview der «CH Media» steht Pierfrancesco Vago, Chef von MSC Cruises, Rede und Antwort. Die Krise habe die Reederei hart getroffen, viel Geld wurde in den letzte 15 Monaten der Pandemie verbrannt. Wie viel genau, das bleibt offen. Klar ist aber, dass zumindest in den Monaten des kompletten Stillstandes der Flotte kein Geld erwirtschaftet worden ist. Dank eines umfassenden Hygiene- und Schutzkonzeptes ist das Unternehmen im August letzten Sommers wieder gestartet und habe zehntausende Gäste an Bord begrüsst. Aktuell sind von den 19 Schiffen aus der Flotte 11 auf den Meeren unterwegs. Bis Ende Jahr plant das Unternehmen wieder mit allen Kreuzfahrt-Riesen zu operieren.

Der MSC-Chef zeigt sich optimistisch und beobachte eine «gewisse Normalisierung». Viele Leute haben ein grosses Ferienbudget. Die Buchungslage zeigt sich wie folgt, erklärt Vago: «Natürlich sind wir noch weit unter dem Niveau von 2019. Und für dieses Jahr wird äusserst kurzfristig gebucht. Gleichzeitig erhalten wir aber bereits Buchungen für 2022, die dem Trend von 2019 entsprechen.» Gerade der Schweizer Markt erhole sich schneller, weil die Menschen hierzulande höhere Einkommen haben. Diese Gäste setzten auf Luxus, etwa Kabinen im MSC Yacht Club mit einem Butler. «Bei den Passagierzahlen rechnen wir für 2021 mit rund 50 Prozent gegenüber 2019», so Vago. Auf die Frage, wann MSC wieder schwarze Zahlen schreibt, entgegnet der Chef: «Dieses Jahr schreiben wir sicher noch Verlust, aber zumindest erwirtschaften wir jetzt wieder Einnahmen. Für 2022 bin ich optimistisch gestimmt.»

Die grösste Herausforderung in der Krise war, dass es keinerlei Kooperation zwischen den europäischen Ländern im Umgang mit der Pandemie gab. Dies hatte zur Folge, dass es beispielsweise beim Anlegen in Malta für den Schweizer an Bord andere Regeln als für den italienischen Passagier gab, und zwar je nach Region in Italien, erinnert er sich. Das war chaotisch, aber dennoch gelang es der Reederei, Crewmitglieder und Passagiere sicher zu transportieren. Er freut sich zudem, dass seit rund einem Monat nun fast alle mediterranen Häfen wieder offen sind.

Anders als andere Reedereien hat MSC wo möglich keine Impfpflicht für Passagiere an Bord, etwa in Europa. Man passe sich hierbei aber den Vorschriften der jeweiligen Region an: «Wenn in Nordamerika nur Geimpfte an Bord dürfen, werden wir uns dort an diese Regeln halten», sagt Vago. Von einer Impfpflicht möchte der Chef aber abhalten, weil er dadurch Familien ablehnen müsste - obwohl sich das Angebot hauptsächlich an sie richtet. «Ich bringe es nicht übers Herz, nur Geimpfte an Bord zu lassen», erklärt er.

(NWI)