Tourismuswelt
Sunday Press Die negative Seite des Kreuzfahrten-Booms
Gleich zwei Sonntagszeitungen befassen sich mit den Auswirkungen des Massentourismus’, insbesondere jenem, der durch Kreuzfahrten verursacht wird. So werden laut der «NZZamSonntag» die Spitzbergen von Touristen auf Kreuzfahrten überschwemmt. Dies bereitet den Einheimischen immer mehr Sorgen. «Wir sind auf dem Weg zu einer Barcelona-Situation», sagt Espen Rotevatn, Präsident der Grünen in Svalbard. Zu Protesten gegen Touristen wie in der spanischen Metropole ist es im norwegischen Ort zwar noch nicht gekommen. Laut Rotevatn kann aber der Entwicklung nicht mehr tatenlos zugesehen werden: «Wir müssen jetzt bremsen.» Svalbard bietet statt Strand Eisberge und einsame Tundra. Trotzdem weist keine Region in Norwegen mehr Gästeübernachtungen pro Einwohner auf. Der Grund: Grössere und robustere Schiffe erreichen Orte, die vor kurzem noch im Polareis lagen. Die Arktis wird damit einem immer grösseren Touristenkreis zugänglich.
Die «Sonntagszeitung» hat sich die Schadstoffausstosse der Ozeanliner genauer angeschaut und kommt zum Schluss: Der Kreuzfahrtboom bedroht die Weltmeere. Das Wachstum der Branche führe zu einer drastischen Zunahme giftiger Abgase, die zu einer Verschmutzung der Meere führe. So hat sich laut dem Blatt der Verbrauch von Schweröl bei TUI Cruises zwischen 2012 und 2017 verdreifacht, allein im vergangenen Jahr sei er um 28 Prozent gestiegen. Die Verbrennung von Schweröl führt zu Schwefel, Stickstoff- und Feinstaubemissionen. Dank effizienteren Schiffen und neuen Abgassystemen sei der Schadstoffverbrauch pro Kopf zurückgegangen, entgegnet Lucienne Damm, Umweltbeauftragte von TUI Cruise.
Umweltverbände bemängeln immer wieder, dass die Branche bezüglich umweltfreundlicherer Antriebssysteme zu wenig unternimmt. «Bei den Kreuzfahrtunternehmen ist unfassbar viel Geld vorhanden. Sie könnten Umwelttechnologien vorantreiben und neue Standards für die Schifffahrt setzen», wird in der «Sonntagszeitung» Daniel Rieger vom deutschen Naturschutzbund zitiert.
The Chedi Andermatt bald in der Gewinnzone
Ganz andere Töne schlägt in der «Sonntagszeitung» der ägyptische Unternehmer Samih Sawiris an. Er schwärmt im Interview von Montenegro, wo er gerade ein Hotel der Marke The Chedi in der Bucht von Lustica Bay eröffnet hat. Das Land sei unglaublich stabil, sagt Sawiris: «Montenegro ist viel besser als sein Ruf.» Insbesondere lobt der die effiziente Wirtschaft des Kleinstaates mit 70’000 Einwohnern. Und Sawiris versteift sich zu der Aussage: «Das Land kann politisch so etwas wie die Schweiz des Balkans werden.» Zu Beginn stiess der Unternehmer, der in Andermatt für den Bau des Resorts verantwortlich zeigt, auch in Montenegro auf viel Skepsis: «In den Medien hiess es, ich sei ein Spekulant.»
Sawiris äussert sich auch zur Entwicklung in Andermatt. Und die sieht offenbar erfreulich aus: «Ich denke, in ein paar Jahren mit dem Projekt Andermatt profitabel zu sein», prognostiziert er und ergänzt: «Mit dem Hotel The Chedi Andermatt sind wir bald in der Gewinnzone.» Generell zeigt er sich sehr zufrieden mit seinem Engagement hierzulande: «Alles, was ich in der Schweiz gemacht habe, hat an Wert gewonnen.» Für sein Heimatland Ägypten sieht er derweil wieder bessere Zeiten kommen. Es gehe aufwärts.
Ernst scheint es Sawiris auch mit seinen Plänen für ein eigenes Klavierkonzert zu sein. Er ist seit einiger Zeit fleissig am Üben. In vier Jahren will er vor Publikum auftreten. «Klavierspielen verlangt etwas von mir, was mich stark nervt …. Es gibt beim Klavierspielen keine Abkürzung, keine Effienzsteigerung», sagt der heute 61-Jährige. Seinen Einstand als Pianist wird Sawirs laut dem Interview wohl in El Gouda geben – aus ganz praktischen Gründen: «Die Leute am Roten Meer sind nicht so pingelig und klassisch orientiert wie anderswo. Dann merkt auch keiner, falls ich nicht so gut bin», sagt er. Wenn sein Spiel besser ist, will Sawiris einen Auftritt in Kairo und später in Andermatt ins Auge fassen.
SBB müssen S-Bahn-Züge verkürzen
Mit einer wenig erfreulichen Meldung für Pendler wartet der «Sonntagsblick» auf. Wegen des Ferien bedingten Personalmangels bei den Instandhaltungswerke, sehen sich die SBB gezwungen, die S-Bahn-Züge teilweise zu verkürzen, sprich: Es kommt zu einem temporären Angebotsabbau. Ursprünglich hätte die Massnahme vom 6. bis 17. August dauern sollen, doch nun muss laut SBB-Sprecher Reto Schärli auch in den kommenden Wochen mit kürzeren Kompositionen gerechnet werden. Dies hat zur Folge, dass in Hauptverkehrszeiten auf gewissen Linien nicht immer die gewünschte Anzahl Sitzplätze zur Verfügung steht.
Passagierverdopplung in den kommenden 15 Jahren
Noch enger dürfte es künftig am Flughimmel bleiben. Die «NZZamSonntag» prognostiziert, dass laut Angaben der Industrie sich die Anzahl Flugpassagiere weltweit in den kommenden 15 Jahren verdoppeln wird. Nochmals fünf Jahre später wird dies dann auch bei der Flugzeugflotte der Fall sein.
Haupttreiber des Booms ist global eine wachsende Mittelklasse. Insbesondere in Asien entdecken immer mehr Leute das Fliegen. «80 Prozent der Weltbevölkerung ist noch nie geflogen», zitiert die Zeitung Boeing-Chef Dennis Muilenburg. Bereits diesen Sommer hat die Anzahl Flüge in Europa ein Rekordniveau erreicht – die Anzahl der Verspätungen allerdings auch.
Missverständnisse mit jüdisch-orthodoxen Gästen
Um Probleme beziehungsweise Missverständnisse mit jüdisch-orthodoxen Gästen künftig zu vermeiden, wollen laut der «Sonntagszeitung» der Hotelverband Hotelleriesuisse und Schweiz Tourismus im nächsten Sommer eine Info-Broschüre an Hotels, Tourismusbüros sowie Vermietern von Ferienwohnungen verteilen. Der jüdische Dachverband SIG prüft zudem, ob jüdische Auskunftspersonen Beratungsangebote an Ferienorten anbieten sollen. Auslöser waren zwei negative Vorfälle in Davos und Arosa.
In Davos sorgte der CEO von Davos Tourismus mit seinem Schreiben über «Jüdische Sommergäste in Davos» für Verstimmungen. Er hielt in dem Papier fest, dass jüdische Gäste zum Teil Abfall im Wald liegen und immer wieder ihre Gästekarte als vermisst melden lassen würden, was auf einen möglichen Missbrauch hindeuten könnte. In Arosa löste eine Hotelangestellte einen Sturm der Empörung aus, als sie nach Rückmeldungen von Gästen jüdische Besucher des Schwimmbades auf einem Plakat aufforderte, vor dem Baden zu duschen. «In der Broschüre sollen die jüdische Kultur und die Verhaltensweisen erklärt und Missverständnisse so verhindert werden», sagt Patric Schönberg von Hotelleriesuisse.
Ähnliche Informationsschreiben gibt es bereits für Gäste aus China, Russland und den Golfstaaten.
Brandenburg, Städtereisen und Kreuzfahrt-Special
Auf ihren Reiseseiten berichten die «Zentralschweiz am Sonntag» und die «Ostschweiz am Sonntag» über Brandenburg, die griechischen Insel und über Endingen im Kanton Aargau. Die «NZZamSonntag» wartet mit einem «Kreuzfahrt special» auf. Die Themen sind unter anderem: Wie Costa gegen die Lebensmittelverschwendung vorgeht, wie kleinere Redereien mit kleineren Schiffe ein grosses Ferien-Erlebnis bieten und welche Kreuzfahrttypen es gibt.
Die «Sonntagszeitung» wartet mit einem «Städtereisen special» auf. Darin wird unter anderem aufgezeigt, wie europäische Metropolen mit kreativen Ideen und Angeboten dem Tourismusansturm begegnen, und die Entwicklung der Hotellandschaft Wiens. Weitere Themen sind Stuttgart und Liverpool.