Tourismuswelt

Noch sind nicht alle Karten auf dem Tisch: Die Organisatoren der Schweizer Ferienmessen warten auf die Zusagen der grössten Reiseveranstalter. Bild: TN

Schweizer Platzhirsche lassen Ferienmessen zappeln

Reto Suter

Die Vorbereitungen für die Ferienmessen 2027 laufen auf Hochtouren. Doch ausgerechnet die grössten Schweizer Reiseveranstalter halten die Organisatoren noch hin. Damit bleibt die Planung für die Messeleiter mit Unsicherheiten behaftet.

Die Ferienmessen in Bern und Zürich gehören seit Jahren zu den wichtigsten Schaufenstern der Schweizer Reisebranche. Auch wenn bis zu den Ausgaben 2027 noch über ein halbes Jahr Zeit bleibt, laufen hinter den Kulissen bereits intensive Vorbereitungen. Bis Ende Juni konnten sich Aussteller zu vergünstigten Konditionen anmelden. Nach Ablauf des Frühbucherrabatts ziehen die Verantwortlichen eine vorsichtig positive Zwischenbilanz.

«Wir befinden uns, auch nach Ablauf des Frühbucherrabatts, weiterhin in der Anmeldephase. Mit den bisherigen Tendenzen und dem aktuellen Zwischenfazit sind wir zufrieden, insbesondere vor dem Hintergrund der derzeit wieder mal nicht ganz einfachen Marktumstände und Marktbedingungen», sagt Mario Kovacevic, Leiter der Ferienmesse Bern, auf Anfrage von Travelnews.

Konkrete Zahlen oder Namen – etwa von Dertour Suisse, TUI Suisse, Globetrotter oder Knecht Reisen – will Bernexpo noch nicht nennen. «Wie üblich zu diesem Zeitpunkt stehen wir mit den genannten Reiseveranstaltern in Kontakt und sind im Austausch», so Kovacevic.

Jetzt gilt es, weitere Unternehmen von einer Messeteilnahme zu überzeugen. Die Organisatoren setzen dabei auf persönliche Gespräche, Mailings, gezielte Marketingmassnahmen und den direkten Austausch an Netzwerkveranstaltungen. «Noch hat es Platz in den Hallen, und wir freuen uns auf alle alten und neuen Ausstellenden, die bei den Ferienmessen dabei sein und mitmachen möchten», sagt Kovacevic.

Gibt es ein Comeback von TUI Suisse?

TUI Suisse hatte sich 2025 von den Schweizer Ferienmessen verabschiedet. Damals begründete das Unternehmen den Rückzug mit wirtschaftlichen Überlegungen (Travelnews berichtete).

«Der Grund ist ein kommerzieller Entscheid, da wir unsere Zielsetzung für die Messen in den letzten zwei Jahren nicht erreicht haben», erklärte Sprecherin Sonja Ptassek seinerzeit. Im Zentrum habe die Gewinnung neuer Kundinnen und Kunden gestanden. Dieses Ziel sei nicht im gewünschten Mass erreicht worden.

Nun könnte sich die Ausgangslage verändert haben. Seit dem 1. Juni 2026 steht mit Nicole Pfammatter eine neue CEO an der Spitze von TUI Suisse. Die in der Schweizer Reisebranche bestens vernetzte Managerin löste Philipp von Czapiewski ab. In der Branche wird deshalb spekuliert, dass die Ferienmessen eine Chance auf ein Comeback des Unternehmens haben könnten.

Entschieden ist allerdings noch nichts. «Die detaillierte Marketingplanung findet bei TUI jeweils bis Ende August statt», erklärt Sonja Ptassek auf Anfrage. «Dort legen wir jährlich unsere Marken- und Sales-Ziele fest und entscheiden uns für die passenden Kanäle und Werbemittel innerhalb des festgelegten Budgetrahmens. Wie jedes Jahr beurteilen wir darin auch die Teilnahme an Messen.»

Auch Dertour Suisse hält sich bedeckt

Nicht weniger spannend ist die Situation bei Dertour Suisse. Nach der Übernahme von Hotelplan werden zahlreiche Marketing- und Vertriebsaktivitäten überprüft. In Branchenkreisen wird deshalb befürchtet, der grösste Schweizer Reiseveranstalter könnte seine Präsenz an den Ferienmessen deutlich reduzieren oder sogar ganz darauf verzichten.

Ein Entscheid steht noch aus. Amélie Schnidrig, Sprecherin von Dertour Suisse, sagt: «Ferienmessen sind für uns ein wichtiges Instrument, um unsere Marken zu präsentieren, mit Kundinnen und Kunden sowie Partnern in Kontakt zu treten und unsere Präsenz im Markt zu stärken.»

Wie jedes Jahr würden sämtliche Engagements hinsichtlich Effektivität und Zielerreichung überprüft, so Schnidrig. Erst danach falle der Entscheid über den Messeauftritt 2027. Ergänzt werde der Marketingmix zudem durch eigene Formate wie die Kreuzfahrtmesse oder den Reisekompass.

Für die Organisatoren der Ferienmessen bedeutet das vorerst vor allem eines: Geduld. Zwar zeigen die bisherigen Anmeldungen in die richtige Richtung, doch der eigentliche Härtetest steht noch bevor. Denn erst wenn die grossen Schweizer Reiseveranstalter ihre Karten auf den Tisch legen, wird sich zeigen, mit welchem Gewicht die Ferienmessen 2027 antreten können.