Tourismuswelt

Das Visit USA Committee Switzerland war über Jahrzehnte hinweg eine zentrale Plattform für die Vermarktung der USA in der Schweizer Reisebranche. Bild: TN

Kommentar Vom Branchenmotor zum kompletten Stillstand

Reto Suter

Mitten in einer ohnehin schwächelnden Nachfrage bricht der Schweizer USA-Vermarktung ihre wichtigste Plattform weg. Das Ende des Visit USA Committee Switzerland kommt überraschend und zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt.

Seit 42 Jahren gibt es das Visit USA Committee Switzerland. Gegründet einst in einem Konferenzraum der US-Botschaft in Bern – mit dem Ziel, die Vereinigten Staaten in der Schweizer Reisebranche zu vermarkten.

Von Beginn an waren die grossen Reiseveranstalter und die wichtigsten Airlines mit USA-Bezug an Bord. Eine starke Allianz, eine starke Stimme. Und nun? Ende 2026 ist Schluss. Der Schweizer Ableger von Visit USA, der weltweit in über 50 Ländern existiert, wird ohne Vorankündigung beerdigt.

In seiner Blütezeit war das Komitee eine Macht. Am jährlichen USA-Seminar trafen sich 400 bis 500 Reiseprofis, informierten sich über Neuheiten und Trends und pflegten ihr Netzwerk.

Auch die Roadshow durch mehrere Schweizer Städte war über Jahre hinweg ein Publikumsmagnet. Wer im USA-Geschäft unterwegs war, kam daran nicht vorbei. Heute wirkt das alles wie aus einer anderen Zeit.

Wenn das Kartenhaus zusammenfällt

Der Rücktritt von Präsident Heinz Zimmermann per Ende 2026 ist der Auslöser. Ein Nachfolger? Nicht in Sicht. Also tritt gleich der ganze Vorstand ab. Tür zu, Licht aus. Das zeigt: Die Probleme liegen tiefer. Es ist nicht einfach ein personeller Wechsel, sondern ein struktureller Einschnitt. Und vor allem: ein ganz schlechtes Signal.

Und dieses kommt zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt. Seit dem erneuten Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump Anfang 2025 hat die Reiselust der Schweizer in Richtung USA massiv nachgelassen. Die Zahlen sinken, und das wirkt sich direkt auf die Branche aus.

Die Events des Komitees wurden zuletzt von Mal zu Mal schwächer besucht. Das «Island Hopping» im Februar 2026 etwa blieb deutlich hinter den Erwartungen zurück, die Roadshow wurde für dieses Jahr gleich ganz gestrichen.

Wenn in einer solchen Phase auch noch die wichtigste Plattform für die Vermarktung des – immer noch – beliebtesten Langstreckenziels der Schweizerinnen und Schweizer verschwindet, wirft das Fragen auf.

Natürlich gibt es Erklärungen. Die Konsolidierung im Veranstaltermarkt spielt eine Rolle: Die Übernahme von Hotelplan durch Dertour hat die Zahl der grossen Player von drei auf zwei reduziert. Gleichzeitig stehen viele Airlines unter Druck und haben weder die Ressourcen noch die Priorität, sich in einem solchen Gremium stärker zu engagieren.

Und dennoch bleibt ein ungutes Gefühl. Denn was jetzt folgt, wirkt wie ein Flickenteppich: Einzelne Aufgaben wandern nach Deutschland, Events werden dezentral organisiert. Vieles soll bleiben, aber nichts hat mehr die frühere Strahlkraft.

Gerade in Zeiten, in denen der Markt unter Druck steht, wäre eine gemeinsame, starke Stimme wichtiger denn je. Stattdessen wird sie nun deutlich leiser.