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Rettung in letzter Sekunde: Der Visa-Schalter am Flughafen Zürich
Marilin LeuthardWer nicht regelmässig reist, für den kann schon der Gedanke an eine Flugreise Stress auslösen. Reisepass, Visa, ESTA oder ein Gesundheitsnachweis: Die Furcht, nicht alle erforderlichen Dokumente dabeizuhaben, ist für viele ein ständiger Reisebegleiter und legt sich meist erst bei der Ankunft am Zielort.
Es kommt häufig vor, dass Passagiere entweder ein falsches Dokument dabei haben oder es ganz vergessen. Gerade bei Ländern, deren Einreisebestimmungen sich erst kürzlich geändert haben, sind Reisende besonders anfällig für solche Fehler. Hinzu kommen betrügerische Visa-Webseiten, die ein gefälschtes Visum viel zu teuer verkaufen, welches dann gar nicht gültig ist.
Muss man mit Erschrecken feststellen, dass man am Gate nicht mehr weiterkommt, bietet sich am Flughafen Zürich eine allerletzte Möglichkeit, damit der Flug doch noch angetreten werden kann: das Reisebüro Toros Reisen beim Check-in 2. Dieses Reisebüro ist bei den Airlines bestens bekannt dafür, Passagieren mit fehlerhaften oder fehlenden Dokumenten im letzten Moment noch helfen zu können.
Diese Erfahrung hat auch die Reise-Influencerin Marina Fischer gemacht. Wie sie auf ihrem Instagram-Kanal erzählt, durfte sie einen Flug nach Kuba nicht boarden, da sie von der kubanischen Botschaft am Vortag ein «kryptisches» Visum erhalten hatte, welches am Gate nicht akzeptiert wurde. Daraufhin wurde sie an den «Visa-Schalter» verwiesen und zeigt sich sichtlich überrascht darüber, dass ihr dort innert weniger Minuten ein gültiges Visum für Kuba ausgestellt werden konnte. Sie kannte diesen Schalter zuvor nicht – und wir auch nicht.
Also hat sich Travelnews mit Yakup Yaprak, dem Geschäftsführer von Toros Reisen, getroffen, um mehr über das Reisebüro zu erfahren, das Reisenden in letzter Minute noch die Ferien rettet.
Mussten Sie heute bereits jemandem notfallmässig ein Visa ausstellen, damit die Person den Flug nicht verpasst?
Yakup Yaprak: Bisher nicht. Wir bieten nicht nur E-Visa an, sondern auch Flüge und Hotels. Als ich heute Morgen aufgestanden bin, habe ich gesehen, dass der Pegasus-Flug nach Istanbul annulliert wurde, also musste ich den ganzen Morgen Tickets für den Alternativflug mit den Turkish Airlines ausstellen. Dazwischen habe ich noch ein Ticket nach Grossbritannien und zwei in die USA verkauft. Gestern hingegen habe ich den ganzen Tag ausschliesslich Visa-Anliegen bearbeitet. Ob ETAs für Grossbritannien, eine Thai Arrival Card für Thailand oder Dokumente für die Philippinen oder die Türkei. Genau diese Abwechslung ist das, was meinen Beruf so interessant macht.
Welche Dokumente können Sie ausstellen und welche nicht?
Grundsätzlich kann ich alle elektronischen Visa, Touristenkarten sowie Gesundheits- und Zollformulare ausstellen. Jedoch kann ich nicht immer garantieren, dass die Dokumente rechtzeitig da sind. Das hängt massgeblich auch von den bereitgestellten Dokumenten der Kundinnen und Kunden sowie der Effizienz der jeweiligen Behörden ab. Anfragen zu Indien nehme ich beispielsweise nur ungern entgegen, da ein E-Visa meist drei bis sieben Tage, teilweise noch länger, dauern kann. Wo die Bürokratie langsam ist, stehe auch ich an. Indien-Reisende verwechseln bei der Reisepassnummer typischerweise gerne die Null mit dem Buchstaben O, was das Dokument ungültig macht.
Unterlaufen Ihnen nie Fehler?
Wir sind auch nur Menschen, da sind Fehler möglich. In solchen Fällen würde Toros Reisen natürlich für den Schaden haften.
Können Sie auch ein konsularisches Visum ausstellen?
Nein, ich bin keine Botschaft. Wenn ich Kunden nicht direkt helfen kann, dann sage ich das auch, versuche sie aber dennoch zu unterstützen. Bis man einen Termin auf einer Botschaft bekommt, geht das meist zwei bis drei Wochen. Da verweise ich die Leute gerne an Stellen weiter, die das auch deutlich schneller möglich machen können.
«Je nach Dokument verrechne ich eine Bearbeitungsgebühr von 30 bis 50 Franken»
Wie viel kostet Ihr Service?
Je nach Dokument verrechne ich eine Bearbeitungsgebühr von 30 bis 50 Franken. Beispielsweise für das Gesundheitsformular, das bei der Einreise in die Dominikanische Republik verlangt wird und an sich kostenlos ist, verrechne ich 30 Franken. Dafür haben es Passagiere in zwei Minuten und verpassen ihren Flug nicht.
Viele Menschen loben Ihren schnellen Service. Was ist Ihr Geheimnis, dass Sie Dokumente so schnell ausstellen können?
Ich habe mittlerweile 13 Jahre Erfahrung und bearbeite meist mehrere Anliegen gleichzeitig. Inzwischen bin ich auch mit vielen offiziellen Stellen eng vernetzt, was mir die Arbeit zusätzlich erleichtert.
Seit wann gibt es Toros Reisen?
Toros Reisen wurde 1998 gegründet. Ich bin seit gut 15 Jahren dabei und habe das Reisebüro 2012 übernommen. Anfangs verkauften wir Hotels und Flugtickets, mit dem Ausstellen von elektronischen Visa wie ESTAs und ETAs oder anderen Dokumenten habe ich 2013 begonnen. Heute arbeiten wir als Familienbetrieb: mein Vater, meine Schwester und ich.
Sie sind also ein klassisches Reisebüro?
Das ist richtig. Neben allen möglichen Formularen, bieten wir noch immer Flugreisen und Unterkünfte an. Sie können 1 Stunde und 15 Minuten vor Abflug zu uns kommen und wir bringen Sie noch rechtzeitig in den Flieger, wenn es Platz hat. Ich suche für meine Kunden stets die besten Angebote und mache ihnen immer zwei bis drei Vorschläge. Deshalb habe ich mir mittlerweile eine grosse Stammkundschaft aufgebaut, die immer wieder bei mir bucht. Dazu gehören auch Grossfirmen, die für Reisen mit 30 bis 40 Personen zu uns kommen.
Wie hat sich der Iran-Krieg auf das Geschäft ausgewirkt?
Zu Beginn des Krieges mussten wir enorm viele Passagiere bei Umbuchungen unterstützen. Zahlreiche Personen, die über die Drehkreuze im Nahen Osten gebucht hatten, brauchten einen Alternativflug auf die Philippinen, nach Vietnam, Thailand oder Indien. Wir konnten allen einen Flug ermöglichen, aber da bucht man auch mal eine Reise über den halben Globus, Hauptsache, die Passagiere kommen rechtzeitig an ihrem Wunschziel an. Ich erinnere mich an eine neunköpfige Gruppe, die für eine Hochzeitsfeier auf ein Kreuzfahrtschiff in die Malediven musste. Da habe ich einen ganzen Nachmittag gebraucht, bis ich diese Reise organisiert hatte, aber sie haben es pünktlich geschafft.
Sie retten Menschen in Notsituationen. Sie erfahren bestimmt viel Dankbarkeit?
Ja, sehr. Es geht keine Woche vorbei, ohne dass mir eine Kundin oder ein Kunde ein Geschenk entweder per Post zukommen lässt oder gar persönlich vorbeibringt. Ich liebe meinen Job und über solche Gesten freue ich mich natürlich besonders. Letztes Jahr konnte ich einer Frau in letzter Minute ein ESTA für die USA besorgen und einige Tage später erhielt ich als Dank ein riesiges Paket aus den USA mit verschiedensten Produkten.