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Was halten Sie von den jüngsten Geschehnissen in der Tourismusbranche und Reisewelt? Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Bild: Adobe Stock

Feedback: «Diese 'selbst schuld'-Haltung ist einfach daneben»

Schreiben Sie uns Ihre Meinung am Ende jedes Artikels (Disqus), per E-Mail auf redaktion@travelnews.ch oder direkt unter den Posts auf Social Media. Das heutige Feedback bezieht sich auf den Einwurf von Karin Kofler unter dem Titel «Gestrandet im Paradies – und sofort empört: Die falsche Erwartung an den Staat».

«Trifft den Nagel auf den Kopf»

«Der Einwurf von Karin Kofler trifft den Nagel auf den Kopf. Besser kann man es in dieser Kürze nicht formulieren und zusammenfassen. Gratulation!»

Walter Kunz, Ombudsman der Schweizer Reisebranche, via E-Mail.

«Ich habe von unseren Kunden Ruhe, Geduld und Pragmatismus erlebt»

«Ihr Einwurf, Frau Kofler, liest sich wie gewohnt pointiert, und ich erkenne durchaus die journalistische Lust daran, dem Schweizer Reisevolk den Spiegel vorzuhalten. Ein bisschen Reibung belebt ja bekanntlich jede Kolumne. Allerdings erlaubt mir meine tägliche Arbeit mit Reisenden einen etwas anderen Blick auf die Realität. Die Menschen, die in Dubai, Doha oder auf den Malediven festgesessen haben und noch immer festsitzen, waren nicht damit beschäftigt, den Staat für verspätete Cocktails verantwortlich zu machen. Sie standen schlicht vor der Frage, ob und wann sie mit ihren Familien wieder nach Hause kommen. Das ist weniger 'Vollkaskomentalität' – und mehr die ganz normale Reaktion von Menschen, die plötzlich in einer geopolitischen Lage stecken, die sie weder verursacht noch beeinflusst haben.

Sie schreiben, ein bisschen Demut täte gut. Da bin ich einverstanden – allerdings in alle Richtungen. Demut bedeutet auch, die Perspektive jener ernst zu nehmen, die sich in einer Ausnahmesituation befinden, statt ihnen aus sicherer Distanz eine Haltung zu unterstellen, die sie in der Realität gar nicht zeigen. Ich habe in diesen Tagen zusammen mit unseren Kunden vor allem Ruhe, Geduld und erstaunlich viel Pragmatismus erlebt. Wenn das der neue Schweizer «Anspruch» sein soll, dann dürfen wir uns glücklich schätzen.

Reisen ist ein Privileg, da stimme ich Ihnen zu. Aber gerade deshalb sollten wir nicht vorschnell jene kritisieren, die unterwegs sind und plötzlich in einer Lage stehen, in der sie schlicht Orientierung suchen. Wer in einem geschlossenen Luftraum festsitzt, braucht keine Belehrung über Eigenverantwortung – sondern klare Informationen und ein bisschen menschliche Unterstützung.

Vielleicht ist das am Ende die eigentliche Geschichte: Nicht die vermeintliche Anspruchshaltung der Reisenden, sondern die Fähigkeit, in einer Krise die richtigen Töne zu treffen.»

Martin Fiedler, Zentrum Reisen Mels, via E-Mail.

«Selbst-Schuld-Haltung ist einfach daneben»

«Vom warmen und sicheren Büro in der bombenfreien Schweiz geschrieben. Herzig. Das mag für jene gelten, die nur über die VAE fliegen, aber Menschen, die in dem Gebiet festsitzen, aus dem es im Moment kaum Wege nach draussen gibt, in dem täglich Explosionen zu hören sind, dürfen sehr wohl erwarten, dass der Bund nicht ausschliesslich nach Eigenverantwortung schreit. Er kann wenig tun, wenn der Luftraum geschlossen ist, aber diese 'selbst schuld'-Haltung ist einfach daneben. Sowohl von Kofler als auch vom EDA. Und warum hat Travelnews bzw. Karin Kofler kein Wort darüber verloren, wenn man es ja hatte sehen kommen? Diese Arroganz ist unerträglich.»

Nathalie Sassine-Hauptmann, CEO Webook.ch, Winterthur, via Facebook.

«Eigenverantwortung hat dort ihre Grenzen, wo die Branche und die Politik kläglich versagen»

«Der Appell an die Demut ist berechtigt: Wer im Luxushotel festsitzt, während nebenan Menschen sterben, leidet unbestreitbar auf hohem Niveau. Aber machen wir uns nichts vor, erholsam ist das trotzdem nicht. Doch Eigenverantwortung hat dort ihre Grenzen, wo die Branche und die Politik kläglich versagen. Hätte das EDA nicht viel früher deutliche Reisehinweise veröffentlichen müssen, als die Pläne der USA bereits absehbar waren? Jetzt lässt man die Reisenden allein und schiebt alles auf die 'Eigenverantwortung'.

Wir in den kleinen Schweizer Reisebüros stehen derzeit an vorderster Front. Wir sind Psychologen, Logistiker und Prellböcke zugleich. Während wir versuchen, gestrandete Familien mit kleinen Kindern zu beruhigen, werden wir von den Airlines komplett im Regen stehen gelassen. Es kommen zwar langsam erste Zusatzflüge, aber die Verzweiflung bei vielen Kunden ist nach wie vor riesig. Es ist schlichtweg beschämend. Das Vertrauen ist massiv erschüttert: Kunden, die eigentlich erst Ende März reisen würden, buchen jetzt schon nervös «Sicherheits-Backups» oder suchen verzweifelt nach einem Plan B, weil sie fürchten, sonst überhaupt keine Plätze mehr zu finden.

Besonders stossend ist das Prinzip «Profit vor Service»: Dass in der Not ex Asien plötzlich nur noch die teuersten Buchungsklassen verfügbar sind, grenzt an Abzocke. Die Flüge sind voll, echte Lösungen nicht in Sicht. Warum werden Kapazitäten nicht flexibler umverteilt, um Reisende aus Asien zurückzuholen? Warum werden strategische Strecken nicht konsequent aufgestockt? Es wirkt, als wären die Airlines komplett überfordert. Hat man nach Corona zu viele Stellen dem Sparzwang geopfert, damit die Gewinne wieder schön fliessen? Es ist ein Armutszeugnis für die Branche, wenn in der Krise nur noch Preise diktiert und die Kommunikation eingestellt wird. Ja, wir Schweizer sind privilegiert. Aber wer mit Kleinkindern am Flughafen strandet, dem hilft kein philosophischer Exkurs über Demut.»

Barbara Wohlfahrt, Geschäftsführerin Reisecocktail Zürich, via Facebook.

«Nicht einfach, auf die Schnelle zusätzliche Flugrotationen aufzugleisen»

«Barbara Wohlfarth, ich bin da nicht ganz deiner Meinung… Wie in den Medien zu lesen war, war der erste Kriegseinsatz von Israel/USA schlussendlich doch recht spontan. Hätte das EDA früher schon eine Reisewarnung herausgegeben, wären WIR alle auf die Barrikaden da wir Stornos/Umbuchungen gehabt hätten – niemand wusste mit Sicherheit ob & wann angegriffen wird – ich behaupte auch kein EDA! Ich ‚schiesse‘ sehr oft gegen Airlines und bin mit vielem nicht einverstanden. Aber ich kann mir absolut gut vorstellen, dass es logistisch nicht ganz so einfach ist, auf die Schnelle (4 Tage!) zusätzliche Flugrotationen aufzugleisen.

Zudem: auch hiervon könnten die Airlines ja profitieren und würden es wohl tun wenn es auf die Schnelle ging. Ob die Ticketpreise dann so günstig wären, sei dahingestellt. Der Flugraum war seit Samstag geschlossen - wie soll eine Airline denn nach Dubai fliegen? Als Steuerzahler sehe ich mich auch nicht in der Pflicht die zusätzlichen Kosten zu tragen. Soweit machbar konnten wir allen Kunden helfen. Ich kann nur einmal mehr sagen: gut gibt es Reisebüros!»

Silvia Cornel, Geschäftsführerin Cornels Reisebar Kreuzlingen, via Facebook.

«Bin gleicher Meinung»

«Ich bin absolut gleicher Meinung wie Karin Kofler und dankbar, wurde das auch mal angesprochen.»

Martin Fehrlin, Geschäftsführer Imbach Reisen und Vögele Reisen, via E-Mail.

(TN)