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Luftfahrtbranche schlägt Alarm wegen EU-Grenzsystem
Das neue Entry/Exit-System der Europäischen Union (EES) sollte die Ein- und Ausreise von Drittstaatsangehörigen moderner und sicherer machen. Stattdessen droht es ausgerechnet in der wichtigsten Reisezeit des Jahres zum grossen Geduldstest für Millionen Passagiere zu werden. An Europas Flughäfen wächst die Sorge vor langen Schlangen und verpassten Anschlüssen. Auch der Flughafen Zürich hatte sich dazu geäussert.
Wie das Branchenportal «Touristik Aktuell» schreibt, warnt der internationale Flughafenverband ACI Europe in einem Brief an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vor «gravierenden betrieblichen Auswirkungen». Die Umsetzung des EES belaste Passagiere, Grenzbehörden, Flughäfen und Airlines massiv. Seit der vollständigen Einführung im April seien die Wartezeiten an Grenzkontrollen deutlich gestiegen – in Spitzenzeiten teils auf bis zu fünf Stunden.
Branche fordert Notbremse
Für die Luftfahrt kommt der Stresstest zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Im Juli und August werden an Europas Flughäfen rund 40 Millionen Passagiere mehr erwartet als in den beiden Vormonaten. Schon jetzt klagen Flughäfen und Airlines über Verspätungen, verpasste Anschlussflüge und zusätzlichen Druck auf das Personal.
Der Flughafen-Verband ACI Europe fordert deshalb ein rasches Eingreifen aus Brüssel. Das System müsse flexibler gehandhabt werden, im Extremfall auch temporär ausgesetzt werden können. Zudem brauche es mehr Personal an den Grenzen und eine App zur Vorregistrierung, um die Kontrollen zu beschleunigen.
Noch schärfer formuliert es Ryanair. Europas grösster Billigflieger verlangt, das EES bis September komplett auszusetzen. Die aktuelle Infrastruktur sei nicht bereit für das Passagieraufkommen der Hauptsaison. Besonders betroffen seien unter anderem Teneriffa-Süd, Palma de Mallorca, Málaga und Mailand-Bergamo.
Brüssel hält dennoch am System fest. Die EU sieht EES als wichtigen Schritt, um Ein- und Ausreisen besser zu kontrollieren. Ursula von der Leyen räumte zuletzt aber ein, dass bei den automatisierten Grenzkontrollen noch viel zu tun sei. Für Reisende heisst das vorerst: mehr Zeit einplanen und starke Nerven mitbringen.