On The Move
«Die Nachfrage nach Schottland hat sich mehr als verdoppelt»
Während in vielen Teilen Mittel- und Südeuropas Temperaturen von weit über 30 Grad gemessen werden, wächst bei etlichen Reisenden die Sehnsucht nach angenehmeren Sommerbedingungen.
Der sogenannte Coolcation-Trend – also Ferien in kühleren Regionen – ist längst mehr als ein kurzfristiges Phänomen. Vor allem Skandinavien profitiert davon. Doch jetzt zeigt sich: Im Schweizer Reisemarkt gibt es noch einen anderen grossen Gewinner: Schottland. Recherchen von Travelnews belegen: Die Nachfrage nach Schottland-Reisen hat massiv zugenommen.
Schweizer Anbieter melden Rekordnachfrage
Die Schweizer Ferienfluggesellschaft Edelweiss erkannte das Potenzial Schottlands schon früh und fliegt die Hauptstadt Edinburgh seit 2014 nonstop ab Zürich an. Trotz eines leicht kleineren Angebots gegenüber dem Vorjahr – damals wurde auf der Strecke zu Trainingszwecken zeitweise der Airbus A350 eingesetzt – verzeichnet die Airline aktuell mehr als zehn Prozent zusätzliche Buchungen.
«Insbesondere in den Frühlingsmonaten konnte Edinburgh als Destination deutlich an Nachfrage gewinnen und bleibt zudem bis weit nach den Sommerferien bei unseren Gästen interessant», sagt Kommunikationschef Andreas Meier auf Anfrage von Travelnews.
Seit Ende Mai ergänzt Glasgow das Streckennetz der Edelweiss. Noch erreicht die grösste Stadt Schottlands nicht ganz die Auslastung von Edinburgh – für eine neue Strecke sei das jedoch normal, so Meier. «Es sind noch Plätze für Spätentschlossene verfügbar, der Ausblick und die Entwicklung für die kommenden Monate sind positiv.»
Auch bei den Reiseveranstaltern geht die Entwicklung steil nach oben. Rolf Meier Reisen hat Schottland erst in diesem Jahr neu ins Programm aufgenommen – und wurde vom Erfolg überrascht. «Das Budgetziel für das erste Jahr wurde bereits per Ende Februar erreicht und hat unsere Erwartungen übertroffen», sagt Mitinhaber Walter Fink. Besonders gefragt seien individuelle Mietwagenrundreisen entlang der Westküste, zu den Inneren Hebriden und in die Highlands. Aber auch geführte Rundreisen, Wanderferien und Reisen zum berühmten Military Tattoo in Edinburgh erfreuten sich grosser Beliebtheit.
Schottland wird zur Herzensangelegenheit
Noch eindrücklicher fällt die Entwicklung bei Kira Travel aus. «Die Nachfrage nach Schottland hat sich in den letzten drei Jahren mehr als verdoppelt», sagt Manager Tour Operating Martial Stäger.
Er sieht dafür mehrere Gründe. Einerseits interessierten sich Schweizer Reisende zunehmend für nördliche Destinationen wie Skandinavien, Island, die Färöer-Inseln oder Grönland. Andererseits spiele auch die geopolitische Lage vielen klassischen Reisezielen nicht in die Karten. Davon profitiere Schottland zusätzlich.
Besonders gefragt sind bei Kira Travel die klassischen Highland-Routen, der Nordosten des Landes, die Hebriden sowie die Isle of Skye. Am beliebtesten bleiben Mietwagenrundreisen, doch auch Zugreisen gewinnen an Bedeutung. Gleichzeitig entwickelt sich Edinburgh immer stärker zur Städtedestination, nicht zuletzt wegen des Military Tattoo.
Ein Ende des Booms sehen die Anbieter nicht. «Die Nachfrage für Reisen nach Schottland nimmt weiterhin zu. Das Land ist mittlerweile fest auf dem Radar vieler Schweizer Reisender», sagt Martial Stäger von Kira Travel. Auffällig sei zudem, dass immer mehr Gäste ein zweites oder drittes Mal nach Schottland reisten. «Schottland scheint für viele eine Herzensangelegenheit zu sein.»
Walter Fink beurteilt das Potenzial ebenfalls positiv. Allerdings gebe es Grenzen: «In gewissen Regionen, etwa auf der Isle of Skye, sind die Kapazitäten beschränkt. Deshalb empfehlen wir eine frühzeitige Buchung.»
Auch die Edelweiss rechnet mit einer Fortsetzung des Aufwärtstrends. «Das Passagieraufkommen zwischen Zürich und Edinburgh ist in den letzten drei Jahren durchschnittlich um rund 30 Prozent pro Jahr gestiegen», sagt Andreas Meier. Für Glasgow erwartet die Airline dank der neuen Direktverbindung ebenfalls ein deutliches Marktwachstum.
Eines zeichnet sich bereits heute ab: Während sich viele Feriengäste im Süden Europas nach etwas Abkühlung sehnen, entdecken immer mehr Schweizer genau das, was Schottland seit jeher ausmacht – frische Luft, spektakuläre Landschaften und Temperaturen, bei denen man auch im Hochsommer gerne wandert.