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Schweizer USA-Spezialisten sind enttäuscht, dass die Edelweiss ihren Flugplan Richtung USA ausgedünnt hat. Bild: Edelweiss

«Wir bedauern vor allem den zusätzlichen unentgeltlichen Aufwand»

Reto Suter

Die Edelweiss streicht ihr USA-Programm per sofort zusammen. Travelnews hat bei Schweizer Nordamerika-Spezialisten nachgefragt, wie sie die Anpassungen einschätzen und was sie konkret für ihre Kundschaft bedeuten.

Die Schweizer Ferienfluggesellschaft Edelweiss gab vergangene Woche bekannt, dass sie ihr USA-Programm ausdünnt. Seattle und Denver verschwinden komplett aus dem Flugplan. Gleichzeitig reduziert die Airline die Frequenzen auf der Strecke nach Las Vegas im Frühsommer und Herbst (Travelnews berichtete). Die Edelweiss nennt als Gründe die anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten, die Entwicklung der Treibstoffpreise und die gesunkene Nachfrage nach Reisen in die USA.

Hauptgrund dürfte das fehlende Interesse an Flügen in die Vereinigten Staaten sein. Denn die Einreisen von Schweizerinnen und Schweizern gehen weiter zurück. Von Januar bis März 2026 zählte die International Trade Administration rund 56'000 Ankünfte von Schweizer Reisenden – 13 Prozent weniger als im vergangenen Jahr und 25 Prozent weniger als 2024. Travelnews hat bei Schweizer Nordamerika-Spezialisten nachgefragt, was die Anpassung für sie konkret bedeutet.

Weniger Direktflüge, aber weiterhin gute Verbindungen

«Grundsätzlich bedauern wir den Entscheid sehr, denn Direktflüge verkürzen die Reisezeiten, vereinfachen die Planung und erhöhen somit auch die ganzheitliche Attraktivität einer Destination», sagt Melissa Clausen, Manager Tour Operating North America bei Knecht Reisen.

Für die Ziele Denver und Seattle sei die Nachfrage verhältnismässig gering gewesen. «Die beiden Destinationen sind keine typischen Erstbesucherdestinationen», so Clausen. Bei Las Vegas sehe es anders aus, dort sei die Nachfrage deutlich grösser. «Las Vegas ist ein idealer Start- und Endpunkt für eine Reise durch den Westen der USA, auch in Kombination mit San Francisco oder Los Angeles.»

Auch Mirjam Indermühle, Geschäftsführerin des Nordamerika-Spezialisten Para Tours, sieht die Entwicklung kritisch. «Durch die Anpassung der Edelweiss entsteht viel Erklärungsbedarf bei den Kundinnen und Kunden», sagt sie. «Schweizer Reisende fliegen praktisch immer direkt, wenn es die Möglichkeit dazu gibt.» Aus diesem Grund seien die Verbindungen für die Kundinnen und Kunden von Para Tours sehr interessant gewesen. «Denver und Seattle haben wir oft auch in Kombination mit Kanada gebucht.»

Seattle kam erst im Sommer 2025 neu ins Streckennetz von Edelweiss. Bis auf weiteres wird die Metropole nicht mehr bedient. Bild: Adobe Stock

Michael Bötschi, Mitinhaber des Nordamerika-Spezialisten Go2Travel erklärt: «Natürlich gefällt uns dieser Entscheid nicht, aber wir können ihn aus wirtschaftlicher Sicht sehr gut nachvollziehen.» Weniger Verständnis zeigt er für den späten Zeitpunkt der Kommunikation. Hier hätte sich Go2Travel mehr Vorlauf gewünscht. Besonders ins Gewicht falle die Gratis-Arbeit. «Wir bedauern vor allem den zusätzlichen unentgeltlichen Aufwand.»

Unabhängig von der aktuellen Nachfrage bleibe eines klar: Direktflüge seien bei Schweizer Reisenden immer geschätzt, so Bötschi. Gleichzeitig betont er, dass das USA-Geschäft längst nicht allein von der Edelweiss abhänge. Auch Airlines wie die Swiss, United, American Airlines oder Delta bedienten weiterhin zahlreiche Destinationen und wichtige Drehkreuze.

Für Reisende bedeute das, dass sich die meisten Ziele in den USA nach wie vor mit maximal einmal Umsteigen erreichen liessen. «Wir wurden in der Schweiz bei Direktverbindungen in die USA bisher ziemlich verwöhnt», sagt Bötschi. Dass ein so kleines Land ein derart dichtes Angebot habe, sei alles andere als selbstverständlich.

Positive Signale kommen derweil von der Swiss. Sprecher Michael Pelzer betont gegenüber Travelnews: «Wir planen keine Anpassungen von US-Destinationen oder deren Frequenzen.»