On The Move
Die Flugpreise nach Asien spielen verrückt
Was ein «normaler» Preis für eine bestimmte Flugstrecke ist, lässt sich seit einigen Jahren nicht mehr mit Bestimmtheit sagen. Dumpingpreise, dynamisches Pricing je nach Nachfrage und Buchungsklasse, Abzockerpreise – die Spielvarianten der Airlines sind zahlreich und unergründlich.
Im Zuge des Nahost-Konflikts, der kaum genutzten Golf-Hubs, der Kerosinzuschläge und der gestrandeten Asien-Touristen spielen die Airline-Tarife nun erst recht verrückt. Wer in den letzten Jahren für ein Zürich – Bangkok – Zürich 800 bis 1200 Franken bezahlt hat, reibt sich derzeit die Augen.
Weil offenbar nach wie vor eine grosse Nachfrage besteht, um von Asien nach Europa zu gelangen, ist insbesondere die Teilstrecke von Bangkok nach Zürich sehr teuer. Die Swiss verlangt für ein ein Bangkok-Returnticket vom 21. bis 28. April total 1850 Franken. Der andere Nonstop-Carrier Thai Airways weist für dieselben Reisedaten sogar einen Preis von 2420 Franken aus. Offenbar rechtfertigt die aktuelle Nachfrage ein solch hohes Pricing.
Auslastung unter 50 Prozent
Gleichzeitig spielen die arabischen Carrier derzeit in einer anderen Welt. Die Nachfrage für Flüge via Doha, Abu Dhabi oder Dubai ist seit anfangs März verständlicherweise auf ein Minimum gesunken. Doch die Golf-Carrier halten an ihren Flügen nach Asien und Europa fest, wenn auch in leicht reduziertem Mass. Emirates fliegt täglich nach Zürich und Genf, in Normalzeiten erfolgen die Flüge zweimal täglich.
Den Golf-Airlines stützen ihr Gesamtsystem und halten es um jeden Preis am Laufen. Ein temporäres Grounding kommt offenbar nicht in Frage. Zu eng sind Flugpläne, Crews, Flugzeug-Umläufe und Wartung aufeinander abgestimmt, um die komplizierte und kostspielige Corona-Erfahrung – erst alles runter-, dann wieder alles hochfahren – nochmals erleben zu müssen. Hinzu kommt: bei einem temporären Grounding gingen wohl auch langfristig Marktanteile verloren.
Die Folge des Aufrechterhaltens des Gesamtsystems sind nun Auslastungen im Bereich von 10 bis 50 Prozent – und die Flugpreise rasseln so tief in den Keller wie noch nie.
Etihad Airways verlangt für ein Zürich – Abu Dhabi – Bangkok – Abu Dhabi – Zürich vom 28. April bis 6. Mai gerade mal noch 461 Franken. Einen solch tiefen Bangkok-Tarif gab es ab der Schweiz wohl noch nie. Auch Qatar Airways verlangt für ein Zürich – Doha – Bangkok – Doha – Zürich nur wenig mehr, vom 21. bis 27. April bloss 541 Franken. Emirates bietet ähnlich tiefe Preise, 640 Franken vom 4. bis 14. Mai.
Tiefpreise halten an
Zwar ist aktuell ein zweiwöchiger Waffenstillstand am Golf angesagt. Die Nachfrage dürfte bei den Golf-Carriern vorerst sehr tief bleiben, Dumpingpreise hin oder her, der Waffenstillstand scheint brüchig. Wer sich aber vom Umsteigen am Golf nicht einschüchtern lässt, kann derzeit ziemliche Flugschnäppchen buchen.
Verblüffend ist, dass die Tiefpreise bei den Golf-Airlines nicht nur in diesen Wochen gelten, sondern auch in den kommenden Monaten. Wer etwa vom 1. bis 15. September mit Etihad Airways von Zürich nach Bangkok und zurück fliegen möchte, zahlt auch nur 507 Franken. Und der Tarif lässt sich sogar gratis umbuchen.
Zum Vergleich: die Swiss verlangt für ein Zürich – Bangkok – Zürich vom 1. bis 15. September 1243 Franken. Die Preisdiskrepanz zwischen Golf-Airlines und jenen Fluggesellschaften, die den Golf umfliegen, hält also auch noch in den kommenden Monaten an.