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Der eindrückliche Gullfoss in Südisland hat einen Fall von 32 Metern über zwei Stufen hinweg und fliesst durch einen zerklüfteten Canyon. Bild: Martti Salmi

Das sind Europas spektakulärste Wasserfälle

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Donnern im Ohr, Gischt im Gesicht: Mächtige Katarakte und Kaskaden haben die Menschen seit jeher fasziniert. Und je höher oder breiter das Naturschauspiel, desto grösser die Verzückung. So wie bei diesen acht grandiosen Fall-Beispielen …

Wenn Wassermassen sich den Weg über die Böschung bahnen, um dann im freien Fall teilweise Hunderte von Metern in die Tiefe zu rauschen, dann gerät schon mal der ein oder andere Atemzug ins Stocken. Ein solches Schauspiel der Natur fasziniert vor allem Touristen, die von Wasserfällen oft wie magisch angezogen werden. Erst recht, wenn zum ohnehin schon berauschenden Naturschauspiel noch eine mystische Sage dazukommt, eine gewagt gebaute Aussichtsplattform, ein attraktives Erlebniszentrum oder gar ein Klettersteig direkt neben den tosenden Wassermassen.

Österreich: Die erhabenen Krimmler Wasserfälle

Die westlich von Mittersill gelegenen Krimmler Wasserfälle sind zwar nicht die höchsten der Alpen, aber fast. Dafür die vermutlich eindrucksvollsten. Hier im Salzburger Land stürzt die Krimmler Ache mit grossem Tamtam in drei Fallstufen und insgesamt 380 Metern Höhe donnernd zu Tal. Dieses Naturspektakel wollen rund 400'000 Besucher pro Jahr erleben, was einen Top-Ten-Platz unter Österreichs Sehenswürdigkeiten einbringt.

Der Blick von mehreren Aussichtsplattformen ist indessen nicht nur atemberaubend, sondern auch atemfördernd. Denn der Aufenthalt im Sprühnebel der Fälle bewirkt, so eine Studie, eine nachhaltige Verbesserung bei Asthma-Symptomen. Wem das zu medizinisch klingt, findet in den benachbarten «WasserWelten» ein interaktives Erlebniszentrum für hochkarätiges Infotainment – inklusive Wasserfallzentrum, lustigem Aussenbereich zum Spielen und dem Wasserkino.

Deutschland: Der versteckte Röthbachfall

Dass der im oberbayerischen Nationalpark Berchtesgaden gelegene Röthbachfall zwar die höchste Fallhöhe der Alpen hat, andererseits aber nicht die höchsten Bekanntheitswerte, liegt wohl an seiner etwas unzugänglicheren Lage in einem Talschluss. Um den 470 Meter hohen Wasserfall zu Gesicht zu bekommen, kann man nicht mal eben das Auto parken und kurz ein paar Fotos machen. Vielmehr sollte man einen ganzen Tag dafür einplanen. Doch das lohnt sich, allein aufgrund der sehenswerten Anreise.

Besucher setzen nämlich von Schönau am Königssee zuerst mit einem der elektrischen Ausflugsschiffe über und kommen unterwegs in den Genuss des berühmten Echos und des Anblicks der höchsten Wand der Ostalpen – der 1800 Meter hohen Watzmann-Ostwand. Ab der Haltestelle Salet geht es schliesslich zu Fuss am malerischen Obersee vorbei und nach etwa zwei Wanderstunden rückt schliesslich der Röthbachfall in Sichtweite.

Tipp: An seiner linken Flanke führt ein aufregender Wanderweg hinauf zur Fallkante und zur in der Nähe gelegenen «Wasseralm», einer urigen Unterkunft und attraktiven Basis für weitere Trekkingtouren.

Schweiz: Der donnernde Rheinfall

Zwar kommt der bei Schaffhausen liegende Rheinfall nur auf eine Höhe von rund 23 Metern, doch die haben es in sich. Nämlich viel Wasser. Auf einer Breite von 150 Metern stürzen im Durchschnitt knapp 370'000 Liter pro Sekunde über die Kante, nur der norwegische Sarpsfossen macht ihm den europäischen Spitzenplatz in dieser Rubrik immer wieder streitig.

Unbestritten jedoch belegt der Rheinfall Platz eins in puncto Besucheranzahl, es sind jährlich rund zwei Millionen. Die können mit einem Schiff zu dem Felsen fahren, der aus dem XXL-Sprudel herausragt, und diesen besteigen, oder eine Kanutour mit Startpunkt am Rheinfall unternehmen. Auch die angrenzenden Schlösschen Wörth und Laufen sind einen Abstecher wert, genauso wie der nahe Klettergarten. Abends erscheint der Rheinfall übrigens in einem besonderen Licht, dank der raffinierten Illumination in dezentem Blau-Grün.

Kroatien: Die romantischen Krka-Fälle

Üppige Vegetation, eine Vielzahl von Inseln, schöne Kieselstrände und felsige Abschnitte: Die Küste bei Šibenik erfreut sich nicht umsonst großer Beliebtheit. Wobei ein Abstecher ins Landesinnere zu den Krka-Fällen im gleichnamigen Nationalpark dringend zu empfehlen ist. Zuerst fahren Ausflügler vom Parkplatz rund 30 Minuten mit einem Boot flussaufwärts, bevor sie die Wahl haben zwischen einem Bad unterhalb der Wasserfälle und somit einem Bad in der Menge oder einem raffiniert angelegten Wanderpfad, der auf Holzstegen mitten durch die Botanik und stets entlang des (immer wieder fallenden) Wassers führt.

Der schönste der Wasserfälle, der Skradinski buk, sprudelt übrigens über zahlreiche Kaskaden 46 Meter in die Tiefe. Ein ebenso anmutiges wie farbenfrohes Spektakel: Während das Wasser der Krka außerhalb des Parks oft grau und trübe wirkt, fließt es hier – angereichert durch Minerale – in schillerndem Grün über die Kalksteine.

Island: Der goldene Gullfoss

Im Land der Geysire und heissen Quellen wimmelt es nur so von Wasserfällen. Der wohl bekannteste dürfte der im Südwesten der nordischen Insel gelegene Gullfoss sein, der auch als «Goldener Wasserfall» bekannt ist. Über zwei gewaltige, fast im rechten Winkel aufeinanderstehende Kaskaden stürzt das Wasser des Gletscherflusses Hvítá in eine 2,5 Kilometer lange und 70 Meter tiefe Schlucht.

An warmen Sommertagen donnern pro Sekunde bis zu 140'000 Liter Wasser pro Sekunde über die teils herausschauenden, teils leuchtenden Basaltsteine in die Tiefe. Bei Sonnenaufgang erstrahlt das Naturschauspiel übrigens besonders schön – und besonders golden!

Norwegen: Die magischen Sieben Schwestern

Der 2005 zum UNESCO-Welterbe geadelte Geirangerfjord darf bei keiner Kreuzfahrt in den hohen Norden fehlen. Zu Recht: Auf 15 Kilometern zeigt sich Norwegen wie im Bilderbuch. Umgeben von schneebedeckten Gipfeln, Gletschern und Seen mäandern Wildbäche durch Laub- und Nadelwälder bis in den Fjord. Und an den steil abfallenden Talwänden rauschen zahlreiche Kaskaden ungebremst und lautstark in die Tiefe.

Die schönsten sind die «Sieben Schwestern»: sieben Wasserfälle, die direkt nebeneinander in die Tiefe stürzen und im Schnitt einen freien Fall von 250 Metern aufweisen. In den wasserreichen Sommerperioden sind die Fälle, um die sich eine Reihe mystischer Sagen ranken, ein beeindruckendes Schauspiel, das man am besten vom Oberdeck der ganz nahe heranfahrenden Schiffe beobachtet. Oder vom Kajak aus! PS: Von hier sind es etwa dreieinhalb Autostunden zum Vinnufossen. Er ist weniger bekannt, weniger besucht, aber höher: In mehreren Kaskaden stürzt er auf einer Gesamthöhe von 860 Metern vom Gletscher Vinnufonna hinab ins Tal – Europarekord!

Schweiz: Der literarische Reichenbachfall

Der rund 120 Meter hohe und bis zu 40 Meter breite Reichenbachfall bei Meiringen im Berner Oberland gehört zu den bekanntesten Wasserfällen Europas, auch wenn die meisten ihn wohl eher vom Hörensagen kennen. Berühmtheit erlangte der grösste von sieben aufeinanderfolgenden Wasserfällen, die zusammen eine rund 300 Meter hohe Kaskade bilden, durch seine Rolle in der Geschichte «Das letzte Problem» von Sir Arthur Conan Doyle. In dieser kämpft der berühmte Detektiv Sherlock Holmes mit seinem Widersacher Professor Moriarty und beide stürzen den Wasserfall herunter.

Sherlock Holmes’ Tod wurde später zwar literarisch revidiert, trotzdem steht an der Stelle des Sturzes eine Gedenktafel, die an das fiktive Ereignis erinnert. Ein ganz und gar reales Erlebnis mit hohem Erinnerungswert stellt eine Wanderung zu den nebelsprühenden Fällen dar.

Österreich: Der sportliche Stuibenfall

Der 159 Meter hohe Stuibenfall im Ötztal gilt nicht nur als höchster Wasserfall Tirols, sondern auch als eines der schönsten Naturschauspiele des Bundeslandes. Die Wanderung zu den Staubwolken aus Wasser, die für seinen Namen verantwortlich sind, lässt sich von jedermann meistern, doch wer den Extrakick sucht, nimmt sich den 450 Meter langen Klettersteig vor. Dieser quert überaus kurzweilig eine Felswand und ermöglicht dabei spektakuläre Aus- und Tiefblicke.

Das Schlussstück führt direkt neben dem gewaltigen Wasserfall in Falllinie über die Felsabbrüche hinauf. Auch wenn der Steig bestens abgesichert ist und reichlich künstliche Tritte und Griffe vorhanden sind: Das Getöse des Wasserfalls und der Tiefblick auf die schäumende Gischt sind ungewohnt. Nervenkitzel pur bietet der Abschluss: Mutige queren direkt oberhalb des Wasserfalls überaus luftig den Bach, der gleich unterhalb in die Tiefe stürzt.