On The Move

Ein Flugticket in der Economy Class von Zürich nach Sydney mit Singapore Airlines kostet vom 8. bis 22. März 4438 Franken. Bild: Gab01

Flugticketpreise vieler Airlines schnellen markant in die Höhe

Während die Golf-Airlines am Boden stehen, steigt die Nachfrage bei anderen Airlines, die ohne Golfstopp von Europa nach Asien fliegen, in den nächsten Tagen sprunghaft an, teilweise um das Dreifache. Stehengebliebene sprechen von «Highway Robbery», Wegelagerei.

Wegelagerer sind im Hinterhalt lauernde Strassenräuber. Der Ausdruck ist bekannt aus früheren Jahrhunderten, als sich Kutschen durch dunkle Wälder mühten und überfallen wurden.

Nun ereifern sich insbesondere australische Reisende, die in Europa festsitzen und eine Alternative zu den wegen des Irak-Kriegs am Boden stehenden Golf-Airlines suchen, um nach Hause zu kommen. Sie sprechen von «Highway Robbery», wenn es um Flugticketpreise für die nächsten Tage geht, etwa mit Singapore Airlines (SQ).

Der Klick auf die Flugticketpreise von Singapore Airlines zeigt eine Erhöhung um das Dreifache. Kosteten in den letzten Woche SQ-Tickets von Zürich nach Sydney zwischen 1400 bis 1800 Franken, beläuft sich ein Economy-Ticket vom 8. bis 22. März 2026 auf 4438 Franken, rund drei Mal mehr für die haargenau gleiche Leistung.

Auf Anfrage der Zeitung «The Australian» (Abo) begründet eine Sprecherin von Singapore Airlines die aktuellen Preise mit dem Argument der «dynamischen Preisgestaltung». Dynamic Pricing basiert bekanntlich auf der Idee, dass der Preis eines Produkts seinen aktuellen Marktwert widerspiegeln sollte. Das bedeutet, dass der Preis als Reaktion auf Veränderungen bei Nachfrage, Angebot und anderen Marktfaktoren schwanken kann – in einer Krisensituation kann dieser somit ins Unermessliche hochsteigen.

Swiss nach Delhi über 3500 Franken

Dynamisches Pricing wenden die meisten Airlines an. Sie überlassen den Algorithmen die vollumfängliche Denkarbeit und Einschätzung der aktuellen Marktsituation. Feingefühl, ob es sich hier eventuell um eine Krisensituation handeln könnte und gewissen Reisenden zur Seite gestanden werden müsste, spielt da keine Rolle.

Der temporäre Flugstillstand am Golf beeinflusst auch die Preise bei Direktflügen von Europa nach Indien, auch hier ist die Nachfrage über Nacht enorm gestiegen. Das haben auch die Pricing-Roboter bei Swiss registriert. Wer vom 8. bis 22. März mit Swiss von Zürich nach Delhi und zurück fliegen will, zahlt für den Economy-Light-Tarif satte 3539 Franken, Check-in-Gepäck noch nicht inklusive.

Aber auch ein Zürich-Bangkok-Zürich mit Thai Airways vom 8. bis 22. März kostet sehr viel, nämlich 2923 Franken. In der Regel sind Thai-Tickets nach Bangkok drei oder vier Mal billiger: vom 5. bis 20. Mai zum Beispiel kostet das Ticket nur 728 Franken.

Deckelung mit Maximalpreisen

Nun zeigt sich eine Problematik des automatisch, computerbasierten Airline-Pricings in einer Flugkrise, wie sie hundertausende Passagiere derzeit erleben. In der Not müssen diese für Alternativflüge sehr tief in die Tasche greifen – und fühlen sich mehrfach gestraft. Sie haben nicht nur ihre bisherige Buchung verloren, sie müssen auch ihr Reiseprogramm umstellen eventuell mit zusätzlichen Übernachtungen und werden bei den Alternativtickets dann auch noch gehörig zur Kasse gebeten.

Den Airlines wäre wohl eine Deckelung mit Maximalpreisen pro Klasse zu empfehlen, um eben nicht den Eindruck der Wegelagerei oder des plumpen Profitdenkens während einer riesigen Krise zu erwecken; oder auch die Kennzeichnung «ausgebucht» bei gewissen Flugdaten.

(GWA)