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Mit diesen Zielen gehen Schweizer Reiseprofis an die ITB
Reto SuterIn den kommenden drei Tagen wird die deutsche Hauptstadt erneut zum Mekka der internationalen Tourismusbranche: Die ITB Berlin öffnet zum 60. Mal ihre Tore. Mehr als 5500 Aussteller aus 160 Ländern sind mit dabei und machen die Messe einmal mehr zum globalen Treffpunkt der Reiseindustrie.
Für viele Vertreterinnen und Vertreter der Schweizer Reisebranche ist die ITB ein Pflichttermin – und zugleich der ideale Ort, um bestehende Partnerschaften zu pflegen und neue Kontakte zu knüpfen. Entsprechend sind von Dienstag bis Donnerstag dutzende Schweizer Reiseprofis in den gigantischen Hallen der Messe Berlin unterwegs.
Doch wie gehen sie die intensiven Messetage an? Welche konkreten Ziele verfolgen sie vor Ort? Und überwiegt die Vorfreude – oder ist die Teilnahme eher ein berufliches Muss? Travelnews hat bei fünf Schweizer Reiseprofis nachgefragt.
Der Routinier
Claudio Cesarano, CEO von Media Touristik ist ein ITB-Veteran. Er nimmt dieses Jahr bereits zum 23. Mal an der grössten Tourismusmesse der Welt teil. Erfahrung hilft, sich für die Messetage einen klaren Plan zurechtzulegen.
«Pro Tag sind bei mir rund 40 Prozent fixe Termine eingeplant, etwa 30 Prozent entfallen auf Vorträge – und die restlichen 30 Prozent ergeben sich spontan vor Ort», sagt er. Entscheidend sei, gut organisiert, vorbereitet und mit klaren Zielen anzureisen.
Dann werde die weltweit grösste Tourismusmesse zwar intensiv, aber vor allem zu einem freudigen Happening. «Diese Plattform ist einzigartig – man muss sie nur richtig zu nutzen wissen», so Cesarano. Mit einem Augenzwinkern fügt er an: «Und abends sollte man natürlich auch auf den richtigen Partys vorbeischauen.»
Seine wichtigsten Ziele sind klar definiert: langjährige Partner wiedersehen, neue Kontakte knüpfen, Netzwerke pflegen, Verhandlungen persönlich abschliessen und sich immer wieder von spontanen Begegnungen inspirieren lassen.
Der Spontane
Auch Stephan Amstad, Messeleiter der Fespo, ist bereits ein alter Hase, wenn es um die ITB geht. Er habe nicht mitgezählt, aber er denke, es sei dieses Jahr etwa seine 15. Teilnahme, sagt er gegenüber Travelnews. «Ich freue mich jedes Jahr auf die ITB, weil sie für mich wie eine Art Kickoff für meine eigene Messe ist», so Amstad.
Die Berliner Leitmesse ist für Amstad vor allem der wichtigste Treffpunkt, um bestehende internationale Aussteller der Fespo & Golfmesse persönlich zu sehen – und gleichzeitig neue Kontakte zu knüpfen, insbesondere mit Destinationen.
Von einem durchgetakteten Terminplan im Viertelstundentakt hat er sich allerdings längst verabschiedet. «Da ich in allen Hallen unterwegs bin, organisiere ich meine Termine meist nach Hallen statt nach Uhrzeiten», erklärt er. Oft seien gerade die spontanen Begegnungen auf den Gängen wertvoller als geplante Gespräche an den Messeständen.
Die Brückenbauerin
Für Tina Neuenschwander, CEO von Railtour Suisse, gehört die ITB Berlin ebenfalls längst zum festen Bestandteil des Branchenkalenders. Rund ein Dutzend Mal war sie bereits vor Ort. «Es dürfte etwa meine 13. ITB sein», sagt sie.
Im Zentrum stehen für die Bahnspezialistin vor allem Begegnungen mit bestehenden Geschäftspartnern, aber auch neue Kontakte, aus denen im besten Fall konkrete Kooperationen entstehen. Ihr Messealltag ist dabei eine Mischung aus Planung und Offenheit.
Neben fix vereinbarten Terminen lässt Neuenschwander bewusst Raum für spontane Treffen, das Entdecken neuer Produkte und technologischer Entwicklungen sowie für ausgewählte Referate im Rahmen des ITB-Convention-Programms.
«Die Messe ist eine willkommene Gelegenheit, bekannte Gesichter endlich wieder persönlich zu treffen statt nur digital. Deshalb ist die Vorfreude jedes Jahr da», so Neuenschwander.
Der Netzwerker
Für Urs Limacher, Head of Sales bei der Ferienfluggesellschaft Edelweiss, ist die ITB Berlin inzwischen ebenfalls ein fester Termin im Kalender. Zum fünften Mal reist er an die weltweit grösste Tourismusmesse.
Im Mittelpunkt stehen Treffen mit internationalen B2B-Kunden sowie Technologiepartnern ausserhalb der Schweiz, um laufende Projekte und aktuelle Themen persönlich zu besprechen. Sein Messeprogramm ist entsprechend dicht getaktet und geprägt von zahlreichen fix vereinbarten Gesprächen.
Dennoch schätzt Limacher auch die informellen Begegnungen abseits der Termine: «Schön ist es immer, die Kolleginnen und Kollegen der Lufthansa-Group- Airlines vor Ort zu treffen.»
Trotz intensiver Tage überwiegt die Vorfreude. «Ich freue mich auf die ITB und die Gespräche», sagt er – auch wenn das Programm jedes Jahr aufs Neue fordernd sei.
Der Architekt
Seit gut zehn Jahren gehört die ITB Berlin für Sebastian Kickmaier, CEO von Knecht Reisen, fest zum Jahresrhythmus der Branche. Jede Ausgabe habe dabei ihren eigenen Charakter, sagt er – geblieben sei jedoch eines: «Die ITB ist für mich der Pulsgeber der internationalen Reisebranche.»
Entsprechend klar sind seine Ziele für die Messetage definiert. Zum einen nutzt Kickmaier die ITB gezielt für strategische Partnerschaften und Vertragsverhandlungen. «Die Messe ist ein Ort der Abschlüsse», sagt er.
Gespräche mit bestehenden Partnern sollen konkrete nächste Schritte ermöglichen, Konditionen weiterentwickeln und neue Kooperationen auf den Weg bringen. Gleichzeitig versteht er die ITB als Radar für Markt- und Wettbewerbsentwicklungen. Mit offenen Augen bewegt er sich durch die Hallen, beobachtet Trends, neue Konzepte und Produkte. Nicht zuletzt sieht Kickmaier die Messe auch als Bühne für die Positionierung von Knecht Reisen.
Sein Terminkalender ist sorgfältig kuratiert, dennoch lässt er bewusst Raum für spontane Begegnungen. «Über die Tage halte ich mir jeweils zwei bis drei Stunden frei für Gespräche, die sich erst vor Ort ergeben.»