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Schweizer Reisebüros berichten von vollen Auftragsbüchern und einer starken Nachfrage nach Langstreckenreisen. Bild: Adobe Stock

«Wir kommen kaum nach» – Reisebüros erleben starken Start

Gregor Waser

Die Buchungseingänge stimmen Schweizer Reisebüros zuversichtlich: Grosse Reisen liegen im Trend, während die Nachfrage nach den USA spürbar nachlässt. Gleichzeitig verschiebt sich das Buchungsverhalten – und branchenintern sorgt das Ende des Systems HIT für Nervosität.

Das Reisejahr 2026 ist sieben Wochen alt und es zeichnet sich immer deutlicher ab, welche Reiseziele in diesem Jahr besonders gefragt sind und wo es hapert. Travelnews hat mit einigen Reisebüros über die aktuelle Buchungssituation wie auch über Alltagssorgen gesprochen.

Der Chef von Move Reisen und Australasia in Zürich, Werner Blum, sagt: «Wir sind auf einem guten Weg, verzeichnen sehr gute Buchungseingänge und kommen kaum nach.» Als boomende Destinationen bezeichnet er Neuseeland, Namibia und Japan und generell sei Südostasien immer mehr gefragt. «Was wirklich nicht läuft, sind die USA. Das pushen wir im Moment aber auch nicht.»

Natalie Dové, Geschäftsführerin von Nussbaumer Reisen in Burgdorf nennt Skandinavien, Afrika, Australien und Neuseeland als aktuelle Top-Destinationen, auch Griechenland und Spanien seien gut nachgefragt. Über die USA als Reiseziel sagt sie: «Im Moment verzeichnen wir mehr Kanada- als USA-Buchungen. Wer sich in den USA unerwünscht fühlt, findet auch andere Destinationen». Sie wünsche sich und den Amerikanern, dass das Land bald mal zur Ruhe kommen könnte.

Die Geschäftsleiterin von L'Esprit du Voyage in Fribourg, Jacqueline Ulrich, stellt fest, dass aktuell «viele Anfragen für grosse Reisen» reinkommen, weniger für Badeferien. «Diese Woche hatten wir etwa zwei Japan- und eine Polynesien-Buchung, sehr schöne Dossiers». Sie stellt aber auch eine gewisse Zweiteilung der Reisekundschaft fest: «Wer über Geld verfügt, hat nach wie vor Geld und bucht zum Teil drei Reisen im Jahr. Auf der anderen Seite haben viele Leute mit dem Budget zu kämpfen und buchen Ferien auf dem Campingplatz statt im Badeferien-Hotel.»

Und die neue Chefin von Mawi Reisen Frauenfeld, Larissa Lüthi, hat sich im letzten «Travel News Talk» zum Reisejahr 2026 geäussert: «Ende 2025 sind schon sehr viele Buchungen für 2026 eingegangen. Nun im Januar haben wir vor allem Buchungen für Spätsommer und Herbst registriert. Wir sind zufrieden, aber die klassische Buchungshochsaison im Januar, die verschiebt sich».

Viel Quatsch nach KI-Recherchen

An lukrativen Langstrecken-Buchungen fehlt es vielen Schweizer Reisebüros also nicht, das Reisejahr beginnt schon mal sehr gut, wenn auch arbeitsintensiv. Mit welchen Herausforderungen und Ärgernissen die Travel Agents aktuell zu kämpfen haben, wollte Travelnews zudem wissen.

«Holz alänge», sagt Natalie Dové, «wir haben im Moment keine grösseren Probleme, keine ausbrechenden Vulkane, keine Groundings, nur die übliche Unsicherheit auf der Welt».

Was ihn aktuell nerve, sei der KI-Hype, sagt Werner Blum: «Manche Reisebüro-Kunden haben nun das Gefühl, sie seien Experten nach ihren KI-Recherchen. Dabei ist KI überhaupt noch nicht ausgereift». Neulich habe er eine Cairns-Brisbane-Rundreise abgefragt und da sei nur Quatsch rausgekommen. «Klar wird sich KI noch deutlich verbessern, aber unser Know-how und persönlicher Service wird auch künftig sehr wichtig sein.»

Branchenproblem HIT

Dann spricht Werner Blum die Problematik um das Ende des Backoffice-Systems HIT an: «Wir sind bei Agent Online gut aufgehoben, aber der Wegfall von HIT ist für einige Reisebüros, die ich kenne, ein Schock. Viele haben auf das Full-Package von HIT geschworen».

Jacqueline Ulrich hat mit L'Esprit du Voyage genau dieses Problem wie auch 52 weitere Schweizer Reisebüros: «Wir müssen nun ein neues System suchen, das ist für uns die grösste Sorge». Immerhin ist sie bei der Evaluation schon weit gekommen: «Unser Favorit als HIT-Alternative ist Triss. Das System ist fähig, all die Kundendaten und Buchungen eins-zu-eins zu übernehmen, das ist bei anderen Systemen nicht der Fall.»

Zu HIT äussert sich auch Yves Bruttin, ehemals Inhaber der Reise-Treuhand AG: «In Bezug auf die Buchhaltung war HIT der Rolls-Royce unter allen Systemen. Mit allen anderen Systemen war ein zuverlässiges Arbeiten in Bezug auf die Buchhaltung nicht gegeben. Mit HIT wussten wir, dass die Zahlen zuverlässig und korrekt waren. Tut mir leid für alle HIT-Partner, die jetzt in kurzer Zeit und in der Buchungshochsaison ein neues System evaluieren müssen».

Offene Situation bei den Badeferien

Gäbe es für 53 Reisebüros nicht hausgemachte Probleme mit dem Wegfall von HIT, scheint die Mehrzahl von Schweizer Reisebüros aktuell über eine sehr gute Buchungslage zu verfügen, was komplexere Dossiers auf der Langstrecke betrifft.

Das letzte Wort bei den Badeferien für diesen Sommer ist noch nicht gesprochen. Die Schere von Früh- und Spätbuchern hat sich in den letzten Jahren immer mehr geöffnet und diese Entwicklung scheint auch in diesem Jahr anzuhalten. Inwiefern Badeferien auf der Kurzstrecke im Sommer zum diesjährigen Reisebüro-Erfolg beitragen, müssen die kommenden Monate März und April zeigen.