Karriere

Jedes Jahr informieren sich zahlreiche Jugendliche über die Ausbildungsmöglichkeiten in der Reisebranche. Bild: SRV

So gelingt die Nachwuchsförderung in der Schweizer Reisebranche

Reto Suter

Die Ausbildung von Lernenden in der Schweizer Reisebranche harzt. Travelnews hat zum Start des neuen Lehrjahres bei drei Ausbildungsbetrieben nachgefragt, weshalb sie trotz der Herausforderungen am Branchennachwuchs festhalten und was geschehen müsste, damit künftig wieder mehr Reisebüros Lehrstellen anbieten.

Der erste Montag im August markiert traditionell den Lehrstart in der Schweiz. Für Tausende Jugendliche beginnt damit ein neuer Lebensabschnitt – auch im Tourismus. In diesem Jahr starten 79 Lernende ihre KV-Lehre in der Reisebranche, 14 davon in der Westschweiz.

Gegenüber dem Vorjahr entspricht das zwar einer leichten Zunahme, damals waren es 75 Lernende (Travelnews berichtete). Von den Zahlen früherer Jahre ist die Branche jedoch weit entfernt. 2005 begannen noch über 200 Jugendliche eine KV-Lehre im Tourismus. «Die Zahl der Arbeitsplätze ist insgesamt gesunken, das wirkt sich automatisch auch auf die Lehrstellen aus», sagt Daniela Maspoli, Ausbildungsverantwortliche des Schweizer Reise-Verbands (SRV).

Viele Reisebüros seien zwar vom Wert einer Ausbildung überzeugt, stünden im Alltag jedoch vor praktischen Herausforderungen. «Im hektischen Arbeitsalltag fehlen oft die personellen Ressourcen, um eine qualitativ hochwertige Ausbildung sicherzustellen. Viele Betriebe verfügen zudem nur über wenig Platz oder beschäftigen zahlreiche Teilzeitmitarbeitende, sodass den Lernenden häufig eine konstante Ansprechperson fehlt», erklärt Maspoli.

Travelnews hat bei drei KMU nachgefragt, die mit Überzeugung Lernende ausbilden. Wie fallen ihre Erfahrungen aus? Und was müsste geschehen, damit sich künftig wieder mehr Reisebüros für die Ausbildung des Branchennachwuchses engagieren?

Engagement für die Zukunft

Bei Inselspezialist Rolf Meier Reisen in Neuhausen am Rheinfall hat die Ausbildung von Lernenden eine lange Tradition. Seit über 50 Jahren bildet das Unternehmen Nachwuchskräfte aus. «So werden junge Menschen zu qualifizierten Fachkräften, die wir in vielen Fällen mit grosser Freude weiterbeschäftigen können und wollen. Nachwuchs ist für unsere Branche enorm wichtig», sagt Mitinhaber Christian Sigg auf Anfrage.

Rolf Meier Reisen bietet jedes Jahr eine KV-Lehrstelle an und beschäftigt damit konstant drei Lernende. Die Ausbildung findet in den ersten beiden Jahren im Touroperating statt, bevor die angehenden Reiseprofis im dritten Lehrjahr in den Retail-Bereich wechseln.

Die Bilanz fällt durchwegs positiv aus. «Junge Menschen bringen frischen Wind, neue Sichtweisen und viele gute Ideen in unser Unternehmen», so Sigg. Es sei erfüllend, Jugendliche auf ihrem Weg von Schulabgängern zu ausgebildeten Reisebüro-Fachkräften begleiten zu dürfen.

Auch der Aktivferien-Spezialist Eurotrek engagiert sich seit Jahren für den Branchennachwuchs. Bisher bildete das Unternehmen jeweils einen Lernenden aus. «Neu beschäftigen wir erstmals zwei Lernende gleichzeitig», sagt Co-Geschäftsführerin Nina Fluri gegenüber Travelnews. Das sei ein weiterer Schritt im Engagement von Eurotrek für die Nachwuchsförderung

Die Lernenden seien von Anfang an eng ins Team eingebunden. «Sie übernehmen früh Verantwortung und tragen viel zu einem guten Teamgeist bei – etwa bei der Organisation von Team-Challenges oder der Mitarbeit an Events», erklärt Fluri. Wenn immer möglich, würden die jungen Berufsleute nach dem Lehrabschluss im Unternehmen weiterbeschäftigt.

Neben den vielen positiven Erfahrungen gab es vereinzelt auch schwierigere Fälle. «Wir mussten einzelne Lehrverhältnisse bereits in der Probezeit beenden, weil sich zeigte, dass die Berufswahl nicht passte oder die Ausbildung zu anspruchsvoll war. Diese Trennungen erfolgten jedoch jeweils in gutem Einvernehmen», so Fluri.

An Berufsmessen wirbt die Reisebranche um Nachwuchs. Persönliche Gespräche sollen Jugendliche für eine KV-Lehre im Tourismus begeistern. Bild: SRV

Ein Comeback in der Lehrlingsausbildung feierte die Zentralschweizer Reisebüro-Kette Rilex. «Seit Sommer 2025 bilden wir wieder Lernende aus. Nach einer Pause von über 15 Jahren haben wir uns bewusst entschieden, die Ausbildung wieder aufzunehmen», sagt Inhaber Iwan Berger. In diesem Sommer beginnt bereits die zweite Lernende ihre Ausbildung in der Filiale Luzern.

Für Berger ist die Rückkehr zur Lehrlingsausbildung eine Investition in die Zukunft. «Dem Fachkräftemangel begegnen wir am besten, indem wir unseren Nachwuchs selbst ausbilden», sagt er. Die ersten Erfahrungen seien durchwegs erfreulich. «Lernende bringen frische Ideen mit, stellen spannende Fragen und hinterfragen bestehende Abläufe.»

Branche sieht Handlungsbedarf

Wie lässt sich die Zahl der Lehrstellen in der Reisebranche wieder steigern? Für die drei befragten Reiseprofis ist klar: Ein Patentrezept gibt es nicht. Gefragt sind Verbesserungen bei den Rahmenbedingungen, mehr Engagement der Betriebe und ein stärkeres Bekenntnis zur Branche.

Christian Sigg von Rolf Meier Reisen sieht insbesondere die grösseren Unternehmen in der Verantwortung. «Wenn wir als KMU jedes Jahr einen Lernenden ausbilden können, sollten gerade die grossen Betriebe die nötigen Ressourcen dafür haben.»

Gleichzeitig gibt er zu, dass es schwieriger geworden sei, den passenden Nachwuchs zu finden. Auch die KV-Reform habe nicht dazu beigetragen, mehr Jugendliche für den Beruf zu begeistern, so Sigg. Umso wichtiger sei es, die Vorzüge der Branche sichtbar zu machen. «Die Lehre in der Reisebranche ist nach wie vor eine gute, breite und solide Basis für das weitere Berufsleben.»

Für Nina Fluri von Eurotrek stehen einfachere Rahmenbedingungen im Vordergrund. Der administrative Aufwand für Ausbildungsbetriebe – etwa bei den Praxisaufträgen – müsse reduziert werden. Gleichzeitig sollte die Branche laut Fluri ihre vielfältigen Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten noch stärker hervorheben. Positiv beurteilt sie die Zusammenarbeit des Schweizer Reise-Verbands mit der United School of Sports. «Durch unsere Aktivreisen und die Saisonalität passt dieses Modell sehr gut zu uns.»

Iwan Berger von Rilex ortet das Problem vor allem beim Image der Branche. «Die weit verbreitete Annahme, dass Reisebüros keine Zukunft hätten, hält sich hartnäckig.» Gleichzeitig gelte die Reisebranche vielerorts nicht als klassisches Karrieresprungbrett mit unbegrenzten Aufstiegsmöglichkeiten. «Es wird in meinen Augen sehr herausfordernd, diesem Ruf entgegenzuwirken.»

Die Reisebranche steht vor einer doppelten Herausforderung: Sie muss genügend junge Menschen für den Beruf begeistern und gleichzeitig mehr Betriebe für die Ausbildung gewinnen. Die drei Beispiele zeigen, dass sich dieses Engagement lohnt und dass die Ausbildung von Lernenden trotz aller Herausforderungen eine Investition in die Zukunft bleibt.