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Indische Touristengruppen waren in vielen Schweizer Ferienorten lange präsent– inzwischen reisen deutlich weniger von ihnen in die Schweiz. Bild: TN

Interlaken und Engelberg fehlen die Gäste aus Indien

Der Iran-Krieg, die schwache Rupie und der Boom des Inlandstourismus in Indien lassen die Logiernächte von indischen Reisenden in der Schweiz um 34 Prozent einbrechen. Beliebte Schweizer Ferienregionen stehen zunehmend unter Druck.

Die Inderinnen und Inder galten lange als Hoffnungsträger für den Schweizer Tourismus, nachdem die chinesischen Touristen als Konsequenz der strikten Massnahmen während der Corona-Pandemie ausblieben. Bei Indien handelt es sich um ein Land, dessen Gutverdienende und dementsprechend Reisehungrige stetig zunehmen. Gerade das Berner Oberland oder die Titlis-Region setzten auf die indischen Reisenden. 2025 wurde gar ein neuer Rekordwert von 700’000 indischen Reisenden in der Schweiz.

Doch der Irankrieg, ein schwacher Rupienkurs sowie Premierminister Narendra Modi Aufruf zum Inlandstourismus belasten die Lage des Schweizer Tourismus. Laut dem Bundesamt für Statistik gingen die Logiernächte im Juni bereits den vierten Monat in Folge zurück. Allein im Juni rechnet das BFS mit einem Gesamtrückgang von 2,2 Prozent – das entspricht rund 40'000 Personen. Besonders deutlich fiel das Minus bei Gästen aus Indien aus: Die Logiernächte indischer Gäste in der Schweiz sanken im Juni um 34 Prozent.

Markantes Juni-Tief

Den Rückgang bekommt auch das indische Restaurant Taj Mahal im Zentrum von Interlaken zu spüren, wie der «Tages-Anzeiger» (Abo) schreibt. Seit einigen Jahren würden Touristinnen und Touristen zunehmend in Ferienwohnungen übernachten und dort selbst kochen, anstatt im Restaurant einzukehren. Vor einigen Monaten kam dann ein zusätzlicher Einbruch wegen des Irankriegs: Das Taj Mahal war auf Kurzarbeit angewiesen. Die erhoffte Erholung im Sommer blieb aus, das Lokal blieb maximal halb voll – nun muss das Restaurant per Ende September schliessen.

Auch Engelberg, ein Lieblingsort indischer Touristen mit dem Beinamen «Alpen-Delhi», verzeichnet im Winterhalbjahr 2025/26 einen Rückgang seiner Lieblingstouristen von rund 20 Prozent. Indien zähle eigentlich zu den wichtigsten internationalen Herkunftsmärkten, so Norbert Patt, Chef der Titlis-Bergbahnen. Besonders stark betroffen ist dabei das Hotel Terrace, das zu den Seilbahnen gehört und sich vor Jahren auf indische Gäste spezialisiert hat. Aufgrund des markanten Rückgangs wurden weniger Saisonstellen besetzt und die Buchung wurde nicht nur für Gruppen, sondern auch für Einzelreisende zugänglich gemacht.

Branchenkenner Marco Russi, ehemaliger Geschäftsführer von Kuoni Tumlare, sieht die Gründe darin, dass Gruppenreisen stark von den Drehkreuzen im Nahen Osten abhängig sind. Die deutlich teureren Direktflüge kämen für indische Familien nicht infrage. Sie würden momentan lieber in die Emirate reisen, wo es Luxushotels zu Spottpreisen gebe. Durch den Fall der indischen Rupie ist die Schweiz für indische Touristen ohnehin deutlich teurer geworden. Russi rechnet nicht mit einer baldigen Rückkehr indischer Touristen.

(TN)