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Im Nordteil des Dachstein-Massivs liegt die gern besuchte Aussichtsplattform 5 Fingers. Wie eine Hand ragen fünf begehbare Stege in einen rund 400 Meter tiefen Abgrund hinein. Bild: Adobe Stock

Aussichtsplattformen in den Alpen: Zwischen Himmel und Abgrund

Christian Haas

Steile Felswände unter einem, der klare Himmel über einem und rundum ein Gipfelpanorama zum Niederknien: Gerade im Herbst ermöglichen extravagante Konstruktionen erhabene Bergerlebnisse. Wir stellen 12 atemberaubende Panoramakanzeln vor, in Bayern, Österreich und der Schweiz.

Der Herbst ist die ideale Jahreszeit, um den Alpen aufs Dach zu steigen. Die grösste Sommerhitze ist vorbei, die Fernsicht oft besonders klar und die Berge zeigen sich in warmen Farben. Dazu kommt: Auf vielen Höhenlagen wird es spürbar ruhiger. Ob schwebend über einem Abgrund, weit auskragend über dem Tal oder spektakulär in eine Felswand gebaut: Diese zwölf Aussichtsplattformen sind beinahe eine eigene Reise wert.

Top of Salzburg: Fernsicht im Doppelpack

Wenn das Wetter mitspielt, eröffnet das Kitzsteinhorn am 10. Oktober den Skibetrieb am Gletscher. Doch die drei Bergbahnfahrten bis zur Bergstation auf 3029 Metern Höhe lohnen sich nicht nur für Wintersportler. Schliesslich ist da noch die Erlebniswelt «Gipfelwelt 3000», die ganz ohne Kraftanstrengung für Ahs und Ohs sorgt. Der achtminütige Film «The Nature» ermöglicht im Cinema 3000 aussergewöhnliche Einblicke in die Geheimnisse und Schätze der Hohen Tauern. Für grandiose Ausblicke stehen gleich zwei Aussichtsplattformen parat.

Eine davon heisst «Top of Salzburg» und liegt direkt an der Gipfelstation. Von der über den Abgrund ragenden und scheinbar freischwebenden Panoramaplattform schweift der Blick vom Hochkönig bis zur Zugspitze. Aussichtsplattform Nummer zwei ist über einen 360 Meter langen, beleuchteten Stollen erreichbar, in dem mehrere Stationen über Permafrost, Gletscher, Kristalle und anderes informieren. Am Ende des Ganges geht es dann auf die Open-Air-Plattform «National Gallery»“ mit Blick auf den Nationalpark Hohe Tauern, insbesondere auf Grossglockner und Grossvenediger. Infos: www.kitzsteinhorn.at/de/top-of-salzburg

Dachstein Sky Walk: Thrill über der XXL-Wand

Zu den ganz Grossen in der Alpenrepublik zählt auch der Dachstein. Nicht nur wegen seiner knapp 3000 Meter, sondern auch aufgrund seines beeindruckenden Massivs und seiner Zugänglichkeit. Per Grossraumgondel, die noch bis 8. November und dann wieder ab Weihnachten verkehrt, geht es rauf auf rund 2700 Meter Höhe. Die Bergstation hat es in sich, thront sie doch spektakulär über dem Fels. Auf der einen Seite dominieren Gletscherflächen, auf der anderen geht es steil hinab.

Noch spektakulärer wird der Tiefblick von der Plattform nebenan: Der Sky Walk ragt weit über die Felskante hinaus, Teile des Bodens sind verglast. Nur wenige Gehminuten entfernt setzt eine beeindruckende Hängebrücke noch eins drauf, insbesondere die «Treppe ins Nichts» an deren Ende. Hier führen 14 schmale Stufen hinab auf ein kleines Glaspodest, 400 Meter über dem Wandfuss. Gut zu wissen: Die Gondelpassagieranzahl ist auf 2500 Personen pro Tag begrenzt. Vorab reservieren kann da nicht schaden. Infos: www.derdachstein.at

5 Fingers: Eine Handvoll Adrenalin

Im Nordteil des Dachstein-Massivs liegt, nur rund 40 leichte Wanderminuten von der Krippenstein-Bergstation entfernt, eine weitere gern besuchte Aussichtsplattform. In diesem Fall hat die Popularität womöglich auch mit deren ungewöhnlichen Gestaltung zu tun. Wie eine Hand ragen fünf begehbare Stege in einen rund 400 Meter tiefen Abgrund hinein.

Jeder dieser fünf Finger setzt dabei einen eigenen Akzent. Mal gucken Besucher durch einen Glasboden in die Tiefe, mal durch ein Fernrohr auf den nahen Hallstätter See, mal bietet sich ein überdimensionierter Bilderrahmen für das Erinnerungsfoto an. Auf dem Weg von der Bergstation zu den 5 Fingers bietet sich zudem ein Abstecher zum «Welterbeblick» an, der den Dachstein-Gletscher eindrucksvoll in Szene setzt. Infos: www.dachstein-salzkammergut.com

Söldens Big 3: Trio alpinale

Gletscher eindrucksvoll in Szene setzen, das kann auch das Ötztal. Dessen besonderer Trumpf: Von Sölden aus führen Bergbahnen zu drei Dreitausendern und zugleich zu drei spektakulären Aussichtsplattformen. Den Anfang macht die 3340 Meter hohe Schwarze Schneid am Rettenbachferner. Von der Bergstation geht es noch rund 20 Minuten bergauf zur Panoramakanzel, was sich besonders bei klarer Sicht lohnt. Am 3.250 Meter hohen Tiefenbachkogl ragt anschliessend ein verwegener Aussichtssteg über den Abgrund, mit Blick auf die Wildspitze, Tirols höchsten Berg.

Den spektakulären Schlusspunkt setzt der 3058 Meter hohe Gaislachkogl. Neben der Bergstation schwebt hier ein futuristischer Aussichtsteller aus rostfreien Edelstahlrohren über dem Abgrund. Über eine Brücke ist er mit dem Fels verbunden. Gleich daneben steht das futuristische Restaurant «Ice Q», das James-Bond-Fans sofort wiedererkennen dürften, diente es in «Spectre» doch als mehrminütige Kulisse. Infos: www.soelden.com

Top of Tyrol: Über 110 Dreitausender im Blick

Filmreif geht es auch auf der Stubaier Gipfelplattform auf 3210 Metern zu. Actionfilmreif müsste man wohl präzisieren, denn der schön in die Bergwelt integrierte «Top of Tyrol» ragt neun Meter über den Felsen hinaus – schwindelfrei sollte man also sein, wenn man sich bis an den Rand der Stahlkonstruktion wagt. Dafür wird man beflügelt von einer einzigartigen Fernsicht, die von den Zillertaler Alpen bis zu den Dolomiten reicht. Den vollen «Durchblick» erhalten Gäste indessen mittels eines Viscope-Fernrohrs, das die Namen der betrachteten Berge im Sichtfeld einblendet. Infos: www.stubaier-gletscher.com

Kaiserblick: Neuer Laufsteg auf der Schmitten

Eine der jüngeren spektakulären Plattformen Österreichs befindet sich oberhalb von Zell am See. Der «Kaiserblick», der seinen Namen Kaiser Franz Joseph I. verdankt, der die Schmittenhöhe einst mit Kaiserin Elisabeth besuchte, wurde 2024 eröffnet und ragt als rund 20 Meter langer Steg über die Südseite der Bergstation hinaus. Teile des Bodens bestehen aus Glas, am Ende wartet eine etwas verbreiterte Plattform. Zu Füssen liegt der Zeller See, gegenüber stehen mehr als 30 Dreitausender Spalier. Fernrohre und Viscopes helfen beim Gipfelraten. Infos: www.schmitten.at

Adlerhorst Rofan: Erst schauen, dann fliegen

Nomen est omen: Die Aussichtsplattform am Gschöllkopf im Tiroler Rofangebirge ist einem Greifvogelnest nachempfunden. Acht Meter im Durchmesser misst die Kanzel, die exponiert am Berg thront und ein 360-Grad-Panorama eröffnet. Bei klarer Sicht liegen Achensee, Rofan- und Karwendelgebirge wie gemalt vor einem.

Und wie geht es weiter? Entweder zu Fuss auf diverse Gipfel (oder den 420 Kilometer langen Adlerweg) oder man nimmt den Skyglider «Airrofan»! Eingehängt in ein aufregendes Fluggerät geht es bäuchlings 800 Meter weit talwärts. Dabei werden am Seil rund 200 Höhenmeter überwunden. Mit bis zu 85 Sachen wird der Flug dabei tatsächlich zu einer Art Adlererlebnis. Infos: www.achensee.com

Bergwelt Karwendel: Da guggste in die Röhre

Oberbayern beheimatet zwei interessante Kandidaten für diese Liste. Nummer eins ist nicht nur ein interessanter Ausguck, sondern auch ein spannender Hingucker: Wie ein gigantisches Fernrohr ragt das Naturinformationszentrum «Bergwelt Karwendel» mehrere Meter über die Felskante hinaus. Durch das runde Fenster fällt der Bli300 Meter tief hinunter nach Mittenwald und ins Isartal. Im Inneren informiert eine Ausstellung über die hochalpine Natur des Karwendels, draussen wartet ein Panorama vom Wetterstein bis ins Estergebirge. Infos: www.karwendelbahn.de

Deutschlands höchstgelegenes Natur-Informationszentrum an der Bergstation der Karwendelbahn präsentiert sich als Riesenfernrohr. Bild: karwendelbahn.de

AlpspiX: Überkreuzende Stege über dem Abgrund

Oberbayerns Nummer zwei befindet nahe Garmisch-Partenkirchen am Osterfelderkopf, 50 Meter oberhalb der Bergstation der Alpspitzbahn. Der Name: AlpspiX, geschuldet der gewagten Konstruktion, zwei 24 Meter lange Stahlstege in Form eines grossen X, die jeweils 13 Meter weit über den Abgrund ragen. (Schwindelfreie) Besucher wandern dabei auf drei Meter breiten Gittern sowie auf Glas. Nichts für schwache Nerven, denn es geht an diesem Punkt rund 1000 Meter in die Tiefe. Übrigens: Der Flecken da weit unten heisst passenderweise Höllental. Infos: www.zugspitze.de

Hot Spot Gemmi: Herausragend, im wahrsten Sinne

Höllisch gut ist auch das, was 2011 im schweizerischen Wallis installiert wurde. Die Aussichtsplattform am auf rund 2350 Meter Höhe gelegenen Gemmipass ist dank ihrer aufregenden Bauweise ein echter Hingucker. Im Anschluss an die Terrasse des «Berghotels Wildstrubel» ragt nämlich eine trapezförmige, filigrane Stahlkonstruktion rund zehn Meter über die Felswand hinaus. Auf der 20 Quadratmeter grossen Empore findet etwas mehr als ein Dutzend Besucher Platz. Diese müssen jedoch ein wenig Mut zusammennehmen, denn der Fusssteg besteht aus einem Gitterrost, durch den sie über 250 Meter in die Tiefe blicken. Infos: www.gemmi.ch

Von diesem Gitterrost auf dem Gemmipass lässt sich 250 Meter runter ins Tal auf Leukerbad schauen. Bild: gemmi.ch

Il Spir: Tief unten die Rheinschlucht

Im Rätoromanischen bedeutet «Il Spir» so viel wie Mauersegler. Ein passender Name für die Aussichtsplattform, die 400 Meter über der Rheinschlucht «schwebt» und somit einen atemberaubenden Blick ermöglicht, eben aus der Vogelperspektive. Und diese Ruinaulta ist ja auch einmalig, nicht umsonst wird sie als «Swiss Grand Canyon» bezeichnet.

Einmalig ist auch die Konstruktion der Plattform, die aus einem einzigen Pfeiler besteht. Dieser ragt, zurückgehalten von einem Zugkabel, zwischen die Föhren und neigt sich förmlich über die Schlucht. Auf dem Pfeiler schliesslich liegt – mauerseglerartig – die dreieckige Plattform aus Lärchenholz. Die perfekte Belohnung für die rund einstündige Wanderung, die in Flims-Waldhaus beginnt. Infos: www.myswitzerland.com

Schynige Platte Skywalk: Eine runde Sache!

Recht neu ist eine Aussichtsplattform im Berner Oberland: Seit Juni 2025 lockt auf der Schynige Platte der gleichnamige Skywalk. Die geschwungene, an einen Bumerang erinnernde Konstruktion liegt direkt beim historischen Berghotel und fügt sich stützenfrei in die Landschaft ein. Der kurze Gang über den Steg eröffnet den Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau, den Thunersee und den Niesen. Die Alpwiesen der Schynige Platte geben dem ansonsten eher technisch anmutenden Aussichtsbauwerk einen besonderen Rahmen. Infos: www.jungfrau.ch