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Eugen Müller, Teamleiter des Prognosediensts am MeteoSchweiz-Hauptsitz, direkt am Flughafen in Zürich, erklärt die Gewitterfront des Vorabends anhand der Wetterkarten. Bild: TN

Im Auge des Gewitters: Zu Besuch in der Wetterzentrale am Flughafen Zürich

Marilin Leuthard

Nach dem aussergewöhnlichen Gewitter, das den Flugbetrieb am Flughafen Zürich für mehr als zwei Stunden lahmlegte, gibt Swiss Einblick in die Zusammenarbeit mit MeteoSchweiz. Swiss-COO Oliver Buchhofer zieht zudem Bilanz zum ersten Halbjahr und blickt auf die bevorstehende Hochsaison.

Am Dienstagabend entlud sich ein Gewitter über dem Flughafen Zürich, das so stark war, dass der Flugbetrieb für mehr als zwei Stunden unterbrochen und knapp 40 Flüge umgeleitet werden mussten (Travelnews berichtete). Wie es der Zufall will, lud die Swiss am nächsten Morgen zur Pressekonferenz zum Start des Sommerflugbetriebs ein.

Oliver Buchhofer, COO der Swiss, sagte gleich zu Beginn: «Dieses Gewitter war länger, intensiver und stationärer als jede Vorhersage». In den vergangenen zehn Jahren habe er nichts Vergleichbares erlebt und wertet es als «ganz extremes Ereignis». Man sei auf verschiedenste Szenarien vorbereitet, aber nicht auf einen zweieinhalb Stunden geschlossenen Flughafen.

In solchen Situationen stehe die Sicherheit der Passagiere und der Mitarbeitenden in der Luft und am Boden an erster Stelle. «Es geht wirklich um Leib und Leben. Es gibt keine Alternative, als in so einer Situation den Betrieb einzustellen», betont Buchhofer. 26 Swiss-Flüge mussten auf die naheliegenden Flugplätze Basel, Genf, Mailand-Malpensa und Lyon ausweichen. 13 Maschinen mit über 2000 Passagieren wurden nach Stuttgart umgeleitet.

Zu Besuch am Hauptsitz von MeteoSchweiz

Im Rahmen eines Rundgangs durch das Operations Control Center am Zürcher Flughafen erhielten die anwesenden Medienschaffenden einen Einblick in die Arbeit von MeteoSchweiz – mit Aktualitätsbezug zu den Geschehnissen vom Vorabend.

«Die Hauptaufgaben der Wetterprognosezentrale in Zürich sind die Wetterüberwachung, die Wetterprognosen und die Warnungen», so Eugen Müller, Teamleiter des Prognosediensts am Hauptsitz am Flughafen in Zürich. Sie informieren über das Wetter im gesamten Schweizer Luftraum sowie für verschiedene Flugplätze wie beispielsweise Zürich oder St. Gallen-Altenrhein. Weitere Standorte befinden sich in Locarno, Genf und Payerne.

Sie erstellen alle drei Stunden Flughafenvorhersagen, die 30 Stunden lang gültig bleiben und von Pilotinnen und Piloten, die ab oder nach Zürich fliegen, für die Flugplanung verwendet werden. «Daneben machen wir auch kurzfristige Vorhersagen, die für zwei Stunden gültig bleiben und alle 30 Minuten erneuert werden. Diese sind sehr aktuell und stehen den Piloten dann auch im Cockpit zur Verfügung», so Müller.

Basis für die Wettervorhersagen sind einerseits Beobachtungen klassischer Wetterstationen sowie zahlreiche weitere Instrumente wie Satellitenbilder oder Radarbilder. Für längerfristige Wettervorhersagen, die bis 30 Tage in die Zukunft reichen, kommen neben numerischen Modellen auch zunehmend Künstliche Intelligenz zum Einsatz, um die Prognosen zu erstellen.

Der Dedicated Forecaster behält das Flugwetter im Blick und informiert die Fluglotsinnen und Fluglotsen laufend über Wetterveränderungen. Bild: TN

Von grosser Bedeutung für den Flugbetrieb ist der sogenannte Dedicated Forecaster. Er behält den Überblick über das Wetter am Flughafen sowie das erweiterte Gebiet Süddeutschland, Bodensee sowie Zentralschweiz und steht in engem Kontakt mit dem Tower. «Unsere Informationen sind für die Flugsicherung und die Piloten entscheidend», erklärt Müller. Die Prognosen bestimmen darüber, ob Start und Landungen möglich sind, Gewitterzellen umflogen werden müssen oder welche Pisten für An- und Abflug verwendet werden können.

Das Normalkonzept am Flughafen Zürich ist die Landung von Norden und der Start Richtung Westen. «Bereits bei einem Rückenwind von etwa 15 Knoten kann nicht mehr auf dieser Piste gestartet werden. Dann muss der Pistenbetrieb entsprechend umgestellt werden. Dies wiederum schränkt die Kapazität ein und kann zu Verspätungen und Flugausfällen führen», erklärt Eugen Müller.

MeteoSchweiz ist aber nur ein Pfeiler eines riesigen Systems, um den Flugbetrieb jeden Tag sicher und stabil durchführen zu können. Damit der Flugverkehr funktioniert, sind täglich hunderte Menschen beteiligt, ob auf dem Boden oder in der Luft. Alle dreieinhalb Minuten hebt ein Swiss-Flug ab, an dem insgesamt rund 300 Menschen beteiligt waren. «Das Ganze ist ein bisschen wie ein Orchester. Am Schluss ist es das Gesamtumfeld, das Musik spielt», sagt Oliver Buchhofer.

Swiss ist saisonaler geworden

Die Swiss hat von Januar bis Juni 2026 rund 8,1 Millionen Passagiere befördert, was einem Plus von 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Die Auslastung der Flüge stieg um 2,8 Prozentpunkte auf 82 Prozent, obwohl rund 4,2 Prozent weniger Flüge durchgeführt wurden. Die Flugannullierungen konnten ebenfalls um 7,5 Prozent reduziert werden.

«Wir sind saisonaler unterwegs als in den vergangenen Jahren und fliegen insgesamt etwas weniger», erklärt Buchhofer im Rahmen der Pressekonferenz. «Gleichzeitig transportieren wir aber mehr Gäste». Ist die Auslastung entsprechend hoch, sei der Druck auch grösser, alles bewältigen zu können. Im vergangenen Jahr wurden in der Hochsaison 13 Prozent mehr Flüge durchgeführt, die Gästezahl stieg aber um 27 Prozent. Die Auslastung steige während der Hochsaison auf über 90 Prozent, was bedeutet, dass ein Grossteil der Flüge bis auf den letzten Platz ausgebucht sind.

Blickt auf die bevorstehende Hochsaison: Oliver Buchhofer, COO der Swiss, präsentiert im Rahmen einer Pressekonferenz im OPC 1 am Flughafen Zürich die neuesten Verkehrszahlen. Bild: TN

Während die Pünktlichkeit von 67 auf über 73 Prozent gestiegen ist, sank jedoch die Stabilität des Flugbetriebs im ersten Halbjahr 2026 um zwei Prozent. Dies sei auf die Reduktion des Streckennetzes ab Genf sowie die anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten im Mittleren Osten, insbesondere die Ziele Dubai und Tel Aviv, zurückzuführen.

Erfreulichere Dinge warten im kommenden Herbst auf den Nationalcarrier der Schweiz: Der dritte Airbus A350 stösst zur Flotte, sowie drei A320neo und ein A321neo. Zusätzlich werden die ersten Airbus A330 mit Swiss Senses ausgerüstet und die Langstreckendestination Bangalore wird ins Streckennetz aufgenommen.