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Kommentar Fragile Zukunft für Golf-Hubs
Gregor WaserDubai (DXB), Doha (DOH) und Abu Dhabi (AUH), die drei Airline-Drehkreuze am Persischen Golf, haben in den letzten 20 Jahren in der östlichen Hemisphäre die Verkehrsströme an sich gerissen. Deren Home-Carriers Emirates, Qatar Airways und Etihad prägen seither den Flugverkehr zwischen Europa und Asien/Pazifik, ebenso Richtung Afrika. Günstige geografische Lage, Top-Verbindungen, moderne Flugzeuge und tiefe Preise lautet die Erfolgsformel.
Am 28. Februar 2026 und dem Ausbruch des Iran-Krieges – mit vielen Drohnenangriffen Richtung Golf-Staaten – kam es zu einem Einschnitt und Zeitenwechsel. Die drei Hubs standen zunächst still. Relativ schnell wurden die Flugverbindungen nach wenigen Wochen zwar wieder hochgefahren, doch die Passagierströme auf der östlichen Erdhalbkugel sind seither neu verteilt.
Hubs wie Istanbul, Hongkong, Singapur oder auch Addis Abeba konnten von der neuen Ausgangslage profitieren und Passagiere dazugewinnen, die einen Bogen rund um den Golf fliegen wollten und wollen.
Nun kommt es diesen Freitag, am 19. Juni, auf dem Bürgenstock in der Innerschweiz zu einem Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran oder zumindest zu einer Absichtserklärung zur Beendigung des Krieges. Wird danach die Welt und die Airline-Welt wieder wie am 27. Februar aussehen?
Absehbare Preisnachlässe
Für IATA-Chef Willie Walsh ist klar: «Die Golf-Fluggesellschaften werden ihre Position zurückgewinnen». Dies sagte der oberste Airliner am IATA General Meeting in Rio de Janeiro vor wenigen Tagen. Dabei sprach er von möglichen Preisnachlässen der drei Golf-Carrier, um das Passagieraufkommen wieder zu steigern. Von Rabatten will Emirates-CEO Tim Clark dagegen nichts wissen. In einem «Reuters»-Interview spricht er davon, Anreize einzuführen, um Kunden zurückzugewinnen. Doch diese würden sich auf Sicherheit und zuverlässige Reiseverbindungen konzentrieren und nicht auf Preisnachlässe.
Ein Schweizer Airline-Manager geht im Gespräch mit Travelnews aber davon aus, dass die drei Golf-Carrier deutlich an den Preisen schrauben werden und gleichzeitig von günstigerem Zugang zu Kerosin profitieren könnten. Wie sich die Flugpreise auf den kommenden Winter hin entwickeln – gerade im Vergleich zu europäischen und asiatischen Fluggesellschaften –, wird nun beim anstehenden Buhlen um die Passagierströme spannend zu verfolgen sein.
Die Goldgräber-Zeiten für die Euro-und Asia-Carrier dürften sich jedenfalls dem Ende zuneigen. Dass eine Thai Airways aufgrund der überbordenden Nachfrage zuletzt Economy-Tickets für die Strecke Zürich – Bangkok – Zürich von mehr als 2000 Franken verlangen konnte, ist nun vorbei.
Vertrauensfrage bei Passagieren
Doch das eigentliche Schlachtfeld der kommenden Monate ist nicht der Ticketpreis, sondern die Psychologie.
Soll man das Australien-Ticket für den November wirklich bei einem arabischen Carrier buchen? Hält der Bürgenstock-Friede überhaupt? Man muss kein Nahost-Experte sein, um zu sehen, wie fragil die Lage bleibt. Das Regime in Teheran bleibt im Sattel und hat in den letzten Wochen Lunte gerochen. Die Mullahs wissen jetzt ganz genau, wie leicht sie die Weltgemeinschaft an der Nase herumführen können, indem sie die Strasse von Hormus blockieren. Diesen Hebel behält der Iran in der Hand. Drohen bei der nächsten Verstimmung horrende Zölle oder eine erneute Hormus-Schliessung, ist ein neuerlicher Kriegsausbruch möglich.
Die Konkurrenz in Istanbul, Hongkong, Singapur und Addis Abeba hat in den letzten Monaten Aufwind erlebt. Diese Hubs respektive die Airlines, die die Hubs nutzen, haben bewiesen, dass sie nicht nur zuverlässige Alternativen sind, sondern den Golf-Riesen die Stirn bieten können. Diesen Aufwind werden sie verteidigen wollen. Doch sie müssen dabei aufpassen, das teils horrende Preisniveau wieder zu normalisieren.
Ob sich die Golf-Hubs wieder auf ihren alten Thron zurückmanövrieren können, wird sich im Spätommer und Herbst zeigen, wenn das lukrative Wintergeschäft final eingetütet wird. Eine gewisse Skepsis fliegt bei vielen Passagieren vorerst noch mit. Und die verschwindet nicht über Nacht – auch nicht mit einem unterschriebenen Stück Papier aus der Schweiz.