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Sinan Seha Türkseven, Generaldirektor der Türkiye Tourism Promotion and Development Agency, sieht Diversifizierung, internationale Vermarktung und eine breite touristische Positionierung als zentrale Wachstumstreiber für den türkischen Tourismus. Bilder: Adobe Stock / zVg

«Die Schwarzmeerregion besticht durch eine einzigartige Naturlandschaft»

Mit 64 Millionen Gästen hat die Türkei 2025 einen neuen Rekordwert erreicht. Im Interview mit Travelnews erklärt Sinan Seha Türkseven, Generaldirektor der Türkiye Tourism Promotion and Development Agency, welche Strategie hinter dem Wachstum steckt und warum Schweizer Gäste weiter an Bedeutung gewinnen.

Mit 64 Millionen Besuchenden erzielte die Türkei im vergangenen Jahr Tourismuseinnahmen in Höhe von 65 Milliarden US-Dollar, umgerechnet 52 Milliarden Franken. Welche Faktoren waren entscheidend für diesen neuen Rekordwert?

Sinan Seha Türkseven: Diese Leistung ist das Ergebnis einer langfristigen, strukturierten Tourismusstrategie, die auf nachhaltiges Wachstum ausgerichtet ist. Der Schwerpunkt liegt nicht nur auf der Steigerung der Besucherzahlen, sondern auch auf der Verlängerung der Aufenthaltsdauer und der Verbesserung der Gesamtwertschöpfung. Eine wichtige Säule dieses Ansatzes ist die Diversifizierung. Die Türkei fördert den Tourismus in allen 81 Provinzen und in verschiedenen Segmenten, darunter Gastronomie, Kultur, Gesundheit, Geschäftsreisen und religiöser Tourismus. Gleichzeitig wird die Marktdiversifizierung durch eine starke Fluganbindung unterstützt, insbesondere durch Turkish Airlines. Die türkische Agentur für Tourismusförderung und -entwicklung (TGA) ergänzt dies durch gezielte internationale Kampagnen und erhöht die Sichtbarkeit in Schlüsselmärkten durch koordinierte Kommunikationsmassnahmen.

Wie hat sich die Zahl der Gäste aus der Schweiz im Vergleich zu Vorjahren entwickelt?

Die Schweiz bleibt ein stabiler und wachsender Quellmarkt für die Türkei. Die Zahl der Schweizer Gäste stieg von 390’044 im Jahr 2023 auf 406’357 im Jahr 2024 und erreichte 414’635 im Jahr 2025. Dies spiegelt ein beständiges, schrittweises Wachstum wider und ist nicht auf kurzfristige Schwankungen zurückzuführen. Dieser Trend wird durch zuverlässige Flugverbindungen, eine anhaltende Nachfrage nach Küsten- und Kulturtourismus sowie die kontinuierliche Zusammenarbeit mit Reiseveranstaltern gestützt.

Welche Reisegewohnheiten zeichnen Schweizer Gäste aus, etwa in Bezug auf Reisedauer, Budget oder bevorzugte Regionen?

Schweizer Reisende zeigen weiterhin eine starke Nachfrage nach Ferien an der Küste, insbesondere in Antalya und den ägäischen Regionen İzmir und Muğla. Darüber hinaus besteht ein ausgeprägtes Interesse an Kulturreisen, Städtetourismus und Gastronomie. Istanbul bleibt ein zentrales Reiseziel, während Kappadokien und Aydın Besucherinnen und Besucher anziehen, die auf der Suche nach historischer und kultureller Tiefe sind. Auch die regionale Küche der Türkei spielt eine wichtige Rolle bei der Reiseentscheidung und trägt zu einem stärker erlebnisorientierten Reiseverhalten bei.

«Initiativen wie verlängerte Öffnungszeiten der Museen im Sommer tragen dazu bei, das Besuchserlebnis zu verbessern»

Welche Regionen in der Türkei verzeichnen das stärkste Wachstum bei Schweizer Gästen?

Die Route, die Istanbul mit der Ägäis- und der Mittelmeerküste verbindet, erfreut sich bei Schweizer Gästen weiterhin grosser Beliebtheit. Daten wichtiger Akteure der Tourismusbranche deuten auf eine besonders starke Entwicklung an der türkischen Riviera hin, die voraussichtlich ein wichtiger Wachstumsbereich bleiben wird.

Welche neuen touristischen Projekte oder Angebote werden in der Türkei in den kommenden Jahren entwickelt?

Die Türkei baut ihr Tourismusangebot über die traditionellen Segmente weiter aus. Derzeit stehen mehr als 60 verschiedene Tourismusprodukte zur Auswahl. Im kulturellen Bereich wurden die archäologischen Arbeiten deutlich intensiviert, wobei Hunderte von Ausgrabungs- und Restaurierungsprojekten im Gange sind. Initiativen wie verlängerte Öffnungszeiten der Museen im Sommer tragen dazu bei, das Besuchserlebnis zu verbessern. Gleichzeitig werden neue Kultur- und Naturrouten entwickelt, während weiterhin in die Gastronomie investiert wird, unter anderem durch die Ausweitung der Abdeckung durch den Michelin-Guide. Weinstrassen und regionale Tourismusprojekte tragen zusätzlich zur Diversifizierung bei.

Welche neuen Reiseerlebnisse möchte die Türkei künftig stärker promoten, beispielsweise in den Bereichen Slow Travel, Kulinarik oder Outdoor-Aktivitäten?

Die Türkei legt zunehmend Wert auf einen vielfältigen und erlebnisorientierten Tourismus. Kulturerbe, Gastronomie und religiöser Tourismus spielen weiterhin eine zentrale Rolle, während Wellness-, Gesundheits- und Outdoor-Tourismus an Bedeutung gewinnen. Aktivitäten wie Wandern, Velofahren und Naturreisen werden weiter ausgebaut. Parallel dazu werden die Bemühungen fortgesetzt, die Positionierung in hochwertigen Segmenten, darunter Luxus- und Geschäftsreise-Tourismus, zu stärken.

«Wir haben ein starkes und widerstandsfähiges Tourismusmodell für unser Land entwickelt»

Verraten Sie unseren Leserinnen und Lesern Ihre persönlichen Insider-Tipps für Ferien in der Türkei!

Während Reiseziele wie Istanbul, Antalya, Bodrum und Kappadokien nach wie vor fest etabliert sind, bietet die Türkei eine Vielzahl weniger bekannter Regionen, die es zu entdecken lohnt. Die Schwarzmeerregion, die kürzlich von National Geographic als eines der «Best of the World 2026»-Reiseziele ausgezeichnet wurde, besticht durch eine einzigartige Naturlandschaft. In Südostanatolien bieten die archäologischen Stätten von Taş Tepeler bedeutende Einblicke in die Frühgeschichte der Menschheit. In Verbindung mit einer starken Tradition der Gastfreundschaft und einer vielfältigen kulinarischen Kultur bietet die Türkei ein Reiseerlebnis, das weit über die bekanntesten Reiseziele hinausgeht.

Wie hat sich der anhaltende Konflikt im Nahen Osten auf den türkischen Tourismussektor in Bezug auf Buchungen, Ankünfte und die allgemeine Marktnachfrage ausgewirkt? Konnten Sie dabei signifikante Verschiebungen in wichtigen Quellmärkten feststellen?

Da die Türkei nicht direkt in regionale Konflikte verwickelt ist, läuft der Tourismusbetrieb im ganzen Land unter normalen Bedingungen weiterhin reibungslos, gestützt auf unsere gut ausgebauten und ununterbrochenen Flugverbindungen, eine breit gefächerte Besucherschaft und ein vielfältiges touristisches Angebot. Obwohl globale Faktoren wie steigende Betriebskosten den Tourismussektor beeinträchtigen können, behalten wir dank unserer umfassenden internationalen Werbekampagnen und unserer strategischen Marktbearbeitung weiterhin eine starke Dynamik im Tourismus bei. Gäste, die mit der geografischen Lage und dem regionalen Kontext der Türkeu vertraut sind, halten weiterhin an ihrem Interesse und ihren Reiseplänen für unser Land fest und tragen so zur allgemeinen Tourismusleistung bei. Darüber hinaus ermutigen wir Reiseveranstalter, Online-Reisebüros und Buchungspartner, auch für die Saison 2026 weiterhin für die Türkei zu werben.

Welche Massnahmen hat die Türkiye Tourism Promotion and Development Agency als Reaktion auf diese Entwicklungen ergriffen, um mögliche Auswirkungen abzufedern? Haben Sie strategische Anpassungen vorgenommen, gezielte Promotionskampagnen gestartet oder Ihre Investitionen – insbesondere im Schweizer Markt – verstärkt, um die Nachfrage aufrechtzuerhalten?

Wir sind uns bewusst, dass der Tourismus zu den Branchen gehört, die potenziellen Risiken besonders ausgesetzt sind. Vor diesem Hintergrund haben wir ein starkes und widerstandsfähiges Tourismusmodell für unser Land entwickelt – eines, das geopolitischen, wirtschaftlichen, gesundheitlichen und ökologischen Turbulenzen standhalten kann. Dieses Modell basiert auf einer Strategie, deren Schwerpunkt auf der Diversifizierung der Quellmärkte, der Tourismusprodukte und der geografischen Verteilung liegt. Dank dieses Ansatzes kann sich die Türkei an regionale Veränderungen anpassen – seien sie natürlicher, geopolitischer oder wirtschaftlicher Art – und gleichzeitig weiterhin positive Wachstumstrends verzeichnen. Die Rekordzahlen im Tourismusbereich unseres Landes im Jahr 2025 spiegeln diese Anpassungsfähigkeit wider. Auf dieser Dynamik aufbauend sind wir zuversichtlich, unser Ziel von 68 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 zu erreichen. Um dies zu erreichen, optimieren wir kontinuierlich unsere Planung und Abläufe und beobachten die weltweiten Entwicklungen genau, um potenzielle Risiken zu minimieren.

(TN)