Here & There
Coole City-Strände vor der Haustür
Christian HaasAuch wenn im Hintergrund statt Meereswellen der Feierabendverkehr rauscht: Die seit Jahren boomenden Stadtstrände und Beachclubs mitten in der City sorgen für Urlaubsstimmung im Alltag. Von Hamburg über Köln bis München und von Basel bis Wien stehen die jährlich neu aufgeschütteten Sandstrände längst im Rang von Top-Attraktionen – bei Touristen, aber vor allem bei den Einheimischen.
Also: Wenn sich schönes Wetter ankündigt, unbedingt Sonnencreme, Badehandtuch und Bikini zur Uni oder Arbeit mitnehmen, denn danach geht es direkt an den Fluss oder wo immer das Gelände sich sonst befindet – in Stuttgart und Köln etwa haben die Betreiber des «Sky Beach» tonnenweise Sand auf Hochhausterrassen gekippt. In Frankfurt hat sich der «City Beach Frankfurt» auf dem Dach des Börse-Parkhauses zu einer festen Institution entwickelt.
Sie alle locken ans Wasser
Neben den grossen Städten ist der Trend, der in den 2000er-Jahren in Paris begann, auch in mittelgrossen Städten angekommen: Braunschweig, Mainz, Wiesbaden, Würzburg, Schweinfurt, Oldenburg und Essen sowie in Linz und Graz, um nur einige zu nennen – sie alle locken ans Wasser.
Hannover ist auch dabei. Der Name des Citystrandes «Strandleben» (www.spandauprojekt.de/strandleben), der 2025 sein 20-Jähriges feierte, ist zugleich sein Motto. Auch wenn der Sand künstlich ist, die Atmosphäre ist natürlich. Erst recht, wenn die Sonne abends romantisch im Fluss versinkt. Dank Wasserlage, Booten und Möwengeschrei entwickelt sich da automatisch eine entspannte Kulisse. Nicht ohne Grund zieht es besonders das hippe Szenevolk aus Linden und der Nordstadt in die Liegestühle auf die Fährmannsinsel zwischen Leine und Ihme. Besonders gefragt: der SUP-Verleih.
Dom, Palmen, Sandstrand – so heisst die sommerliche Kölner Dreifaltigkeit des «km 689 Cologne Beach Club» (www.km689.de). Direkt gegenüber von Deutschlands meistbesuchtem Gotteshaus werden auch in diesem Jahr wieder 1000 Tonnen Sand aufgeschüttet – und an der Bar frisch gezapfte Kölsch ausgeschenkt. Der künstliche Strand neben den Rheinterrassen war der erste Stadtstrand im Land und gilt noch immer als der attraktivste. An schönen Sommertagen strömen über 2000 Entspannungswillige auf das Gelände, an besonders heissen sind es nochmal deutlich mehr. Kein Wunder, versprechen doch die Lage am Fluss und die Aussicht auf Kaltgetränke eine schnell erreichbare Abkühlung.
Beach-Hotspot Berlin
Die meisten urbanen Beachlocations finden sich jedoch – wen wundert’s? – in Berlin, wo das Kulturnetzwerk Clubcommission allein über 20 Strandbars listet. Der «Capital Beach» (bergmannevent.de/capitalbeach) lockt mit Liegestühlen, Strandkörben und einer Open-Air-Tanzfläche direkt an der Spree, superzentral zwischen Hauptbahnhof und Reichstag gelegen.
Eine Berliner Weisse mit Schuss (also Bier mit Himbeer-, Erdbeer- oder Waldmeistersirup) lässt sich auch vorzüglich in einem Liegestuhl im «Gestrandet» (www.instagram.com/gestrandet.jannowitzbruecke) am S-Bahnhof Jannowitzbrücke geniessen – Spree-Dampfer im Blick, Sand zwischen den Zehen, Live-Musik im Ohr.
Der «BeachMitte» (beachmitte.de) ist die grösste saisonale Oase in der Millionenstadt. Überall finden sich lauschige Sitz- und Lümmelecken, in denen man die Füsse in den Sand stecken kann, dazu jede Menge Bars und Foodtheken. Was hier ebenfalls gross geschrieben wird, ist der Sport. Neben Padel-Courts und Adventure Golf lockt hier mit 50 Feldern Europas grösste innerstädtische Beachvolleyballanlage.
Eine einmalige Adresse stellt übrigens das «Badeschiff Treptow» (www.arena.berlin/veranstaltungsort/badeschiff) dar. Hier können Relaxwillige im warmen Sand oder auf dem Badesteg liegen, in der Hängematte oder im Liegestuhl schaukeln, genüsslich einen Cocktail schlürfen und dabei der gemächlich dahinfliessenden Spree zusehen. Das Beste: In dem zu einem Swimmingpool umgebauten Tanker mitten im Fluss kann man baden. Ein DJ liefert den passenden Sound, die Oberbaumbrücke und der Fernsehturm stellen die fast schon kitschige Kulisse.
Beachclubs gibt es auch in Hamburg mehrere, wobei es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Umzügen kam (offenbar typisch für die Szene, siehe auch München, wo der legendäre «Kulturstrand», kulturstrand.org, immer wieder umzieht, 2026 logiert er wie im Vorjahr wieder am Vater-Rhein-Brunnen gegenüber dem Deutschen Museum).
Mittlerweile fest verankert im Beachprogramm ist das «Sonnendeck St. Pauli» (www.sonnendeck-stpauli.de) an den Landungsbrücken, ganz in der Nähe der «Strandperle» (www.strandperle-hamburg.de) und des «StrandPauli» (www.strandpauli.de), der zwischen Fischmarkt und Landungsbrücken liegt. Landen können dort auch diejenigen, die berauscht von leckeren Cocktails auf der Tanzfläche die Hüften kreisen lassen – jeden Dienstag zu Tango- und Salsaklängen.
Welche Adressen sollte man noch kennen? In Frankfurt den über 5600 Quadratmeter grossen «Gibson Beach Club» (gibson-club.de/beach-club) mitten im Bankenviertel, und in Dresden den «City Beach» (www.citybeachdresden.de). Dank legererem Ambiente lässt es sich da problemlos den ganzen Tag aushalten, dafür sorgen XL-Liegen, Tresen, ein Pool und insgesamt elf Beachvolleyballfelder. Dort werden regelmässig Turniere ausgetragen, bei denen es heiss hergeht. Wer statt Sport-Action lieber entspannen will, nimmt bei den Citybeach-Yoga-Kursen teil.
Wien, Zürich, Basel
Richtig gute Citybeachgefühle kommen indessen auch in Wien auf. Am Wiener Donaukanal erstreckt sich auf 6000 Quadratmetern gar eine der besten Strandlandschaften Europas: feinster Sand, Palmen, Wasseranlagen und zahlreiche Bars sorgen für Strandfeeling pur. Das Motto des beeindruckend grossen und zugleich gechillten «City Beach» (www.city-beach.at): Sunshine even on a cloudy day!
In der Schweiz gibt es indessen vergleichsweise wenige klassische Stadtstrände mit aufgeschüttetem Sand, vielmehr dominieren hochwertige Fluss- und Seebäder mit Bars, Liegeflächen und teils Beachvolleyball, die ein natürlicheres «Urban-Beach»-Gefühl bieten.
So prägen in Zürich Orte wie die «Badi Oberer Letten» oder das Züriseeufer die Szene – sehr belebt, gut ausgebaut und mit starkem Sommer- und Ausgehflair.
In Basel wiederum spielt das Rheinufer eine zentrale Rolle. Hier stehen das Baden im Fluss und entspannte Uferbars im Vordergrund. Beim Floss-Festival im August (2026: 4.–22. August) lautet die Devise: «Kein Eintritt, kein Zaun, keine Zugangskontrolle, stattdessen Musik und Fluss-Kultur für alle». So beschreibt Tino Krattiger das «Floss Festival» (https://floss.ch), das er seit der Gründung im Jahr 2000 leitet. «Jeder, der will, kann vorbeischauen und sich auf die Steinstufen am Rhein setzen, am Geländer stehen oder weitergehen. Es herrscht das Prinzip des Strassentheaters.»
Wobei die Bühne eine besondere ist, finden doch die allabendlichen, rund eineinhalbstündigen Konzerte auf einem mit Segeln ausgestatteten Gross-Floss statt, das 20 Meter vom Kleinbasler Ufer entfernt vertäut liegt. Professionelle Live-Musik mitten im Fluss – in Mitteleuropa einmalig.