Here & There
Kletterwand statt Captain’s Dinner
Das Klischee vom starren Captain’s Dinner und festen Sitzordnungen hat endgültig ausgedient. Die moderne Kreuzfahrt präsentiert sich heute als flexible Erlebniswelt, in der Jeans zum Abendessen ebenso akzeptiert sind wie das Workout im High-End-Fitnessbereich.
Doch wer glaubt, dass nun alle dasselbe wollen, irrt. Eine Analyse basierend auf den Buchungsdaten von Dertour Suisse zeigt eine deutliche Kluft zwischen den Altersgruppen auf – vor allem in Sachen Budget, Dauer und Action-Faktor.
Die Boomer: Zeit, Geld und die Lust am Entdecken
Die Babyboomer (Jahrgänge 1946–1964) sind und bleiben das Rückgrat der Branche. Mit einem Anteil von 44,5 Prozent aller Buchungen stellen sie fast die Hälfte der Gäste. Ihr Reiseverhalten ist geprägt von Musse und Kaufkraft. Eine durchschnittliche Cruise dauer 14 Tage, doppelt so lang wie bei der Gen Z.
Gefragt ist das Besondere. Expeditionen in die Antarktis oder Weltreisen stehen hoch im Kurs. Kleine Schiffe oder Flussreisen bedienen den Wunsch nach Exklusivität und enger Betreuung.
Gen X und Millennials: Stil vor Spektakel
Dazwischen bewegen sich die Generation X (1965–1979) und die Millennials (1980–1995). Während die Gen X zwar über das nötige Budget, aber oft nicht über unbegrenzte Ferienzeit verfügt, setzt sie auf Boutique-Schiffe. Das Motto: Design und Stil statt Massenanimation.
Millennials hingegen betrachten das Schiff als unkomplizierte Basisstation. Für sie zählt das Gesamtpaket aus Freiheit und Vielfalt. Ob Karibik oder Nordeuropa – wichtig ist die Flexibilität, das Spa oder den Landausflug spontan per App zu buchen.
Gen Z: Kurztrip mit Adrenalin-Garantie
Am anderen Ende des Spektrums steht die Generation Z (1995–2010). Mit einem Buchungsanteil von derzeit 3,5 Prozent ist sie zwar noch eine Nische, zeigt aber, wohin der Trend geht. Ihr Zugang zur Kreuzfahrt ist ein völlig anderer.
Die Gen Z reist im Schnitt nur 7 Tage und gibt rund 74 Prozent weniger aus als die Boomer-Generation. Statt Eisbergen suchen sie Kletterwände, Shows und Eventformate. Reedereien wie Royal Caribbean oder MSC punkten hier als «Erlebniswelten auf dem Wasser». Beliebt sind vor allem Mini- oder Schnupperkreuzfahrten ab deutschen Häfen oder im Mittelmeer.
Ein Markt, zwei Welten
Interessant bleibt der Blick auf die Sprachregionen: Während die Deutschschweizer den Markt dominieren, entscheidet in der Romandie oft die Bordsprache. Französische Betreuung ist hier das Zünglein an der Waage.
Gemäss Dertour Suisse haben die Reedereien den Spagat geschafft. Sie bieten heute für jede Lebensphase das passende Deck – vom ruhigen Beobachtungsposten am Nordkap bis zur pulsierenden Partyzone im Mittelmeer. Das Schiff ist nicht mehr nur Transportmittel, sondern eine eigenständige Destination geworden, die sich dem Rhythmus ihrer Gäste anpasst.