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«Städtetrips nach Dubai werden zu einem City-Break in Marrakesch»
Marilin LeuthardPulsierende Souks, eine Atmosphäre wie in Tausendundeiner Nacht und ganz viel Wüstenmagie: Marokko ist eine intensive Mischung aus uralter Kultur und beeindruckenden Landschaften. In den vergangenen Jahren erlebte das nordafrikanische Land einen regelrechten Hype.
2025 verzeichnete das Tourismusministerium mit 19,8 Millionen Touristen einen neuen Besucherrekord und ein Plus von 14 Prozent gegenüber 2024. Bis zur Fussball-Weltmeisterschaft 2030, die in Marokko, Spanien und Portugal stattfinden wird, will das Land die Marke von 26 Millionen Touristen knacken.
In Marokko verschmelzen arabische, berberische, afrikanische und europäische Einflüsse zu einer facettenreichen Kultur. Die bekannte Gastfreundschaft, ein ganzjährig angenehmes Klima, besonders im Schweizer Winter, und die als sicher geltende Umgebung machen Marokko zu einem besonders interessanten Ziel für Schweizer Reisende.
Doch welche Auswirkungen hat der Iran-Krieg? Wird Marokko als arabisches Land nun ebenfalls gemieden? Oder im Gegenteil? Kann das Land sogar profitieren, weil Reisende sich von den Golfländern abwenden?
Travelnews hat bei Marokko-Profis nachgefragt, wie sich die Destination entwickelt hat, wie sich der Krieg im Nahen Osten auf die Buchungszahlen auswirkt und wie die Kapazitäten für das laufende Jahr aussehen.
Der Marokko-Trend hält an
«Wir sind auf gutem Weg, dass es zu einem unserer besten Jahre für Marokko wird», sagt Manuela Modena-Zahnd, Marokko-Spezialistin von Let's go Tours. Der Marokko-Trend hält an, auch in der jetzigen Situation. Die Nachfrage nach Marokko-Ferien habe sich in den vergangenen Monaten sehr erfreulich entwickelt, so Dertour-Sprecherin Sara Vidal auf Anfrage. Der grösste Schweizer Reiseveranstalter verzeichnet seit Anfang des Jahres ein zweistelliges Buchungsplus im Vergleich zum Vorjahr.
Zudem würden immer mehr Reisende direkt buchen, wie Monika Grunder, Geschäftsführerin des Marokko-Spezialisten Tombouctour, feststellt. «Gewisse Riadhotels sind für bestimmte Daten im Herbst bereits komplett ausgebucht. Das ist ein wichtiger Indikator.»
Die Schweizer Ferienfluggesellschaft Edelweiss verzeichnet im laufenden Jahr eine 10 bis 20 Prozent höhere Auslastung auf den Flügen nach Marrakesch und Agadir als noch im Vorjahr. «Die Nachfrage nach Reisen nach Marokko entwickelt sich seit mehreren Monaten sehr positiv. Sowohl kurzfristige Buchungen als auch Vorausbuchungen zeigen eine klare Aufwärtsdynamik», erklärt Andreas Marti, Mediensprecher von Edelweiss.
Alle Befragten sind sich einig: Das Buchungsverhalten hat sich seit dem Ausbruch des Krieges im Nahen Osten verändert. Auch zugunsten von Marokko. «Reisen in den Oman werden nun zu Marokko-Reisen, Städtetrips nach Dubai werden zu einem City-Break in Marrakesch», hält Monika Grunder von Tombouctour fest.
Solche Alternativ-Buchungen bestätigt auch Let's go Tours. Bei Detour hingegen zeichnet sich seit Kriegsbeginn eine verstärkte Nachfrage nach Destinationen im westlichen Mittelmeer sowie nach diversen Langstrecken-Destinationen wie der Dominikanische Republik oder Mauritius ab.
Ausbau der Flugverbindungen
Die steigende Beliebtheit des nordafrikanischen Landes unterstreichen auch die zahlreichen Direktflüge ab den drei grossen Flughäfen Zürich, Genf und Basel. Im kommenden September nimmt die Schweizer Airline Chair ebenfalls einen Direktflug von Zürich nach Marrakesch in den Flugplan auf. «Die zusätzliche Verbindung stärkt die touristische Erreichbarkeit Marokkos und macht das Reiseziel für Schweizer Gäste noch attraktiver», hält Dertour Suisse fest.
Damit macht Chair dem Ferienflieger Edelweiss Konkurrenz, der ebenfalls von Zürich nach Marrakesch fliegt. Zurzeit sind die Flüge von Chair teilweise noch halb so teuer wie bei der Edelweiss. Ob dies auch in Zukunft so bleibt, wird sich zeigen.
Seitens Reiseveranstalter wäre eine generelle Preissenkung auf dieser Strecke willkommen. Let's go Tours ist sich sicher, dass sich die zusätzliche Flugverbindung ab Zürich positiv auf die Preise auswirken wird. Wobei es neben den Direktflügen auch attraktive Umsteige-Verbindungen mit anderen Fluggesellschaften gebe.
«Gerade für die kostenbewussten Reisenden ist Chair eine tolle Alternative», so Monika Grunder. Es gebe aber immer Kunden, die nur mit der Swiss oder der Edelweiss fliegen möchten und bereit seien, ihren Reiseplan anzupassen und mehr Geld dafür zu zahlen.
Bei der Edelweiss sind aktuell keine Kapazitätserweiterungen geplant. «Wir beobachten die Entwicklung sehr genau, prüfen laufend Marktchancen und passen unser Angebot kontinuierlich an die Nachfrageentwicklung an», so Marti.
Kapazitäten für Marokko gibt es bei den Reiseveranstaltern für das laufende Jahr noch genügend. Die Auswahl an Flugverbindungen, Unterkünften und Rundreisen ist gross. Auch kurzfristig für März oder April gibt es noch vielfältige Optionen.
Marokko bleibt also auch in der aktuellen Weltlage eine gefragte Reisedestination und stellt eine attraktive Alternative zu Zielen wie Oman oder Dubai dar. Dank der guten Erreichbarkeit, wachsender Flugkapazitäten und einem vielfältigen Angebot dürften die Chancen gut stehen, dass das Land seine ambitionierten touristischen Ziele erreicht.