Here & There

Vor dem imposanten Eingang zum Grand Egyptian Museum. Alle Bilder: Daniel Tschudy

Ägyptens Milliarden-Bau für die Ewigkeit

Daniel Tschudy

Das Grand Egyptian Museum (GEM) wurde 1993 angedacht, 2002 ausgeschrieben, 2009 angefangen und im November 2025 endlich und festlich eröffnet.

Louvre, Metropolitan und British Museum: mitten in diese Illustre Liste von spektakulären Weltmuseen reiht sich nun das Grand Egyptian Museum ein. Das GEM, in Gizeh ausserhalb Kairos, offeriert den Besuchenden einen dreidimensionalen Einblick in die 7000-jährige Geschichte Ägyptens.

Im Gegensatz zu den erwähnten Museen der westlichen Welt, stellt das GEM ausschliesslich seine eigene Zivilisation und Historie vor. Präsentiert wird ganz einfach die weltweit grösste Sammlung altägyptischer Kunst; mit immerhin fast 100'000 Objekten.

Sichtkontakt zu den Pyramiden

Das GEM wird von den grossen Hotels rund um den El-Tahrir Platz im Stadtzentrum Kairos, je nach Verkehrsaufkommen, in 30 und 45 Minuten Fahrzeit erreicht. Das erste Artefakt ist schon von weitem sichtbar: ein «hängender» Obelisk, der über dem riesigen Vorplatz des Museums thront. Einst König Ramses II. gewidmet, wurde er durch Archäologen wieder zusammengesetzt und dient jetzt als Beispiel dafür, wie das Grand Egyptian Museum Geschichte mit modernster Technik präsentiert.

Das GEM will sich bewusst nicht als Aufbewahrungsort der Vergangenheit zeigen, sondern auch als Ort der Innovation und des zeitgenössischen Designs. Das erkennt man auch in der monumentalen und gekühlten Eingangshalle, wo die Besucherinnen und Besucher unter anderem von einer 3200 Jahre alten Statue von Ramses II begrüsst werden. Diese kolossale Skulptur aus rotem Granit wiegt nicht weniger als 83 Tonnen.

Die Statue von Ramses II in der Eingangshalle wiegt 83 Tonnen.

Über die «Grand Staircase», eine 180 Meter lange Treppe – quasi garniert mit 60 Statuen –, erreicht man den obersten Stock der Ausstellung und wird dort zuerst einmal mit einer bewegenden Aussicht zu den Pyramiden beschenkt.

Blick aus dem GEM zu den drei Kilometer entfernten Pyramiden.

Diese liegen in knapp drei Kilometern Distanz südwestlich des Museums. Die Betreiber bauen derzeit an einem direkten Fussweg vom Museum zum Visitors Center der Pyramiden. Im Moment nutzen Einzelreisende noch eine kurze Taxi- oder Uber-Fahrt.

Faszinierende Museumsgeschichte

Ägypten-Kenner erinnern sich an das erste Ägyptische Museum am Tahrir-Platz; ursprünglich im Jahre 1900 mit rund 5000 Exponaten eröffnet. Diese Sammlung wuchs laufend und irgendwann besass man über 150'000 Elemente, die man weder lagern, geschweige denn angemessen ausstellen konnte.

Erste Ideen für ein komplementierendes Gebäude in der Nähe der Pyramiden gab es schon in den 1960er-Jahren. Jedoch zeigte erst 1993 eine italienisch-ägyptische Machbarkeitsstudie auf, wie man das bestehende Nationalmuseum durch ein zweites in Gizeh ergänzen könnte. Anfangs 2002 wurde dann ein internationaler Architekturwettbewerb ausgeschrieben, für den 1557 Entwürfe aus 82 Ländern eingingen. Damit wurde es einer der weltweit grössten Architekturwettbewerbe der Geschichte. Gewonnen hat das irische Architektenbüro Heneghan Peng aus Dublin. 2002 legte der damalige ägyptische Präsident Mubarak einen symbolischen Grundstein.

Das kolossale Projekt verschlang nicht nur viel Geld – laut Aussage des ehemaligen Direktors Tawfik liegen die Gesamtkosten bei einer Milliarde US-Dollar – sondern auch viel Planungs-, Analyse-, Streit- und Bauzeit. Die Aushub begann 2009, aber die folgenden Revolutions- und Staatskrisen-Jahre 2011 bis 2014 verzögerten die Arbeiten laufend.

Den Auftrag für die Ausstellungsgestaltung und Szenographie wurde 2016 dem Stuttgarter Büro Atelier Brückner erteilt. Die Statue von Ramses II musste wegen ihrer Grösse bereits zu Beginn der Bauarbeiten, 2018, aufgestellt werden. Auch ein Feuer im gleichen Jahr schreckte auf, beschädigte glücklicherweise bereits anwesende Artefakte nicht. Ab 2023 gab es zeitweise limitierte Öffnungszeiten; die Regierung gab dann «2024» als offizielles Eröffnungsjahr bekannt. Letztlich wurde das Museum dann am 1. November 2025 feierlich eröffnet. Und was für ein fantastischer Show-Case es wurde: ein Milliardenbau für vergangene Kulturen und zukünftige Generationen.

Totenmaske des Tutanchamun

Diese Reportage kann auf die x-tausenden Elemente der Ausstellung nicht eingehen; für Hintergrund und Erklärungen muss sich jeder Interessierte selbst einlesen. Aber ein Objekt fordert geradezu, prominent vorgestellt zu werden: Nachdem es 3000 Jahre lang begraben war, entdeckte der britischer Ägyptologe Howard Carter 1922 im Tal der Könige die goldene Totenmaske des altägyptischen Pharaos Tutanchamun.

Die berühmte goldene Totenmaske des Pharaos Tutanchamun zählt zu den wichtigsten Highlights des Grand Egyptian Museum.

In einem dunklen Raum im GEM wird das fabulöse Exponat geradezu zelebriert; der einzige Ort im Museum, wo man sich einreihen muss und vom Sicherheitsdienst mit Argusaugen begleitet wird. Es ist wie ein Tanz um das goldene Kalb – oder eben, in diesem, die goldene Totenmaske. Täglich gehen wohl abertausende von Pixs auf die globalen Sozialen Medienkanäle.

Das Grand Egyptian Museum ist heute ein zentrales Element Ägyptens, nicht nur für den Tourismus, sondern eben auch für die eigene Identität. Man verstand es, die antike Geschichte mit moderner Infrastruktur, Technologie, Klang, Beleuchtung und Informationen zu präsentieren.

Eine der modern ausgerüsteten Galerien.

Barrierefreiheit ist auch gewährleistet; zudem gibt es eine Kinderausstellung, dazu Souvenirgeschäfte, Restaurants und Konferenzräume. Im Eintrittspreis Inbegriffen ist auch der Zutritt zum Khufu Boat Museum (gleich hinter dem GEM).

Weitere Infos: www.gem.eg