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Nach dem Schnorchelausflug zurück an den Puderzuckerstrand des Matemwe Attitude – das neue Villen-Hotel im Norden von Sansibar ist seit dem 4. November 2025 geöffnet. Bilder: TN

Die neue Hotelperle von Sansibar

Gregor Waser

Unter den Viersterne-Häusern von Sansibar avanciert das neue Matemwe Attitude, ein Adults-only Villenhotel, zur ersten Adresse und überzeugt mit einem nachhaltigen Konzept. Travelnews hat Sansibar besucht und das Management der Hotelkollektion aus Mauritius zur Expansion befragt.

Spätestens am zweiten Tag im neuen Matemwe Attitude Hotel auf Sansibar sind die ersten Wörter in Swahili, der Sprache Tansanias, geläufig: Jambo (Hallo), Karibu (Willkommen), Asante Sana (Vielen Dank), Pole Pole (langsam). Kein Wunder: die einheimischen Angestellten des neu eröffneten Viersterne-Hotels sind überaus herzlich und kommunikativ.

Am 4. November 2025 eröffnete das Matemwe Attitude. Die 2007 in Mauritius gegründete, familiengeführte Hotelkollektion mit bisher acht Häusern hat mit dem neuen Villen-Hotel Matemwe Attitude nun ein erstes Hotel ausserhalb von Mauritius eröffnet. Nach einem rund einstündigen Transfer im Minibus vom Flughafen in den Nordosten der Insel über ziemlich holprige Strässchen stehen wir in diesem neuen Refugium: die Lobby, Restaurants und Pools sind verspielt angelegt, die grosszügigen 74 Villen verfügen allesamt über einen eigenen Pool oder einen gemeinsamen Swim-up-Pool.

Jedes Jahr laden die Attitude Hotels rund 25 Touroperators aus ganz Europa und vereinzelte Journalisten zum viertägigen «Like a Local»-Treffen. «Wir wollten wegkommen von den traditionellen Studienreisen aus einzelnen Ländern», erklärt Attitude Marketing-Chefin Clémentine Katz, «diese internationale Form gepaart als Workshop gemeinsam mit dem Attitude-Salesteam hat sich bewährt, bringt uns wichtiges Feedback und den Touroperators Eindrücke und Infos aus erster Hand».

Wie die Einheimischen

«Like a local» lautet die Devise von Attitude Hotels. «Unsere Mission ist es, nachhaltige Erlebnisse zu schaffen, die in der Region verwurzelt sind und durch Begegnungen bereichert werden. Ferienaufenthalte, die denen guttun, die sie erleben und denen, die sie ermöglichen», beschreibt Vincent Desvaux de Marigny die DNA der Attitude Hotels. Seit 18 Jahren ist er prägend mit an Bord der Hotelkollektion, seit zwei Jahren als CEO.

«Wir haben über die Jahre unser nachhaltiges Konzept, eng verwoben mit der lokalen Bevölkerung und Kultur, weiter entwickelt und expandieren nun erstmals in ein weiteres Land ausserhalb von Mauritius». Neudeutsch heisst dies wohl: Attitude ist nicht Shareholder- sondern Stakeholder-driven, die Anspruchsgruppen geben den Ton an und nicht gewinnorientierte Investoren.

Mit Tansania hat Attitude eine vorzügliche Wahl getroffen. Denn die Herzlichkeit der Leute hier ist echt und animierend. Gleichzeitig konnten praktisch alle Materialien für das Boutique-Hotel lokal angeschafft werden, wenngleich der Eröffnungstermin Kopfzerbrechen verursachte. Schliesslich kam es nach den Wahlen vom 29. Oktober zu landesweiten Protesten mit vielen Opfern, einem mehrtägigen Internetunterbruch und einem Stopp der Lieferkette. Die letzten Vorhänge wurden kurzfristig mit einem Segelschiff auf die Insel transportiert, schildert die Attitude-Crew beim Workshop mit den Touroperators.

Die 74 Villen widerspiegeln die Geschichte von Sansibar. Inspiriert von der Swahili-Kultur wurde jede Villa mit lokalem Know-how gestaltet, etwa farbenfrohe Buntglasfenster und Makuti-Dächer, die aus Kokosnussstroh gewebt wurden. Der von lokalen Handwerkern handgegossene Terrazzo hält den Innenraum kühl, während die Möbel aus heimischen Materialien bestehen.

Noch wird in diesen Tagen der Buffetbereich im Restaurant Chakula erweitert. Ebenso benötigt die Begrünung der Anlage noch einige Monate und wohl den Regen vom kommenden April und Mai. Insgesamt überzeugt die grosszügig angelegte Anlage aber jetzt schon, sie strahlt eine grosse Ruhe aus und einen traumhaften Blick von den Restaurants und Bars auf die vorgelagerte Insel Mnemba und die zahlreichen Fischer in der Lagune.

Start mit Demut

Im Gespräch zeigt sich Vincent Desvaux de Marigny äusserst erleichtert, dass die ersten Wochen des Resorts so gut angelaufen sind, die Abläufe im Matemwe Attitude funktionieren und das Feedback der internationalen Touroperators, die hier vier Tage verbringen, ist gut. Dass auch die ersten Gäste-Feedbacks auf den Online-Plattformen positiv ausfallen, sei für einen guten Start nicht unerheblich.

Wie einfach es denn sei, will Travelnews wissen, ein Konzept das in Mauritius funktioniert, auf ein neues Land anzuwenden? «Wir sind demütig nach Sansibar gekommen und starten bei Null. Wir müssen erst in der lokalen Gemeinschaft, in den Dörfern verankert sein, die lokale Kultur einbeziehen», sinniert der Attitude-CEO. «Aber wir können auf unsere Erfahrung und ein sehr engagiertes Team zählen».

Und dann beschreibt er die drei Säulen, auf denen die Attitude-Philosophie aufgebaut ist und die auch in Sansibar zum Erfolg führen sollen:

  • Menschen zuerst: «Sie sind das Herz und die Seele unserer Gruppe. Wir unterstützen sie bei Schulung und Karriereentwicklung, Gesundheitschecks, Sachleistungen und Gewinnbeteiligung. Hinzu kommt der Respekt vor der Vielfalt aller».
  • Sinn für Lokales: «Vom Teller bis zum Dekor arbeiten wir, soweit möglich, mit lokalen Handwerkern und Lieferanten zusammen. Dadurch unterstützen wir die heimische Wirtschaft, setzen auf regionale Zutaten und gewährleisten die Rückverfolgbarkeit der Produkte».
  • Nachhaltige Art und Weise: «Wir achten bei allem, was wir tun und anbieten, auf den Schutz der lokalen Umwelt.»

Als Gast im Matemwe Attitude ist schon bald festzustellen: die Uhren ticken hier langsamer, die relaxte Atmosphäre ist ansteckend und mit kleinen, feinen Details unterscheidet sich das Hotel zu anderen. Im Zimmer gibt es keine Fernsehgeräte, dafür eine Yogamatte und Fitnesshanteln. Einweg-Plastik gibt es in der ganzen Anlage nirgendwo. In der Minibar stehen zwei gläserne Wasserflaschen. Wer die Bar auffüllen mag, holt sich die Getränke oder Snacks im Shop, um keine Verschwendung zu verursachen.

Noch wird die Solaranlage fertiggestellt, der ausserhalb liegende Photovoltaik-Park wird bis Ende 2026 für eine 60- bis 70-prozentige Energieabdeckung sorgen. Und Sustainability Manager David Mbaga erklärt im Marine Discovery Centre die Unterwasserwelt und animiert Gäste, eine Tasche zu schnappen, um zwischendurch mal am Strand auf eine Plastiksammel-Tour zu gehen. Nicht von ungefähr hat Attitude Hotels im Juli 2024 die anspruchsvolle B-Corp-Zertifizierung erhalten.

Ein Konzept, das Schweizer Gästen gefällt

Im DACH-Raum vertritt Tina Leuthold die Attitude Hotels. X-mal hat sie schon Mauritius bereist und die Attitude-Formel selber erlebt. Vom erstmaligen Besuch auf Sansibar ist sie begeistert: «Die gute Laune hier ist ansteckend und nicht aufgesetzt. Die Leute arbeiten Hand in Hand, durchaus zackig, überhaupt nicht pole pole. In Sansibar ist es noch wichtiger als auf Mauritius, dass die Gelder, die hier reinkommen, auch hier bleiben.»

Bereits auf Mauritius verzeichnen die Attitude Hotels eine gute Nachfrage aus der Schweiz, «und ich bin sicher, dass die neue Anlage auf Sansibar auf Anklang treffen wird», sagt Tina Leuthold. Buchbar ist das Matemwe Attitude etwa bei Let's go Tours, Kuoni, Hotelplan oder TUI Suisse, vermehrt wolle sie künftig auch mit kleineren Afrika-Veranstaltern ins Gespräch kommen. «Gut für uns ist, dass Attitude Hotels bereits über ein gutes Standing verfügt und ein neues Haus sicherlich gut angenommen wird, wie auch die ersten Buchungen zeigen.»

Herausforderungen für Sansibar

So eindrücklich ein viertägiger Aufenthalt im Matemwe Attitude und auf Sansibar ist, einige Herausforderungen bleiben gross. Zwar war Sansibar von den Unruhen auf dem Festland Tansanias nach dem 29. Oktober nicht betroffen und von erhöhter Polizeipräsenz ist während unseres Aufenthalts nichts zu spüren

Wie ein Expat, der in Daressalam seit einigen Jahren lebt, Travelnews erzählt, habe es sehr viele Opfer auf dem Festland gegeben. Die Menschen hatten gegen den 98-Prozent-Wahlausgang und das Verbot gegen die Oppositionspartei protestiert. «Die Leute sind traurig und eingeschüchtert, viele kennen jemanden, der zum Opfer gefallen ist. Vom Flughafen in die Innenstadt von Daressalam wurde ich letzte Woche dreimal bei Strassenkontrollen angehalten», schildert der Expat.

Trotz der angespannten Situation in der Hauptstadt Tansanias ist die Reise für internationale Touristen nach Sansibar, wie auch in die National Parks Tansanias wie Serengeti problemlos möglich. Gleichwohl gilt es die weitere politische Entwicklung des Landes zu verfolgen (seit dem 6. November hat das EDA die Reisewarnung für Tansania wieder entschärft).

Kehrseite des Tourismusbooms

Eine zweite und die noch grössere Herausforderung für Sansibar ist der Tourismus-Boom. Denn in den nächsten drei Jahren sollen weitere 2500 Hotelzimmer auf der Insel hinzukommen.

Zwar wurde der Abeid Amani Karume International Airport auf Sansibar neulich erweitert. Doch jetzt schon ist die Insel am Anschlag. Unser Taxitransfer vom Hotel zurück zum Flughafen dauerte wegen Strassenschäden, Umleitungen und Staus auf den Nebenstrassen zwei statt eine Stunde. Sollten noch unzählige weitere Transferbusse für Touristen auf der Insel im Einsatz sein, droht ein Verkehrskollaps.

So löblich der Gästeeinsatz im Matemwe Attitude ist, mitzuhelfen, die schönen Strände vom Plastikmüll zu befreien – nach jeder Flut wird neuer Plastik an die Küste gespült. Dieses Problem lässt sich nicht über Nacht lösen. Ob der Plastik ursprünglich nur von Sansibar stammt, ist nicht eruierbar. Zumindest fehlt der wunderschönen Insel ein Entsorgungskonzept für Abfall und Plastikmüll, schaut man über die Strassenränder hinaus.

Eine weitere Herausforderung nennt uns angesichts der kommenden, neuen Hotels eine Product Managerin eines deutschen Reiseveranstalters: «Sansibar wird in zwei, drei Jahren mit grossen Überkapazitäten zu kämpfen haben».

Passende Formel für kommende Jahre

Im Gegensatz zu den 300-Zimmer-Hotels auf der Insel, die den Erfolg in der Masse suchen, befindet sich die Boutique-Kollektion von Attitude Hotels in der Nische des ruhigen, authentischen, behutsamen Tourismus. Vorerst nur für Erwachsene – ab 2028 aber auch für Familien.

Denn wie ein weiterer Ausflug in den Süden der Insel an einen einsamen Puderzuckerstrand zeigt, plant Attitude Hotels bereits ein zweites Resort. An der Michamvi Beach soll in den nächsten drei Jahren ein Villen-Hotel für Familien entstehen. Besonderer Pluspunkt hier: die Lage in einer Bucht mildert die Gezeitenunterschiede, der Strand ist stets sehr gut zugänglich und eignet sich auch für Kinder.

Unter Beobachtung hat die Attitude-Crew bereits weitere Ziele, etwa die Nachbarinsel Pemba. Und in einigen Jahren sollen auch zwei, drei Lodges in den Nationalparks von Tansania hinzukommen. Denn die Mehrheit von Tansania-Reisenden sucht die Kombination eines drei- bis fünftägigen Safari-Trips mit anschliessendem Badeferienaufenthalt an den Traumstränden von Sansibar.