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Jamaika arbeitet nach Hurrikan Melissa mit Hochdruck am Wiederaufbau. Zwei Drittel der Hotels empfangen wieder Gäste. Bild: Adobe Stock

Jamaika nach dem Jahrhundert-Sturm: Das müssen Reisende wissen

Reto Suter

Sieben Wochen nach Hurrikan Melissa stellt sich für viele Reisende die Frage: Wie steht es aktuell um Jamaika? Travelnews ordnet die Lage ein und gibt einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen zum Start der Hochsaison.

Vor wenigen Wochen verwandelte sich Jamaika innert Stunden von einer Postkartenidylle in ein Katastrophengebiet. Hurrikan Melissa fegte Ende Oktober 2025 mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 295 Kilometern pro Stunde über die Karibikinsel hinweg.

Es war einer der heftigsten Stürme im Atlantik seit Beginn der Messungen. Häuser stürzten ein, Bäume und Strommasten knickten um, Überschwemmungen und Erdrutsche hinterliessen tiefe Spuren. Ganze Ernten wurden zerstört, mindestens 45 Menschen verloren ihr Leben.

Auch der Tourismus, Jamaikas wirtschaftliches Rückgrat, wurde hart getroffen. Hotels und Strände erlitten Schäden, Strassen waren zeitweise unpassierbar, Flughäfen stellten den Betrieb ein. Für viele Feriengäste endeten die Traumferien abrupt: Gestrichene Flüge sorgten für unfreiwillige Verlängerungen, Geduld wurde zur wichtigsten Reisebegleiterin.

Doch kaum hatte sich der Sturm verzogen, begann der Wiederaufbau – und mit ihm der Kampf um Vertrauen. Tourismusminister Edmund Bartlett zeigte sich früh optimistisch und kündigte an, der Tourismussektor werde ab dem 15. Dezember 2025 wieder funktionieren und neu durchstarten. Heute ist genau dieser Tag. Zeit also für eine Standortbestimmung: Wie präsentiert sich Jamaika jetzt? Travelnews beantwortet die vier wichtigsten Fragen zur aktuellen Situation auf der Karibik-Insel.

Wie viele Hotels sind derzeit offen?

Jamaikas Tourismusdirektor Donovan White zeigte sich vergangene Woche vor 250 geladenen Reiseprofis zuversichtlich: Der Tourismus auf der Karibik-Insel erhole sich schneller als zunächst erwartet, sagte er. Laut White sind aktuell zwei Drittel der Hotelzimmer wieder bereit, Gäste zu empfangen. Bis Ende Januar soll dieser Anteil auf rund 80 Prozent steigen. Bei einem Teil der aktuell noch geschlossenen Unterkünfte handle es sich zudem um Hotels, die unabhängig von Hurrikan Melissa ohnehin geplante Renovations-Arbeiten durchführen. Aktuelle Informationen zu den Wiedereröffnungen ab Januar stellt das Jamaica Tourist Board online zur Verfügung.

Wie präsentiert sich die Situation an den Flughäfen?

Der Schweizer Ferienflieger Edelweiss hat die Frequenz seiner Jamaika-Verbindungen wie geplant erhöht. Ab sofort wird die Strecke nach Montego Bay via Puerto Plata zweimal wöchentlich bedient, jeweils montags und donnerstags. Gleichzeitig meldet das Jamaica Tourist Board Entwarnung: An den Flughäfen auf Jamaika bestehen keine Einschränkungen mehr, der Betrieb läuft wieder uneingeschränkt wie vor dem Hurrikan. Insgesamt stehen aus dem deutschsprachigen Raum vier wöchentliche Direkt-Verbindungen im Angebot: neben den Flügen von Edelweiss auch zwei Verbindungen von Condor.

Naturerlebnisse wie Wasserfälle sind für Reisende vielerorts wieder uneingeschränkt zugänglich. Bild: Adobe Stock

Müssen Reisende noch mit Einschränkungen rechnen?

In den wichtigsten Ferienregionen wie Port Antonio, Ocho Rios, Montego Bay und Negril sind die Hauptverkehrsachsen laut dem Jamaica Tourist Board vollständig wiederhergestellt, ebenso die Verbindungen nach Kingston. Auf einzelnen Nebenstrassen kann es vereinzelt noch zu Einschränkungen kommen. Diese betreffen den touristischen Verkehr jedoch kaum. Aktuelle Rückmeldungen aus dem Land fallen positiv aus: Ein ortsansässiger Inbound-Partner (Irie Travel and Tours), der vor allem deutsche Gäste betreut, berichtet von einer stabilen Lage. Mietwagenrundreisen werden bereits wieder über die gesamte Insel durchgeführt. Die Schäden durch den Hurrikan konzentrieren sich laut Einschätzung zu über 80 Prozent auf nicht touristische Gebiete. Badeverbote bestehen derzeit keine.

Gibt es Spezialaktionen, um Touristen anzulocken?

Um Gäste aus dem deutschsprachigen Raum gezielt anzusprechen, hat das Jamaica Tourist Board mehrere Marketingmassnahmen lanciert. Kürzlich fand eine Reise für Journalisten und Influencer statt, die es den Teilnehmenden ermöglichte, sich vor Ort ein aktuelles Bild der Lage zu machen und ihre Eindrücke direkt weiterzugeben. Parallel dazu laufen zusätzliche Kampagnen in Zusammenarbeit mit Airlines und Reiseveranstaltern. In der Schweiz setzt das Jamaica Tourist Board gemeinsam mit Edelweiss auf eine digitale Out-of-Home-Kampagne im Grossraum Zürich. In Deutschland und Österreich ist eine vergleichbare digitale Kampagne in Kooperation mit Condor noch bis Ende des Jahres aktiv. Ergänzend dazu besteht eine enge Zusammenarbeit mit TUI im gesamten deutschsprachigen Raum. Ziel all dieser Massnahmen ist es laut dem Jamaica Tourist Board, Vertrauen zu schaffen, aktuelle Informationen zu vermitteln und die Nachfrage für Reisen nach Jamaika nachhaltig zu anzukurbeln.