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Die Ruwanwelisaya ist eine Stupa in Sri Lanka, wurde 140 v. Chr. erbaut und gilt als heilig für viele Buddhisten auf der ganzen Welt. Bild: Adobe Stock

Eine Reise zu den ältesten Bauwerken der Welt

Von Peru über Malta bis in den Irak: Die ältesten Gebäude auf der Erde trotzen Wind und Wetter, erzählen Geschichten von längst vergangenen Kulturen und geben bis heute Rätsel auf. Wir stellen zehn dieser Bauwerke vor.

Ruwanwelisaya-Stupa in Anuradhapura, Sri Lanka

Der Ruwanwelisaya-Stupa in Anuradhapura, Sri Lanka, wurde um 140 v. Chr. von König Dutugemunu erbaut und ist seit über 2000 Jahren eine bedeutende Pilgerstätte. Die mehr als 90 Meter hohe weisse Kuppel mit heiligen Reliquien des Buddha beeindruckt durch ihre perfekte Halbkugel, umgeben von einer Elefantenmauer. Dank speziellem Kalkmörtel und Entwässerungssystem überstand der Bau zahllose Monsune und Erdbeben und zieht bis heute Gläubige aus aller Welt an.

Stupa von Sanchi in Sanchi, Indien

Im Auftrag von Kaiser Ashokas entstand um 300 v. Chr. in Sanchi der «Grosse Stupa», einer der frühesten und eindrucksvollsten Sakralbauten des Buddhismus. Sein speziell gearbeitetes Mauerwerk – geschaffen von Kunsthandwerkern aus Vidisha – fasziniert bis heute durch Präzision und Harmonie. «Die Verarbeitung ist so herausragend, dass es wirkt, als sei es von den Göttern und nicht von Menschen gemacht worden», schreibt der buddhistische Pilger Xuanzang, nachdem er das prächtige Monument im 7. Jahrhundert besichtigt hatte. Besucherinnen und Besucher erleben hier nicht nur ein architektonisches Meisterstück, sondern auch eines der beeindruckendsten antiken Monumente des Buddhismus.

Parthenon in Athen, Griechenland

Der Parthenon wurde zwischen 432 und 447 v. Chr. erbaut und prägt seit über 2500 Jahren das Stadtbild Athens. Trotz zahlreicher Zerstörungen, etwa durch Umbauten zur Kirche und Moschee oder eine Explosion 1687, beeindrucken seine Reste bis heute. Seine Architektur basiert nicht auf geraden Linien, sondern auf subtilen Kurven und optischen Täuschungen, die ein harmonisches Gesamtbild erzeugen. Diese Raffinesse machte den Tempel zu einem Vorbild für viele Bauwerke weltweit, darunter das Lincoln Memorial in Washington, D.C.

Zikkurat des Mondgottes Nanna in Ur, Irak

Die Zikkurat von Ur, erbaut um 2100 v. Chr., ist der älteste erhaltene Stufentempel Mesopotamiens. Sie diente nicht als Grabmal, sondern als religiöses Bauwerk, das Erde und Himmel symbolisch verband. Der monumentale Bau aus Lehmziegeln bestand aus drei Ebenen und überstand Jahrtausende harscher Wüstenbedingungen. Bei Ausgrabungen in den 1920er-Jahren entdeckte Sir Leonard Woolley in Ur prachtvolle Funde wie goldene Waffen, verzierte Instrumente und königlichen Schmuck. Die Zikkurat gilt als bedeutendes Zeugnis einer der frühesten städtischen Zivilisationen der Menschheit.

Djoser-Pyramide in Sakkara, Ägypten

Vor fast 4700 Jahren, zwischen 2667 und 2648 v. Chr., entstand in Sakkara, südlich von Kairo, die Stufenpyramide des Pharaos Djoser. Mit einer Höhe von etwa 60 Metern und ihren sechs Stufen gilt sie als erster monumentaler Steinbau der Menschheit und als Auftakt der ägyptischen Pyramidenarchitektur. Ihr Schöpfer war Imhotep, der erste namentlich bekannte Architekt der Geschichte, der das ursprüngliche Flachdachgrab schrittweise zu einer gewaltigen Stufenanlage erweiterte. Umgeben von einer Ringmauer erstreckt sich der Komplex über 16 Hektar mit Höfen, Schreinen und Säulengängen – ein Bauwerk, das den Weg für die späteren Pyramiden von Gizeh bereitete und die Architektur des Alten Ägypten nachhaltig prägte.

Caral, Peru

Die Ruinenstadt Caral in Peru entstand um 3000 v. Chr. und zählt zu den ältesten Städten der Welt. Die Siedlung im fruchtbaren Supe-Tal bestand aus monumentalen Pyramiden, grossen Plätzen und Wohnhäusern aus Stein und Lehm. Besonders beeindruckend sind die breiten Treppenanlagen, Terrassenbauten sowie der runde, versenkte Platz, die noch heute erhalten sind. Caral war das politische und religiöse Zentrum der frühen Norte-Chico-Kultur, die auf Handel, Organisation und rituellen Zeremonien beruhte. Die Ruinen zeigen, dass hier schon vor 5000 Jahren eine komplexe und friedliche Gesellschaft lebte.

Newgrange, Irland

Newgrange in Irland, erbaut ca. 3200 v. Chr., ist eine der ältesten Monumentalanlagen Europas und beeindruckt durch seine gewaltige, grasbewachsene Hügelstruktur und die kunstvoll verzierten Randsteine. Besonders berühmt ist das Grab für das Lichtphänomen zur Wintersonnenwende: Durch eine kleine Öffnung über dem Eingang fallen die Sonnenstrahlen exakt in den Gang und erleuchten für rund 17 Minuten die innere Kammer. Mit einem Alter von über 5000 Jahren ist Newgrange älter als Stonehenge und die ägyptischen Pyramiden und gilt als Meisterwerk neolithischer Baukunst.

Ġgantija-Tempel in Gozo, Malta

Die Ġgantija-Tempel von Malta wurden zwischen 3600 und 3200 v. Chr. errichtet und gehören zu den ältesten freistehenden Steintempeln der Welt. Die monumentalen Bauwerke bestehen aus gewaltigen Kalksteinblöcken, die bis zu mehrere Tonnen wiegen. Daher kommt auch der Name «Ġgantija», was riesig» bedeutet. Die Tempel wurden vermutlich für Fruchtbarkeitsrituale genutzt und belegen heute die erstaunlichen Baukünste einer prähistorischen Gesellschaft.

Cairn von Barnenez, Frankreich

Der Cairn von Barnenez in der Bretagne ist ein riesiger Grabhügel, der um 4700 v. Chr. errichtet wurde und über 70 Meter lang und bis zu neun Meter hoch ist. Er besteht aus nicht weniger als 13'000 Tonnen Stein. In seinem Inneren verbergen sich elf Ganggräber, die eindrucksvoll von der frühen Baukunst des europäischen Neolithikums zeugen – Jahrtausende bevor Stonehenge oder die ägyptischen Pyramiden entstanden.

Çatalhöyük, Türkei

Çatalhöyük in Anatolien zählt zu den ältesten bekannten Siedlungen der Welt. Die Menschen lebten dort ca. zwischen 7500 und 6000 v. Chr. in eng verbundenen Lehmziegelhäusern, die ohne Strassen gebaut waren. In die Häuser hinein gelangte man über Leitern durch Dachöffnungen. In den Gebäuden fanden Archäologen Wandmalereien, Figuren und sogar Bestattungen unter den Böden. Das zeigt, dass die Häuser nicht nur zum Wohnen dienten, sondern auch religiöse und rituelle Bedeutung hatten. Heute ist die Anlage Unesco-Weltkulturerbe und bietet einen einzigartigen Blick in den Ursprung städtischen Lebens.

(TN)