Future
Wie die Reisebranche den Draht zu ihren jungen Talenten finden will
Reto SuterEs ist eine Krux der Schweizer Reisebranche. Auf der einen Seite sind die etablierten Kräfte, häufig in Führungspositionen und mit einem Durchschnittsalter um die 60. Sie treffen sich gern, tauschen Erinnerungen aus, erzählen Anekdoten aus vergangenen Zeiten und sprechen über frühere Weggefährten, die vielleicht gerade nicht dabei sind.
Auf der anderen Seite stehen junge, ambitionierte Reiseprofis. Sie arbeiten mit viel Leidenschaft in der Branche und haben ihre ersten Karriereschritte bereits gemacht. Doch der Austausch zwischen den Generationen funktioniert mehr schlecht als recht. Die Älteren freuen sich, bekannte Gesichter wiederzusehen und bleiben oft unter sich. Die Jüngeren wiederum zögern, in die eingespielten Runden der Branchen-Urgesteine vorzudringen.
Skål geht in die Offensive
Genau diese Erfahrungen machten auch Carla Riss und Rina Sigrist von Meraki Travel. Im «Travel News Talk» erzählten sie, wie schwierig es für jüngere Branchenvertreter sein kann, bei Veranstaltungen mit vielen Führungskräften überhaupt ins Gespräch zu kommen. Wer noch kein bekanntes Gesicht in der Branche ist, bleibt in solchen Runden schnell einmal am Rand stehen.
Auch Andrea Beffa spricht offen über diese Problematik. Die Geschäftsführerin des Schweizer Reise-Verbands (SRV) rief auf der Mitgliederreise im vergangenen Herbst eine neue Plattform für jüngere Branchen-Cracks ins Leben. Im Podcast von Travelnews sagte sie unmissverständlich: «Für Junge ist es schwierig, in die etablierten Kreise vorzustossen.»
Diese Situation soll sich bessern. Seinen Teil dazu beitragen, will die Zürcher Sektion des Skål, einer Tourismusvereinigung mit weltweit zwischen 10'000 und 12'000 Mitgliedern. Der Zürcher Ableger zählt aktuell rund 80 Mitglieder und krankte lange am selben Problem wie die gesamte Branche.
Der Zusammenschluss der Reiseprofis galt als überaltert und für den Nachwuchs als wenig attraktiv. Jetzt schlägt der Skål International Zürich, wie die Community offiziell heisst, ein neues Kapitel auf – und hat die ersten wichtigen Schritte bereits gemacht.
Brücke zwischen den Generationen
Aushängeschild der Verjüngungskur ist die 31-jährige Sophie Renevey. Sie ist Geschäftsführerin von Travel Job Market, der renommiertesten Personalberatung der Schweizer Tourismusbranche. Vor einem Jahr wurde sie als Vertreterin des Young Skål in den Vorstand gewählt. Ihre Aufgabe: mehr junge Köpfe für die Vereinigung gewinnen. Auch wenn sie selbst die Alterslimite für diese Gruppe von 30 Jahren bereits überschritten hat.
«Sie ist die perfekte Person für dieses Vorhaben», sagt Dawa Sigrist. Der Präsident von Skål International Zürich steht der Vereinigung seit zehn Jahren vor und ist Inhaber der TCTT GmbH im Zürcher Seefeld. Renevey sei hervorragend vernetzt und bewege sich täglich mitten in der Branche. Das zeigt Wirkung. Seit die Chefin von Travel Job Market im Frühling 2025 losgelegt hat, sind bereits rund 15 neue Mitglieder aus den jüngeren Generationen zum Zürcher Skål gestossen.
Dabei geht es Renevey und Sigrist nicht nur darum, mehr Young-Skål-Mitglieder zu gewinnen. Ebenso wichtig ist es ihnen, Branchenprofis zwischen 30 und 45 Jahren für die Vereinigung zu begeistern. Sie sollen als Brückenbauer zwischen den Generationen wirken.
Renevey selbst hatte nie das Gefühl, keinen Zugang zu den etablierten Kreisen zu finden. «Das liegt wohl auch an meinem Beruf», sagt sie. In ihrer Rolle als Personalberaterin spricht sie regelmässig mit Entscheidungsträgern aus der Branche und bewegt sich auf allen Hierarchiestufen. «Eigentlich ist es für mich selbstverständlich, dass man sich auf Augenhöhe begegnet» so Renevey. «Gleichzeitig stelle ich immer wieder fest, dass das in der Realität oft nicht der Fall ist.»
Mehr Austausch am Tisch
Die Zürcher Skål-Sektion trifft sich in der Regel einmal im Monat zu einem gemeinsamen Lunch. «Gerade dort liegt es auch an uns Älteren, die Durchmischung aktiv zu fördern», sagt Präsident Dawa Sigrist. «Wir müssen auf die jüngeren Mitglieder zugehen und sie gezielt an die Tische der langjährigen Branchenprofis holen.»
Sigrist zeigt sich überzeugt, dass die Verjüngungs-Offensive diesmal nachhaltig Früchte trägt. «Wir haben während meiner Amtszeit schon zweimal versucht, mehr junge Mitglieder zu gewinnen», sagt er. Beide Anläufe seien jedoch versandet. «Jetzt haben wir die kritische Grösse bereits überschritten. Es sind nicht mehr nur eine Handvoll Junge – unser Verjüngungsprojekt hat richtig Fahrt aufgenommen.»
Auch Sophie Renevey spürt den Rückenwind. «Ich bekomme viel positives Feedback», sagt sie. Mehrmals seien Mitglieder beim Lunch auf sie zugekommen, um sich für ihr Engagement zu bedanken. «Das zeigt mir, dass wir auf dem richtigen Weg sind.» Wer beim Skål-Lunch einmal reinschnuppern möchte, ist übrigens willkommen: Ein erster Besuch ist kostenlos.
Danach gelten gestaffelte Mitgliederbeiträge. Studierende im Young Skål (unter 30 Jahren) bezahlen 45 Franken pro Jahr und 50 Franken pro Lunch. Für arbeitstätige Young-Skål-Mitglieder (U30) beträgt der Jahresbeitrag 75 Franken, der Lunch kostet 75 Franken. Mitglieder über 30 Jahre, die noch nicht pensioniert sind, zahlen 410 Franken pro Jahr, darin enthalten sind bereits drei Lunch-Gutscheine im Wert von je 75 Franken. Für alle neuen Mitglieder fällt zudem eine einmalige Eintrittsgebühr von 50 Franken an.
Damit es nicht beim monatlichen Mittagessen bleibt, baut Renevey das Angebot weiter aus. Sie lanciert eine neue Eventreihe am Abend. Premiere feiert diese am kommenden Montag (23. März 2026) mit einem Pingpong-Abend in der Zürcher Amboss Rampe. Zwar kommt die Initiative aus der jüngeren Generation. Eingeladen sind aber alle, die Lust auf einen lockeren Abend mit Gleichgesinnten haben. Geplant sind bis zu vier solcher Events pro Jahr.
Das zeigt: Beim Zürcher Skål ist spürbar Bewegung in die Generationenfrage gekommen. Ziel ist es, ein Netzwerk zu schaffen, in dem Erfahrung und frische Ideen gleichermassen Platz haben. Wenn es gelingt, Jung und Alt stärker zusammenzubringen, könnte daraus ein neues Erfolgsmodell für die gesamte Branche entstehen.
Kontakt:
sophie.renevey@tjm.ch / dawa.sigrist@tctt.ch