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Piloten 1 : 0 Lufthansa

Die 5400 Piloten erhalten bessere Löhne. Die Lufthansa hat heute eine unabhängige Schlichtungsempfehlung angenommen.

Haben sich die vielen Streiktage der Lufthansa-Piloten im letzten Jahr am Ende doch (für sie) gelohnt? Diesen Eindruck erhält man heute. Die Lufthansa hat nämlich die Schlichtsungsempfehlungen von Dr. Gunter Pleuger – im Dezember hatten sich Lufthansa und deren Piloten angesichts festgefahrener Verhandlungen auf eine Schlichtung geeinigt – angenommen. Im übrigen hat diese auch die Pilotengewerkschaft Cockpit angenommen. Die Empfehlung enthält folgende Eckpunkte:

  • Lohnerhöhung für die 5400 Piloten im Konzerntarifvertrag von Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings in vier Stufen von insgesamt rund 8,7%.
  • Rückwirkend zum 1.1.2016 Anhebung der monatlichen Bezüge um 2,0 Prozent und zum 1.1.2017 um 2,3 Prozent
  • Zum 1.1.2018 Erhöhung um 2,4 Prozent und zum 1.1.2019 um weitere 2,0 Prozent
  • Zusätzliche Einmalzahlung in Höhe eines Gesamtvolumens von rund 30 Millionen Euro, die im Ergebnis voraussichtlich mit rund 5000 bis 6000 Euro durchschnittlich pro Vollzeitbeschäftigtem ausgeschüttet werden.
  • Laufzeit der Vergütungstarifverträge bis Ende 2019

85 Millionen Euro Mehrkosten - pro Jahr

Die Umsetzung der Schlichtungsempfehlung zum Vergütungstarifvertrag bewirkt bei den Cockpitvergütungen eine Kostensteigerung von rund 85 Millionen Euro jährlich. Um diese Zusatzkosten zu kompensieren, sollen abweichend von der bisherigen Flottenplanung 40 zugehende Flugzeuge ausserhalb des Konzerntarifvertrags bereedert werden. Einzelheiten zur Ausgestaltung einer alternativen Plattform zum Betrieb dieser Flugzeuge sollen in den kommenden Wochen konkretisiert werden. Ob die Piloten dieses Outsourcing von 40 Flugzeugen an externe Piloten akzeptieren, ist aktuell noch Gegenstand von Diksussionen.

Die Beschäftigungsperspektiven des Boden- und Kabinenpersonals werden dadurch nicht belastet. Mit der Flugbegleitergewerkschaft UFO und der Gewerkschaft Verdi konnten bereits Kostensenkungen und neue Strukturen für die Altersvorsorge vereinbart werden.

Dr. Bettina Volkens, Vorstand Personal und Recht der Deutschen Lufthansa AG, erklärt in einer Pressemitteilung: «Durch die Umsetzung der Schlichtungsempfehlung entstehen zusätzliche Cockpitvergütungskosten, obwohl wir mit dem Ziel gestartet sind, im Cockpit der Lufthansa günstiger und damit wieder wachstumsfähig zu werden. Ohne eine Kompensation in anderen Tarifverträgen müssen wir daher den Weg einer veränderten Flottenplanung gehen. Gleichzeitig arbeiten wir weiter mit aller Kraft daran, Wege zur Kostenentlastungen mit unserem Tarifpartner zu finden, um die Wachstumsfähigkeit auch im Konzerntarifvertrag auf diesem Wege zu erreichen.»

Noch im Dezember 2016 klang es ganz anders, als Lufthansa-Konzernchef Carsten Spohr partout nicht einlenken wollte: «Lieber ein paar Tage ohne Lufthansa als irgendwann ganz ohne Lufthansa», hatte er damals im Angesicht neuer und kostspieliger Streiks gesagt.

Kurz vor Ende des Schlichtungsverfahrens hatte Lufthansa die Piloten vor einem zu hohen Abschluss gewarnt. Zusätzliche Millionenkosten könnten dazu führen, dass Investitionen für neue Flugzeuge in andere Teilgesellschaften des Konzerns gelenkt würden, hatte Vorstandsmitglied Harry Hohmeister gesagt. Lufthansa denke auch über die Gründung einer neuen Airline nach, die Strecken von der Lufthansa-Mutter übernehmen könne. 

Streit schwelt seit fünf Jahren

Der Tarifkonflikt läuft seit bereits seit 2012 - mit mittlerweile 14 Streiks, 500 Millionen Euro Kosten und ungezählten Verhandlungsrunden. Der bislang letzte Streik hatte Reisepläne von Lufthansa-Kunden Ende November durcheinander gebracht.

Der umstrittene Konzerntarifvertrag (KTV) sieht vor, dass Flugzeuge der Marke Lufthansa nahezu ausschliesslich von Piloten geflogen werden dürfen, die nach dem KTV beschäftigt werden. Lufthansa sucht daher nach Wegen, Flugzeuge mit billigeren Piloten betreiben zu können. Im Konzern sind die KTV-Piloten bereits in der Minderheit. Bei allen Töchtern wie Swiss, Austrian, Brussels und Eurowings wird weniger gezahlt.

(JCR)