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So wirken sich höhere Kerosinkosten auf die Flugpreise aus
Schon seit Monaten belasten die hohen Kerosinpreise die Airlines. Bei den beiden grössten Schweizer Fluggesellschaften, Swiss und Edelweiss, verhindern Absicherungen, dass die Mehrkosten voll durchschlagen. Aber je länger das hohe Preisniveau anhält, desto grösser wird der Druck auf die Flugpreise.
Wie schnell müssen sich Reisende auf höhere Ticketpreise einstellen? Eine einfache Antwort gibt es nicht. Denn Fluggesellschaften kaufen ihren Treibstoff nicht einfach zum jeweils aktuellen Marktpreis ein, sondern sichern einen erheblichen Teil ihres Bedarfs im Voraus ab.
Die Swiss spricht gegenüber «20 Minuten» von Kerosinpreisen auf einem «sehr hohen Niveau», die weiterhin stark schwanken. Kurzfristig ist die Fluggesellschaft allerdings vergleichsweise gut abgesichert: 86 Prozent des erwarteten Kerosinverbrauchs für den Rest des Jahres 2026 sind laut Swiss-Sprecherin Anja Beeler über sogenanntes Fuel Hedging gedeckt.
Dabei sichern Airlines einen Teil ihres künftigen Treibstoffbedarfs im Voraus zu bestimmten Konditionen ab. Steigt der Marktpreis danach stark, schlägt die Verteuerung deshalb nicht unmittelbar auf die Kosten durch.
Wie hoch der abgesicherte Anteil ist und wie weit die Absicherung in die Zukunft reicht, unterscheide sich von Gesellschaft zu Gesellschaf, erklärt Luftfahrtexperte Andreas Wittmer von der Universität St. Gallen. «Alle Airlines haben verschiedene Strategien.»
Auch die Edelweiss sichert einen Teil des Treibstoffbedarfs im Voraus ab. Hinzu kommt derzeit allerdings ein weiterer Kostentreiber: Wegen der Krise im Nahen Osten müssen teilweise längere Routen geflogen werden. «Das führt entsprechend auch zu höheren Treibstoffkosten», sagt Edelweiss-Sprecher Andreas Marti.
Entscheidend ist die Dauer
Höhere Kerosinpreise bedeuten dennoch nicht automatisch höhere Ticketpreise. Nachfrage, Kapazitäten, Konkurrenz, Strecke und Buchungszeitpunkt bestimmen ebenfalls, wie viel ein Flug kostet. Die Swiss plant aufgrund der aktuellen Entwicklung weder Anpassungen am Flugplan noch an den Kapazitäten. Auch die Edelweiss sieht wegen der Kerosinpreise derzeit keine Änderungen am Flugplan vor.
Entscheidend wird vielmehr, wie lange das hohe Preisniveau anhält. Treibstoff macht laut Wittmer ungefähr einen Drittel der Gesamtkosten einer Airline aus. «Wenn das im Preis zunimmt, spürt man das schnell.»
Laufen günstigere Absicherungen aus, müssen Airlines entscheiden, ob sie tiefere Margen akzeptieren oder einen Teil der Mehrkosten an ihre Kundschaft weitergeben. Wie stark sich dies auf die Ticketpreise auswirkt, lässt sich nicht seriös vorhersagen. «Wenn das länger andauert, werden die Preise steigen. Wie viel, weiss ich nicht», sagt Wittmer.
Besonders auf Langstrecken sieht der Luftfahrtexperte weniger Ausweichmöglichkeiten für Reisende. Innerhalb Europas stehen je nach Strecke Bahn, Auto oder Bus als Alternativen zur Verfügung. Die Swiss relativiert allerdings: Allein aus der Entwicklung der Kerosinpreise lasse sich nicht ableiten, dass bestimmte Strecken oder Langstrecken automatisch stärker von Preisanpassungen betroffen seien.
Dertour Suisse sieht erste höhere Preise
Im Schweizer Reisemarkt sind die Auswirkungen punktuell bereits sichtbar. Dertour Suisse beobachtet auf einzelnen Strecken höhere Flugpreise, von einer flächendeckenden Verteuerung könne derzeit aber keine Rede sein. Auffällig seien teilweise Langstrecken und stark nachgefragte Direktverbindungen.
Als Beispiel nennt Dertour die Malediven. Direktflüge seien derzeit stark gefragt und entsprechend teurer. Umsteigeverbindungen über den Nahen Osten könnten dagegen teilweise günstiger sein, weil Golf-Airlines ihre Auslastung wieder steigern wollten.
Eine pauschale Prognose für 2027 ist laut Dertour-Sprecherin Amélie Schnidrig nicht möglich. Einen Buchungseinbruch stellt der grösste Schweizer Reiseveranstalter bisher nicht fest. Reisende vergleichen allerdings Preise und Destinationen stärker. Von übereilten Buchungen rät auch Wittmer ab. Die weitere Entwicklung sei zu unsicher. Klar sei aber: «Es kommt eine schwierige Zeit auf Airlines zu, wenn sich die Situation nicht auflöst.»