Ferienland Schweiz

Der ehemalige TUI- und Knecht-Reisen-Manager Markus Kohli ist seit Mitte Mai 2026 CEO von Switzerland Travel Centre und freut sich über die neue Herausforderung, Reisen in die Schweiz zu verkaufen. Bild: STC/Paul Lackford

«Die Schweiz wird mit einem blauen Auge davonkommen»

Gregor Waser

Trotz geopolitischer Spannungen im Nahen Osten zeigt sich die touristische Nachfrage nach der Schweiz im ersten Halbjahr 2026 robust. Markus Kohli, der neue CEO von Switzerland Travel Centre (STC), blickt zuversichtlich auf das verbleibende Jahr und spricht über seinen Wechsel in die Incoming-Welt.

Der Schweizer Tourismus beweist auch in einem unruhigen weltpolitischen Umfeld seine Resilienz. Wie die jüngsten Zahlen des grössten Schweizer Ferien-Reiseveranstalters Switzerland Travel Centre (STC) zeigen, verzeichnete das Unternehmen im ersten Halbjahr 2026 per Ende Juni ein Buchungsplus von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Dabei verlief das Jahr in zwei unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Nach einem fulminanten Start im ersten Quartal von Januar bis März mit einem deutlichen Zuwachs von 11 Prozent, kühlte sich die Nachfrage im zweiten Quartal spürbar ab. STC-CEO Markus Kohli führt diesen Dämpfer direkt auf die geopolitischen Verwerfungen zurück: «Die Rückgänge sind mit den Unsicherheiten aufgrund der geopolitischen Lage im Nahen Osten zu erklären».

Dennoch zeigt er sich positiv überrascht über das hohe Fundament, auf dem die Nachfrage steht. Für die zweite Jahreshälfte stellt sich Kohli auf ein stabiles Ergebnis ein. Zwar deuten die effektiven Buchungen auf einen leichten Rückgang der Logiernächte hin, doch mit einem starken Last-Minute-Geschäft und einer Stabilisierung des Iran-Konflikts liege ein Jahresergebnis im Plus durchaus im Bereich des Möglichen. «Die Schweiz wird mit einem blauen Auge davonkommen», so die Prognose des STC-Chefs.

Amerika kompensiert Einbrüche aus Asien

Die Krisen im Nahen Osten wirken sich sehr unterschiedlich auf die internationalen Quellmärkte aus. Aufgrund der herausfordernden Situation und Routenführungen an den nahöstlichen Luftfahrtdrehkreuzen leidet das Geschäft mit Australien, Taiwan und Hongkong. Hohe Ticketpreise und reduzierte Kapazitäten dämpfen hier die Reiselust.

Dass die Gesamtbilanz dennoch positiv ausfällt, liegt am florierenden Westgeschäft. Das Nachfragewachstum aus Brasilien, Mexiko, Kanada und insbesondere der ungebrochene Boom aus den USA vermögen die Rückgänge aus Fernost derzeit vollständig auszugleichen. Heterogen präsentiert sich derweil der europäische Markt: Während die Nachfrage aus Grossbritannien im Vergleich zum Vorjahr deutlich zulegen konnte, schwächelt das Geschäft im traditionell wichtigen Markt Deutschland. Aufgrund dieser starken Divergenzen seien laut Kohli klare Trendaussagen für Europa derzeit kaum möglich.

Bahnreisen als unaufhaltsamer Wachstumstreiber

Ein ungebrochener Megatrend im Schweizer Incoming-Tourismus bleibt der Schienenverkehr. Die legendären Panoramazüge wie der Glacier Express, der Bernina Express oder der GoldenPass Express erfreuen sich einer rasant steigenden Beliebtheit. Die Nachfrage ist so hoch, dass die Buchungsanfragen für die ohnehin knappen Kapazitäten bei STC immer früher im Jahr eingehen.

Gleichzeitig verzeichnet das Unternehmen einen Verkaufszuwachs von 5 Prozent beim Swiss Travel Pass, dem All-in-one-Ticket für den öffentlichen Verkehr im Land. «Unser Zugangebot begeistert Gäste aus aller Welt», erklärt Markus Kohli stolz. Das dichte Schienennetz von über 5400 Kilometern in Kombination mit den spektakulären Berglandschaften biete ein weltweit konkurrenzloses Reiseerlebnis. Das Potenzial in diesem Segment sei noch lange nicht ausgeschöpft.

Branchenwechsel ohne Berührungsängste

Für Markus Kohli persönlich markiert das Jahr 2026 eine neue berufliche Phase. Nach langjährigen Stationen im Outgoing-Tourismus bei Schwergewichten wie TUI und Knecht Reisen wechselte er Mitte Mai auf die Incoming-Seite zu STC. Einen Kulturschock erlebte er dabei nicht. Vom Geschäftsmodell her unterscheide sich der Incoming-Veranstalter kaum von seinen früheren Arbeitgebern, betont Kohli: Man arbeite mit ähnlichen Systemen, bediene B2B- sowie B2C-Kanäle und stehe vor denselben operativen Herausforderungen.

Dennoch bringt das Produkt Schweiz ganz eigene, faszinierende Eigenheiten mit sich. Neben der herausragenden Rolle des öffentlichen Verkehrs schätzt Kohli vor allem die kulturelle Vielfalt der Kundschaft, die von Indien über Japan bis in die USA reicht und hochgradig unterschiedliche Bedürfnisse aufweist. Um die globalen Vertriebspartner persönlich kennenzulernen, ist der CEO bereits viel unterwegs. Reisen nach Deutschland, Grossbritannien und eine anstehende Visite in Hongkong stehen ebenso auf seiner Agenda wie die Präsenzen auf den globalen Leitmessen WTM in London und ITB in Berlin.

Exklusivität als Qualitätsmerkmal

Angesichts der langfristigen Zukunftschancen der touristischen Schweiz gerät Kohli ins Schwärmen. Die unberührte Natur, das hohe Sicherheitsgefühl, die Sauberkeit und die hervorragende Reputation würden die Schweiz auch künftig zu einer Traumdestination für Fernmärkte – insbesondere in Südamerika und Asien – machen. Für viele Menschen bleibe die Schweiz schlicht «the place to go».

Bedenken wegen des hohen Preisniveaus der Schweiz hat der STC-Chef keine. Das globale Reisebudget in den Premium-Segmenten steige kontinuierlich an, und die Zielgruppen seien bereit, für die hohe Schweizer Qualität zu bezahlen. Zudem sieht Kohli im Preisgefüge einen positiven Nebeneffekt: Es fungiert als natürlicher Regulator und verhindert einen unkontrollierten Massenansturm, wodurch das exklusive Reiseerlebnis langfristig gewahrt bleibt.