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Uncle Sam hatte eine klare Botschaft in Washington: «Wir wollen weiterhin viele Touristen aus Übersee willkommen heissen.» Weitere Impressionen des IPW 2017 gibt es in unserer GALERIE (Hauptbild anklicken). Bilder: TN

America wants you

Jean-Claude Raemy

Die Teilnehmer des IPW 2017 versuchten, so gut wie möglich «business as usual» zu zelebrieren. Preisreduktionen liegen in der Luft. Und der Schweizer Markt erfährt grosse Wertschätzung.

«One Big Welcome» lautete das zentrale Motto des diesjährigen IPW in Washington DC. Damit sollte klar signalisiert werden, dass die USA internationale Besucher weiterhin schätzen und bereit sind, diese zu empfangen und ihnen die vielen touristischen Schätze des Landes näher bringen zu wollen. Oder wie es Roger Dow, CEO der US Travel Association, nennt: «We are closed to terror but open for business.»

Dies natürlich vor dem Hintergrund, dass das weltweite öffentliche Image der USA derzeit etwas angekratzt ist infolge neuer Einreisebeschränkungen für Reisende aus gewissen muslimischen Ländern, wegen dem drohenden «Laptop Bann», der möglichen Abschaffung von Brand USA oder einfach wegen der permanenten medialen Präsenz des US-Präsidenten, der eine Reizfigur ist. Für Geoffrey Ballotti, CEO von Wyndham Hotels, war dieser IPW deshalb «einer der wichtigsten aller Zeiten» und er unterstrich, dass die USA unbedingt das Image korrigieren sollen, wonach sie nicht einladend seien. Aber ist es wirklich so schlimm?

Zum einen gibt es Zahlen, die bislang eine andere Sprache sprechen. Aus dem «Travel Trends Index» geht hervor, dass die Tourismusquellmärkte in Asien im April 4,4% über Vorjahr lagen, jene in Lateinamerika 3%, und der wichtige Domesticmarkt mitsamt Nachbarland Kanada +3%. Eine leicht negative Entwicklung gab es aus Mexiko (-4%), Grossbritannien (-6,1%) und Kontinentaleuropa (-3%) zu vermelden. Der April gilt als erster Monat, in welchem man klare Auswirkungen der Trump-Präsidentschaft spüren würde. Diese sind zurzeit noch glimpflich.

Überdies ist Trump nur ein Faktor unter mehreren. «Da wir mit dynamischen Preisen operieren, hat die starke Schwankung des Wechselkurses Franken/Dollar zwischenzeitlich für 10% höhere USA-Preise gesorgt», erklärt Pino Andreano (Hotelplan) – dies bei einem ohnehin schon ziemlich hohen USA-Preisniveau. Dies sei wohl der wichtigere Faktor. Andreano hat einen leichten Shift von USA-Reisen hin zu Kanada-Reisen beobachtet – weil der Kurs zum Kanada-Dollar besser sei und manche Nordamerika-Fans nun vielleicht mal lieber nach Kanada statt in die USA wollen.

USA-Reisen dürften wieder günstiger werden

Auf das aktuelle USA-Geschäft angesprochen, sprachen andere Veranstalter - aus der Schweiz, aber auch aus Deutschland, Frankreich oder Skandinavien – meist von «stabilen» und «leicht wachsenden» Zahlen. Euphorie gab es nicht - eine gewisse Sorge ist sicherlich da, dass es noch zu Einbrüchen kommen könnte. Aber unter dem Strich sieht es so aus, als ob die Reisebranche gegenüber dem Selbstbuchergeschäft wieder zulege. Denn generell entwickelt sich der Schweizer Markt zurück. Per Ende 3. Quartal 2016 lagen die Einreisezahlen von Schweizern in die USA um 10,5% hinter dem Vorjahreswert. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass die Reiseveranstalter schlechtere Geschäfte machen.

Für Werner Wiedmer, Chairman des Visit USA Committee Switzerland, sind die Schwankungen «normal» - er erinnert daran, dass sich die Einreisen von Schweizern in die USA immer noch auf sehr hohem Niveau bewegen, und dass es in gesättigten Märkten öfter zu Korrekturschwankungen kommt. Gründe für den aktuellen Rückgang sieht auch Wiedmer mehr im Dollarkurs und darin, dass die USA generell teurer als auch schon sind. Bei den USA-Spezialisten aus Europa gibt es inzwischen sogar die Hoffnung, dass infolge der leicht zurückgehenden Zahlen und einer gewissen Angst vor einem «Trump Slump» die US-Dienstleister keine weiteren Verteuerungen wie in den letzten Jahren umsetzen werden. Vereinzelt hörte man gar, dass gewisse Hotels schon jetzt ihre Raten deutlich heruntergefahren haben. USA-Ferien könnten also bald wieder günstiger werden.

Let's do some business

Was während den Messetagen in Washington klar wurde: Die Reisebranche ist gewissermassen «Trump-müde», im Gegensatz zur Medienbranche. Die Aktionen der US-Regierung nahm man hin, ging aber dem Business normal nach. Für Werner Wiedmer war der IPW 2017 im Vergleich zum Vorjahr «produktiver»: «Es waren mehr Personen anzutreffen, welche auf hohen Entscheidungsstufen operieren. Dadurch spürten wir eine grosse Bereitschaft für kreative Ideen und Lösungen. Vom politischen Umfeld war vordergründig wenig zu spüren, gelegentlich eher eine Art von ‚jetzt erst recht‘.»

Wiedmer war natürlich auch wieder mit Heinz Zimmermann (Vice Chairman des Visit USA Committee Switzerland) unterwegs, um Aussteller für das Visit USA Seminar Zürich im kommenden Januar zu gewinnen. Dabei fokussierten sie dieses Jahr auf kleinere Destinationen. Und stellten fest, dass das Interesse für einen relativ kleinen Markt wie die Schweiz durchaus vorhanden sei. «Es ist wichtig, persönlich vor Ort zu sein», so Wiedmer, «und den Partnern deutlich zu machen, wie hochwertig der Schweizer Markt ist.» Die Ausgaben von Schweizern in den USA können sich sehen lassen, trotz natürlich geringerer Besucherzahlen als aus grösseren Quellmärkten. 

Hochkarätiger Event auf der Schweizer Botschaft

Dass die Schweizer Reisebranche wichtig ist und geschätzt wird, wurde durch einen besonderen Anlass unterstrichen: Am Dienstagabend traf sich die Schweizer Delegation in der Residenz des Schweizer Botschafters in den USA, Martin Dahinden, zu einem Apero. Bei Schweizer Weinen konnten in der spektakulären, Schweizerkreuz-förmigen Residenz Gespräche zwischen den Branchenvertretern und mehreren anwesenden Botschaftsvertretern geführt werden, welche bislang wenige Kontakte zur Schweizer Reisebranche hatten. Doch damit nicht genug: Eine Delegation von Brand USA inklusive CEO Chris Thompson nahm den Weg hinaus ins Botschaftsviertel auf sich, um mit dabei zu sein, mitsamt weiteren hochrangigen Vertretern der US-Reiseindustrie und Tourismus-Administration. Wenn das mal kein Zeichen dafür ist, dass unser Markt geschätzt wird…

Auf dem Bild unten zu sehen sind (v.l.) Cathy Domanico (Vice President Global Trade Development, Brand USA), Anne Madison (Chief Strategy & Communications Officer, Brand USA), Werner Wiedmer (Chairman Visit USA Committee Switzerland), Chris Thompson (CEO Brand USA), Isabel Hill (Director, National Travel & Tourism Office, US Department of Commerce), Heinz Zimmermann (Vice Chairman Visit USA Committee Switzerland) und Mary Motsenbocker (President, International Tourism Marketing & Member Tourism Advisory Board of US Department of Commerce).

Generell, kann man abschliessend sagen, ist hinübergekommen, dass die USA wirklich an den internationalen Quellmärkten interessiert sind und sich dafür einsetzen, dass es eben nicht zu Einbrüchen kommt. Und man kann ihnen nur Recht geben: Die Einreise am Flughafen Washington wie auch die Erlebnisse in der Stadt, ob auf Anlässen oder privat, zeigten das gewohnte Bild der USA: Vielseitig, spannend, eindrücklich, auch mal fragwürdig – aber stets einladend. Es wäre schön, wenn die internationalen Reisenden dies verinnerlichen könnten.