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Der ökologisch verträgliche Kunststoff Glice könnte für Wintersportorte zur interessanten Schneealternative avancieren. Bild: GRF, Marco Hartmann

Graubünden Ferien testet Glice als Schneeersatz

Biathletin Selina Gasparin nimmt in Chur eine Langlaufloipe aus ökologisch verträglichem Kunststoff testeshalber unter ihre Bretter. Da werden viele Tourismusdestinationen und Wintersportler mit Interesse hinschauen.

In Sachen Schnee konnte sich die Schweiz in den letzten drei Wintern nicht gross beklagen. Zumindest höher gelegene Winterspororte verfügten über genügend Schnee für ihre Wintersportler. Doch der nächste schneearme Winter kommt bestimmt.

Ein interessantes Experiment erfolgt diese Woche in Chur. Bieten Langlaufloipen aus ökologisch verträglichem Kunststoff eine Alternative zum Schnee? Dieser Frage geht die Erlebnisentwicklung von Graubünden Ferien nach. Die Bündner Biathletin Selina Gasparin testet dafür eine Kunststoffloipe.

Längst ist der Kunststoff Glice im Eishockey und im Eiskunstlauf ein Begriff. Das in der Schweiz von der gleichnamigen Firma entwickelte synthetische Eis ist sowohl für das Indoor- als auch das Outdoor-Eislaufen in Kunsteisbahnen hergestellt worden. Mit der Idee, dass der Kunststoff auch gepressten Schnee ersetzen kann, hat die Erlebnisentwicklung von Graubünden Ferien den Praxistest von Glice-Kunstloipen für den Langlauf in Angriff genommen.

Am kommenden Mittwoch, 16. September 2020, wird nun auf der Quaderwiese in Chur eine 50 Meter lange Kunststoffloipe verlegt, die von der Bündner Biathletin Selina Gasparin getestet wird. Die Olympia-Silbermedaillen-Gewinnerin von Sotchi 2014, die normalerweise auf «echtem» Schnee in Lenzerheide trainiert, steht für einen Test bereit. «Ich finde jede Möglichkeit prüfenswert, den Langlaufsport noch prominenter zu machen und zu fördern», sagt Selina Gasparin.

Für den Tourismus interessant

Nordic erfreut sich als Breitensport einer zunehmenden Beliebtheit. So hat etwa die Nachfrage nach klassischen Langlaufkursen in den Ski- und Schneesportschulen Graubündens in den vergangenen Wintern zugenommen. Um auch langfristig den Langlaufsport gerade in tieferen Lagen zu ermöglichen, gilt es, Alternativen zum Schnee und zur technischen Beschneiung auszuprobieren. Ein «Ersatz» könnte zudem zu einer Verlängerung der touristischen Wintersaison beitragen.

Ob Glice dazu die passende Schweizer Innovation darstellt, wird im Praxistest von Graubünden Ferien geklärt. Schliesslich ist es auch Aufgabe der Marketingorganisation, Ideen mit grossem touristischen Potenzial voranzutreiben. «Sollte es einmal Strecken ab einem Kilometer Länge geben, wäre das bestimmt eine ideale Möglichkeit für Trainings in der Vorsaison. Allerdings sehe ich ein noch grösseres Potenzial in der Förderung des Langlaufs beim Nachwuchs und im Breitensport», so Selina Gasparin weiter. Nicht auszuschliessen, dass Kunststoffloipen eines Tages zum Einsatz kommen – ausgestaltet beispielsweise als spezielle Parcs ähnlich der Pumptracks fürs Biken.

(TN)