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Viele Reisende mussten in diesen Tagen ihre Fernreise umplanen und Verzögerungen in Kauf nehmen. Bild: Adobe Stock

«Für die meisten Kunden haben wir eine Lösung gefunden»

Gregor Waser

Die Eskalation im Persischen Golf bringt den internationalen Flugverkehr durcheinander und stellt die Reisebranche vor grosse Herausforderungen. Tausende Schweizer Reisende mussten ihre Rückreise neu organisieren. Travelnews hat bei vier Reiseveranstaltern nachgefragt, wie sich die Lage derzeit entwickelt, ob eine Annullationswelle droht und welche Alternativen sich für Feriengäste ergeben.

Seit dem 28. Februar 2026 und der Eskalation im Persischen Golf steht die Reisewelt Kopf. Der Ausfall wichtiger Luftkorridore sowie zahlreicher Flugverbindungen – insbesondere arabischer Airlines – beeinträchtigt den Langstreckenverkehr von Europa. Betroffen sind Flüge in die Golfstaaten ebenso wie Verbindungen nach Asien, Ozeanien und Afrika.

Rund 5000 Schweizerinnen und Schweizer mussten ihre Rückreise neu planen. Viele weitere stehen kurz vor ihrem Abflug und sehen sich mit geänderten Flugplänen oder Umbuchungen konfrontiert. Travelnews hat bei führenden Schweizer Reiseveranstaltern nachgefragt, wie sie mit der Situation umgehen.

Verständnis für die Krisensituation

Mehrere hundert Reisende sind derzeit mit einer der zwölf Firmen der Globetrotter Group unterwegs, die meisten davon mit Globetrotter Travel Service. «Wir mussten unsere 24-Stunden-Helpline kurzfristig auf sechs Mitarbeitende aufstocken – auch am Wochenende», sagt CEO André Lüthi.

Nach einigen hektischen Tagen habe sich die Lage inzwischen etwas beruhigt. «Mittlerweile haben wir für die meisten Kunden eine Lösung gefunden.» Viele Reisende kauften jedoch auf eigene Kosten neue Tickets, etwa um von Auckland über Hongkong mit Cathay Pacific statt über Dubai mit Emirates in die Schweiz zurückzufliegen. Noch unklar ist, ob Versicherungen einen Teil der zusätzlichen Kosten übernehmen.

Für viele Reisende sei die Situation ärgerlich, besonders wenn sich die Rückreise um eine Woche oder mehr verzögere. Dennoch hätten die meisten Verständnis gezeigt. «Rund 95 Prozent unserer Kunden reagieren sehr kooperativ», sagt Lüthi.

Er lobt zudem die von SRV-Geschäftsleiterin Andrea Beffa initiierten Branchencalls, bei denen sich Reiseveranstalter und Reisebüros über die aktuelle Lage austauschen konnten. Kritisch sieht Lüthi dagegen einzelne Berichte in Publikumsmedien. Bilder von brennenden Hotels oder Schlagzeilen über drohende Versorgungsengpässe in Dubai hätten unnötig Angst geschürt. «Ich wünsche mir hier mehr Sensibilität – das würde den Kunden, der Branche und auch dem EDA helfen.»

Noch keine Annullationswelle

Auch wenn inzwischen viele gestrandete Reisende eine Rückreisemöglichkeit gefunden haben, ist die Krise für die Branche noch nicht ausgestanden. Zahlreiche Buchungen mit Abreise in den kommenden Tagen und Wochen müssen überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.

«Wir stellen derzeit vor allem einen erhöhten Informations- und Beratungsbedarf fest», sagt Stephan Kurmann, Mediensprecher von Dertour Suisse. Viele Kundinnen und Kunden wollten wissen, ob und wie sich die Situation auf ihre Reise auswirken könnte.

Auch bei TUI Suisse beobachtet man eine ähnliche Entwicklung. «Die Lage verändert sich laufend», sagt Sprecherin Sonja Ptassek.

Eine eigentliche Annullationswelle zeichnet sich bislang jedoch nicht ab. «Viele Gäste beobachten die Situation aufmerksam und entscheiden erst kurz vor der Abreise, ob sie ihre Reise anpassen», erklärt Kurmann.

Alternativen statt Absagen

In ersten Fällen lassen sich bereits Verschiebungen bei den Reisezielen erkennen. Laut TUI Suisse entscheiden sich manche Gäste dafür, ihre Ferien umzubuchen. «Wir sehen, dass betroffene Gäste vermehrt auf alternative Destinationen wie die Kanaren oder die Karibik ausweichen», sagt Sonja Ptassek. Derzeit seien ausreichend Angebote vorhanden, um Umbuchungen zu ermöglichen.

Auch André Lüthi spricht von einer gewissen Entlastung für sein Unternehmen. Globetrotter verfüge nur über wenige reine Point-to-Point-Buchungen nach Dubai oder Abu Dhabi. «Destinationen wie Vietnam, Australien oder Südafrika sind nicht betroffen. Hier geht es in erster Linie darum, alternative Flugverbindungen zu finden.»

Reisebetrieb im Mittelmeer läuft normal

Neben den Flugverbindungen stellt sich für viele Reisende auch die Frage nach der Sicherheit einzelner Ferienregionen. Vereinzelte Drohnenangriffe in der Region sorgten zuletzt für Verunsicherung.

Der Reiseveranstalter Bentour Reisen sieht derzeit jedoch keine Auswirkungen auf den Tourismus in der Türkei. «Die beliebten Ferienregionen an der türkischen Riviera sowie an der Ägäis sind von den aktuellen Ereignissen nicht betroffen», sagt CEO Deniz Ugur.

Der Reisebetrieb laufe regulär, Einschränkungen gebe es keine. Gäste vor Ort würden wie gewohnt durch Reiseleiterinnen und Reiseleiter betreut.

Chance für Reisebüros

So belastend die Situation für die Branche ist, sie zeigt auch den Wert klassischer Reisebüros. Viele Reisende, die ihre Flüge direkt bei Airlines gebucht haben, kämpfen derzeit mit überlasteten Hotlines und automatisierten Kundenservices.

«Herr Lüthi, können Sie uns helfen? Wir kommen hier nicht weg» – solche Nachrichten habe er in den letzten Tagen mehrfach über LinkedIn erhalten, berichtet der Globetrotter-CEO. In solchen Fällen habe er die Betroffenen an eine der Globetrotter-Filialen verwiesen.

Für viele Reisebüros könnte die Krise damit auch eine Chance sein. Wer Reisenden jetzt bei der Lösung akuter Probleme hilft, gewinnt möglicherweise neue Kundinnen und Kunden für künftige Buchungen.