Trips & Travellers
André Lüthi: «Walter Kamm hat sich lange gegen einen Fax gewehrt»
Am Mittwoch (9.9.) in Zürich (Travelnews berichtete) und am Samstag (12.9.) in Bern feiert Globetrotter Travel Service das 50-jährige Jubiläum. 1976 sei nicht das reine Geldverdienen im Vordergrund gestanden, sondern die reine Leidenschaft, die Welt zu entdecken und dieses Lebensgefühl weiterzugeben, sagt André Lüthi, Verwaltungsratspräsident der Globetrotter Group, im neuen «Travel News Talk».
Dass dieser Urgedanke über fünf Jahrzehnte und durch sämtliche Marktveränderungen hinweg bewahrt werden konnte, bezeichnet Lüthi als den grössten Erfolg. Aus den einstigen Rucksackpionieren ist zwar eine breite Kundschaft geworden, die heute von Individualreisen bis hin zu Business-Class-Flügen bucht, doch die ursprüngliche Nahbarkeit und Reise-DNA der Marke sind unverändert lebendig geblieben. Er lobt die Lebensleistung von Gründer Walter Kamm, erwähnt aber auch die etlichen Konflikte mit dem Firmengründer: «Walter hat sich lange gegen einen Fax gewehrt.»
Bald seit 40 Jahren ist auch André Lüthi mit an Bord. Solange bereist er auch schon seine zweite Heimat Nepal. Traurig äussert er sich über die Auswirkungen der Sturzflut nördlich von Kathmandu. Die Globetrotter-Kunden wie auch Lüthis Bekannte und Freunde vor Ort sind alle unversehrt geblieben, doch das Ausmass der Zerstörung in den betroffenen Dörfern sei gewaltig. Er befürchtet, dass das betroffene Tal wohl noch Jahrzehnte benötigen wird, um die Schäden zu überwinden.
12 Prozent im Rückstand
Mit Blick auf das aktuelle Reisejahr verhehlt Lüthi nicht, dass die Branche vor anspruchsvollen Zeiten steht. Geopolitische Spannungen wie der Nahost-Konflikt sowie eine spürbare Zurückhaltung bei USA-Reisen hinterlassen Spuren – der Langstrecken-Spezialist verzeichnet derzeit einen Rückgang von 10 bis 12 Prozent ingesamt. Dennoch blickt Lüthi optimistisch nach vorne. Ein erfreulicher Buchungsmonat August sowie eine anhaltend starke Nachfrage nach Afrika-Destinationen, nach Südamerika und in die Südsee stimmen ihn zuversichtlich.
Abschliessend richtet André Lüthi den Blick nach vorne und teilt seine Vision für die Zukunft des Reisens. Anstatt das Reisen pauschal zu verteufeln, plädiert er dafür, Abgaben und Flugpreise gezielt in die Forschung und Entwicklung ökologischer Technologien zu investieren. Um Overtourism zu begegnen, fordert er mutige Kontingentierungen an überlasteten Hotspots, um Natur und Kultur nachhaltig zu schützen. Gleichzeitig unterstreicht er die Bedeutung des Reisebüros im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz: Selbst die modernste Technik könne die menschliche Emotion, das Vertrauen und die echte Beratung von Mensch zu Mensch niemals ersetzen.