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Algenplage belastet vermeintliche Traumstrände
Die Karibik, Teile Mexikos und der Golf von Mexiko kämpfen erneut mit einer massiven Sargassum-Plage. Nach Angaben des Labors für optische Ozeanographie der Universität Südflorida wurden im Juli rund 27 Millionen Tonnen der frei treibenden Braunalgen registriert. Im Juni waren es sogar 34 Millionen Tonnen. Damit bleiben die Rekordwerte des Vorjahres zwar unerreicht, Forschende rechnen jedoch damit, dass 2026 die zweitgrösste Sargassum-Saison seit Beginn der Messungen wird.
Neu beobachten Wissenschaftler zudem, dass sich die Braunalgen inzwischen auch in der Karibik und im Golf von Mexiko selbst wachsen. Bisher galten Meeresströmungen als Hauptursache für die riesigen Algenfelder. Die aussergewöhnlich starke Blüte des vergangenen Jahres dürfte jedoch dazu geführt haben, dass genügend Sargassum über den Winter erhalten blieb und sich nun vor Ort weiter ausbreiten konnte, wie das Branchenportal «FVW» (Abo) schreibt.
Auf dem offenen Meer erfüllen die Braunalgen eine wichtige ökologische Funktion. Sie bieten Fischen, Meeresschildkröten, Krebsen und zahlreichen weiteren Arten Schutz und Lebensraum. Problematisch wird es erst, wenn gewaltige Mengen an die Küsten gespült werden. Dort zersetzen sich die Algen, entziehen dem Wasser Sauerstoff, beeinträchtigen Korallenriffe und verursachen einen intensiven Schwefelgeruch.
Beliebte Badeorte stark betroffen
Besonders betroffen sind die mexikanische Karibikküste mit Ferienorten wie Cancún, Playa del Carmen, Tulum, Akumal und Puerto Morelos. Saisonal treten grössere Anlandungen auch auf den Florida Keys, an Floridas Ostküste sowie auf Inseln wie Barbados, Jamaika, Puerto Rico, der Dominikanischen Republik und mehreren Kleinen Antillen auf.
Für Reisende bedeutet dies nicht zwingend, dass ganze Ferienregionen unattraktiv werden. Die Belastung kann sich von Strand zu Strand stark unterscheiden. Wind, Strömungen, Wellen und die Form der Küste entscheiden darüber, wo sich die Algen ansammeln. Ein Strand kann nahezu frei sein, während wenige Kilometer weiter grosse Mengen angeschwemmt werden.
Der Krisenfrühwarnexperte A3M empfiehlt deshalb, sich nicht allein auf Katalogbilder oder ältere Reiseberichte zu verlassen. Entscheidend seien aktuelle Informationen zum konkreten Strandabschnitt, zur Lage des Hotels sowie zu möglichen Ausweichmöglichkeiten.
Auch die Behörden reagieren. Mexiko investiert nach eigenen Angaben umgerechnet fast 100 Millionen Franken in den Kampf gegen die Algen. Täglich sollen dort bis zu 9000 Tonnen Sargassum angeschwemmt werden, während derzeit lediglich rund 1200 Tonnen eingesammelt werden können.
Auf Martinique wurden wegen der bei der Zersetzung entstehenden Gase sogar Notunterkünfte eingerichtet. Zudem setzen mehrere Destinationen auf schwimmende Barrieren, um einen Teil der Algen bereits vor der Küste abzufangen.
Immerhin folgt das Phänomen einem saisonalen Muster. Die stärkste Belastung tritt meist zwischen Frühjahr und Herbst auf. Während der Wintermonate entspannt sich die Lage in vielen Ferienregionen deutlich – auch wenn sich einzelne Algenanlandungen nie vollständig ausschliessen lassen.