Tourismuswelt
Expert Das sollte die Reisebranche über Millennials wissen
David ArmstrongDie Millennials, manchmal auch als «Generation Y» bezeichnet (geboren zwischen 1982 und 2004), sind eine demographische Gruppe, die direkt auf die «Generation X» (geboren 1961 bis 1981) folgte. Einer der grossen kulturellen Unterschiede zwischen der Generation X und der Generation Y macht sich dadurch erkennbar, wie sie ihr verfügbares Einkommen ausgeben.
Für die Generation X gilt gemeinhin, dass sie mit der Mentalität aufgewachsen sind, «das haben zu wollen, was die anderen haben». Lebensziel dieser Generation war es daher häufig, Geld zu sparen, um sich ein Haus oder ein Auto zu kaufen und so ihrer Familie einen komfortablen Lebensstil bieten zu können.
Für die Millennials sieht das Konzept des «haben wollen, was die anderen haben» jedoch komplett anders aus. Die Millennials schätzen Vielfalt, günstige Gelegenheiten und vor allem neue Erfahrungen. So ist es für einen Millennial nicht länger wichtig, ein grösseres Auto oder Haus zu haben als der Nachbar. Es ist vielmehr wichtig, eine aufregendere Sammlung von Erfahrungen, Fotos und Erinnerungen auf Facebook, Instagram oder in anderen sozialen Medien vorweisen zu können als Freunde aus der Schule oder von der Uni.
Für die Reisebranche ist es daher elementar wichtig geworden, genau zu wissen, wie sie am besten mit den Millennials kommuniziert, und selbstverständlich muss diese Kommunikation in unserer heutigen digitalen Welt nahezu vollständig online erfolgen. Laut dem Schweizer Reiseverband buchen 67 Prozent der Schweizer Reisenden ihre Ferien über das Internet, ein Trend, der sich auch weltweit abzeichnet.
Herkömmliche Werbestrategien scheinen bei der Generation Y auf taube Ohren zu stossen. Kein Wunder, wurden die Millennials doch von klein auf mit Werbung geradezu bombardiert. Das hat sie skeptisch gegenüber jeglicher Werbematerialien werden lassen. So ist eindeutig zu erkennen, dass sie eher auf die Empfehlungen ihrer Freunde und unabhängiger Reviewer in den sozialen Medien hören, als sich durch offensichtliche Werbung beeinflussen zu lassen. Dieses Verhalten zwingt Reiseunternehmen zu einem eher unkonventionellen Ansatz, wenn sie die Millennials für sich gewinnen wollen. Jüngere Reiseunternehmen versuchen inzwischen, ihr Geschäftsmodell auf dieser Art von Kommunikation über die sozialen Medien aufzubauen.
«Dank ihrer Smartphones können Millennials alles vergleichen, immer und überall»
Dabei muss das Verhältnis zwischen der Reisebranche und den Millennials auf gegenseitigem Respekt beruhen. Online-Reiseagenturen sind auf die Millennials als Kunden angewiesen, blindlings lassen die sich aber nichts verkaufen. Ziel der Millennials ist es, so viele Reiseerfahrungen wie möglich zu sammeln. Angesichts unserer heutigen Wirtschaftslage bedeutet das allerdings, dass der Preis stimmen muss. Die Millennials sind mit Computern gross geworden. Das Internet ist etwas ganz Selbstverständliches für sie. Sie können sich problemlos an neue Programme, Webseiten und Betriebssysteme anpassen und sind bereit, ein ihrer Meinung nach gutes Produkt über die sozialen Medien ihren Freunden weiterzuempfehlen.
Diese Tatsache, kombiniert mit dem einfachen Zugriff auf Vergleichsportale, treibt die Online-Reiseagenturen dazu, ihre Preise zugänglicher und – noch viel wichtiger – erschwinglich zu machen. Dank ihrer Smartphones können Millennials alles vergleichen, immer und überall. Das bedeutet, dass Fluganbieter und die Dienstleistungsindustrie die Millennials genau dort ansprechen müssen, auf ihren Smartphones, und zwar indem sie ein Produkt präsentieren, das deren Erwartungen hinsichtlich Preis und Erfahrungswert erfüllt.
Einer Studie von Google zufolge haben zwei Drittel der Millennials kein Problem damit, ihren gesamten Trip von ihrem Smartphone aus zu buchen, doppelt so viele wie unter älteren Reisenden. Des Weiteren haben bereits 41 Prozent der Millennials einmal einen Flug über ihr Smartphone gebucht, im Vergleich zu nur 25 Prozent der älteren Reisenden. Viel wichtiger ist jedoch, dass 66 Prozent der Millennials davon überzeugt sind, direkt von ihrem Smartphone aus Zugriff auf den gesamten Markt von Flug- und Hotelinformationen und Preisen zu haben.
Dank dieses direkten Zugriffs sind Reisekunden aus der Gruppe der Millennials heute effektiv zu Marktexperten geworden. Da sie dazu tendieren, auf ihrem Smartphone nach Informationen zu suchen, und dort zudem auf sie zugeschneiderte Benachrichtigungen erhalten, sind sie stets auf dem Laufenden, was sich ändernde Trends und Entwicklungen angeht. Millennials haben zudem bewiesen, dass sie nicht länger bereit sind, einen teuren Flug mit einer renommierten Fluggesellschaft zu bezahlen, wenn sie zu einem Bruchteil der Kosten auch mit einer Billigfluglinie an ihr Ziel gelangen. Genauso wenig, wie sie nicht bereit sind, saftige Hotelpreise zu bezahlen, wenn sie für sehr viel weniger Geld in einer Wohnung von Airbnb unterkommen können, die ihnen gleichzeitig eine viel «authentischere Erfahrung» des Reiseortes bietet.
«Millennials ist Erfahrung wichtiger als Wohlstand»
Alle diese Faktoren tragen dazu bei, dass Webseiten zum Vergleich von Reiseangeboten heute die absoluten Marktführer in der gesamten Reisebranche sind. Das reicht den Millennials aber noch nicht. Daher wird die Online-Reisebranche in ihren Versuchen, neue Benutzer zu gewinnen, auch weiterhin kreativ bleiben. Deutlich wird dies an einem neuen Trend von Reiseportalen, die von Millennials aufgesucht werden. Reiseschnäppchen-Portale wie Ferienpiraten.ch übernehmen inzwischen die Aufgabe des Vergleichens und kombinieren Flüge, Unterkunft und sogar Mietwagen zu Preisen, die noch nicht einmal Millennials unterbieten können.
Angezogen werden die Millennials von diesen Seiten aufgrund der Preise, die sie bieten. Anschliessend verweilen sie dort jedoch aufgrund der damit verknüpften Social-Media-Erfahrung, die ihnen Informationen und unvoreingenommene Reviews von anderen Nutzern bietet. Mit einfacher Sprache ohne jeden Marketing-Jargon, ansprechenden Videos und informativen Artikeln sind die Unternehmen in der Lage, Benutzer aus den sozialen Medien auf ihre Webseite zu locken.
Angesichts dieser Kombination aus aktuellen Markttrends und Verhalten der Millennials ist es also nicht verwunderlich, dass diese im Vergleich zu allen anderen wesentlich bessere Schnäppchenjäger sind, wenn es ums Reisen geht. Millennials ist Erfahrung wichtiger als Wohlstand, weshalb sie immer auf der Suche nach interessanten Trips zum bestmöglichen Preis sind. Ausserdem erlaubt ihnen ihr flexibler Lebensstil und ihre Vorliebe für häufigere Trips pro Jahr, alle Möglichkeiten auszureizen, die der Markt zu bieten hat, darunter beispielsweise Last-Minute-Angebote. Da sie also nicht so anfällig für herkömmliche Werbestrategien sind und besser und schneller auf Informationen zugreifen können als die Generationen vor ihnen, werden sie auch keine überhöhten Preise mehr fürs Reisen akzeptieren.