Tourismuswelt

Sunday Press Abschaffung der 2-Personen-Regel – «interne Grabenkämpfe» bei Kuoni

Die Abschaffung der im Cockpit geltenden 2-Personen-Regel scheint in Pilotenkreisen bereits beschlossene Sache zu sein. Kuoni soll nicht nur 18 Millionen Verlust, sondern auch Spezialistenmarken haben, die sich als «etwas Besseres» fühlen.

Die «Sonntagszeitung» feiert heute nicht nur ihr 30-Jähriges Bestehen, sondern beschäftigt sich auch mit der von der Swiss anvisierten Abschaffung der 2-Personen-Regel. Diese wurde nach dem vom Piloten Andreas Lubitz in Selbstmordabsicht herbeigeführten Absturz einer Germanwings-Maschine vor zwei Jahren eingeführt. Die Europäische Luftsicherheitsbehörde (Easa) empfahl daraufhin die sogenannte 2-Personen-Regel: Ein Flugbegleiter betritt das Cockpit, sobald es einer der beiden Piloten verlässt. Der Flugbegleiter könnte im Notfall die Tür öffnen und soll somit eine gewisse Kontrolle haben. Das Prinzip wird von der Lufthansa und ihrer Tochter Swiss praktiziert. Nun erwägen beide Airlines die Abschaffung dieser Sicherheitsmassnahme. Das Verfahren werde auf Empfehlung der Easa derzeit einer Risikobewertung unterzogen – der definitive Entscheid sei noch nicht gefallen, wie es von Seiten der Airlines heisst. Die Piloten sehen das offenbar anders: In deren Kreisen gelte die Ende der Regel bereits als beschlossene Sache und soll ab Mai in Kraft treten.

Gegen die Regelung sprechen:

  • Die Cockpit-Türe sei durch die Regelung länger geöffnet und erleichtere das Eindringen möglicher Angreifer
  • Auch über das Kabinenpersonal könnten Angreifer ins Cockpit geschleust werden
  • Die Flugbegleiter fühlten sich durch das System in den Arbeits-Abläufen gestört
  • Wegen fehlender Schulung könnten Flugbegleiter gar nicht einschätzen, welcher Knopf der Pilot für was drücke und was er damit beabsichtige

Statt der Regelung wären Früherkennung von Depressionen oder Hilfestellung für gefährdete Personen angebrachter, sagt Henning Hoffmann vom Pilotenverband Aeropers. Der Verband plädiert für den Aufbau einer unabhängigen Beratungsstelle, die absolute Anonymität gewährleisten soll. Auch das Fehler-Meldungssystem soll bei der Swiss komplett elektronisch werden und somit dafür sorgen, dass Flugbegleiter Fehler ohne Angst vor persönlichen Konsequenzen melden können.

Ein anders Thema ist der Verlust von Kuoni: Wie die «Sonntagszeitung» schreibt, soll das Unternehmen im letzten Jahr einen Verlust von 18 Millionen Franken eingefahren haben. Im Jahr zuvor sollen es laut «gut informierten Quellen» gar 25 Millionen Franken gewesen sein. Seit der Übernahme durch DER Touristik im Jahr 2015 veröffentlicht Kuoni selbst keine Zahlen mehr. Offiziell bestätigt ist ein Verlust in «zweistelliger Millionenhöhe» für das Jahr 2016. Der Umsatz dürfte von mehr als 650 Millionen Franken im Jahr 2014 auf geschätzte 450 bis 500 Millionen Franken zurückgegangen sein. Beobachter würden «einen weiteren Stellenabbau prognostizieren» – 69 Stellen wurden in Zürich bereits abgebaut. Obschon Kuonis günstig Marke Helvetic Tours seit Anfang Jahr offenbar deutlich im Plus sei, hapere es bei der Kernmarke: IT-Probleme würden die nötige Effizienz verhindern, Wissen sei verloren gegangen und es sei unklar, wie mit den zu Kuoni gehörenden Spezialisten wie Kontiki, Railtour oder Private Safaris weitergemacht werde. Sie alle würden über ihre eigenen Informatiksysteme verfügen und «interne Grabenkämpfe» ausführen, will die «Sonntagszeitung» vernommen haben. Die Spezialisten würden sich «als etwas Besseres fühlen und über die Günstig-Kataloge spötteln», die nun nach deutschen Standards für Kuoni und Helvetic Tours produziert werden.

Im Reiseteil berichtet die Zeitung über eine Reise zu den Buckelwalen in Bahia Solano, einem kleinen Küstenort in Kolumbien, und auch die Hotel-Mittelklasse in Zürich wird beleuchtet: Im Anbetracht der Expansion dieses Marktsegments müssten sich bestehende Hotels in Zürich entweder mit einem unverwechselbaren Produkt oder dann mit tiefen Preisen hervorheben.

Ebenfalls ein Thema: Das Frühwarnsystem A3M Global Monitoring, ein auf Krisen-Monitoring und Warnsysteme fokussiertes deutsches Unternehmen, das mit Tui, Thomas Cook und Dertour zusammenarbeitet. Mit dem System können sich Reiseveranstalter in Echtzeit über Katastrophen informieren. Tui soll die Kanäle von A3M mit dem eigenen Buchungssystem kombiniert haben und somit einfach herausfinden können, wie viele der Kunden sich in einem Krisenfall in welchen Hotels befinden und welche Gäste gerade auf einem Ausflug sind und diese dann über das Smartphone warnen und informieren. Im April lanciert A3M eine App, die allen Reisenden zur Verfügung steht und nach Freigabe der eigenen GPS-Daten laufend über Gefahren im Reiseland informiert.

Die «NZZ am Sonntag» hält sich diesen Sonntag in Sachen Tourismus-Themen bedeckt. Sie widmet lediglich dem von den USA und Grossbritannien für einige Airlines verhängten Laptop-Verbot, das am Samstag in Kraft getreten ist, einen kurzen Artikel. In der Beilage «Stil» wird dafür ausführlich über die kalifornische Design-Oase Palm Springs berichtet, die nicht nur mit hoher Promidichte, sondern auch mit Festivals, Museen, Bars, Boutiquen und 350 Sonnentagen im Jahr Touristen anlockt.

Die «Zentralschweiz am Sonntag» widmet sich bei den Tourismusthemen vor allem der slowenischen Riviera und derer grossen Anzahl Naturheilbäder. In der Beilage «Lebensräume» ist über die Wiedereröffnung des «Huus Hotels Gstaad» im Saanenland zu lesen. Nach dem acht Monate dauernden Umbau trägt das ehemalige Vier-Sterne-Steigenberger seit Dezember ein neues Logo und einen neuen Namen. Im «All yours» Konzept sind alle saisonalen Aktivitätsprogramme im Zimmerpreis inbegriffen.

In Anlehnung an den jüngsten Terrorakt in London letzte Woche berichtet der «Sonntagsblick» über das Sicherheitsbefinden der Schweizer. Die repräsentative Studie «Sicherheit» der Militärakademie an der ETH Zürich untersuchte zum ersten Mal auch das Reiseverhalten: Jeder Dritte sagte, dieses in den letzten zwei Jahren verändert zu haben. Die Befragten gaben an, nicht mehr in Länder zu reisen, wo es Anschläge gab.

Im Magazin des «Sonntagsblick» werden zehn Ausflugsziele in der Schweiz vorgestellt: Zum Beispiel eine Fahrt mit dem Glacier-Express von Zermatt nach St. Moritz, ein Besuch des Parco San Grato in der Tessiner Ortschaft Corona oberhalb des Luganersees oder die Bewanderung des Schweizer Teils des Jakobsweg.

Eine kuriose Meldung, die in der «Zentralschweiz am Sonntag» wie auch im «Sonntagsblick» zu lesen ist: Ein 21-Jähriger wurde nach 56 Tage auf offener See von Fischern bei Papua-Neuguinea gefunden. Der junge Mann wollte mit seinem Onkel vor der philippinischen Küste fischen. Die beiden verloren wegen schlechter Sicht aber die Orientierung. Der Onkel überlebte die 56 Tage ohne Nahrung nicht.

(LVE)