Tourismuswelt
Kommentar Der Traum von der ITB Suisse
Gregor WaserIn diesen Tagen quillt die Agenda über. Fernweh-Festival, Swiss Travel Day, African Showcase, Motorhome Day gestern, nächste Woche Arabian Workshop, SRV-GV und gleichentags Kuoni-Kreuzfahrtmesse, anderntags Australia & Canada Day bei Knecht Reisen. Es geht was in der Reisebranche, das ist gut so. Und im Januar folgen die Ferienmessen in St. Gallen, Bern und Zürich.
Für Reisebüro-Mitarbeiter, Ferieninteressierte und Medienschaffende, die an den zahlreichen Anlässen dabei sein wollen, ist es aber ein Ding der Unmöglichkeit, an einer solchen Vielzahl an Events präsent zu sein, schliesslich ist die Mitarbeiterzahl in den Büros ohnehin schon stark limitiert.
Auch möglichen Ausstellern, ob Ländervertretungen, Touroperators oder Airlines bereitet die dichte Agenda Sorgen. Woher das Personal und Budget nehmen, um an drei Ferienmessen teilzunehmen, die Stände zu bauen, Leute an drei aufeinander folgenden Wochenenden im Einsatz zu haben und die Reise- und Übernachtungskosten zu tragen?
Ebenso bereitet den Ausstellern die Teilnahme am Swiss Travel Day nur beschränkte Freude. Zwar sprechen die Organisatoren von einer Besucherzahl von über 1500 – und schreiben, dass die Aussteller ob der Frequenzen sehr zufrieden waren. Doch das ist eine zweifelhafte Feststellung. Es wird geflissentlich übersehen, dass während den Seminaren, Podiumsdiskussionen und guten Referaten, der Messebereich ausgestorben war – abgesehen von der Präsenz von 100 HFT-Studenten, die für geplante Vortragsarbeiten Informationen benötigten.
Wie wäre das effizient. Nur einmal einen Stand aufbauen.
Obwohl sich die Ferienmessen in Bern, St. Gallen und Zürich zwei Monate vor der Austragung ziemlich zufrieden geben mit dem Buchungsstand und Newcomer verzeichnen wie etwa Indien oder Zurückkehrende wie Kuoni – die Absenz einiger wichtiger Player ist weiterhin gross. Frankreich? Spanien? Schweizer Ferionregionen? Airlines? Sind nicht dabei.
Im Interview mit travelnews.ch äusserte sich Faustino Diaz Fortuny, Direktor des Spanischen Fremdenverkehrsamtes, zur Nicht-Teilnahme seiner Organisation: „Welches ist die wichtigste Messe? Zürich, St. Gallen, Bern, TTW? Die Schweiz bräuchte eine grosse Messe – zwei Tage für die Branche, zwei Tage fürs Publikum. WTM in London, ITB in Berlin und Fitur in Madrid machen es vor.“
Wie wäre das effizient. Nur einmal einen Stand aufbauen. An zwei, drei Abenden Zeit haben fürs ausführliche Networking. Ob in Zürich, Olten, Bern oder Zermatt. Ein ganz grosses Get-together.
Die Interessen sind aber verzettelt. Hier die Olma, dort Bern Expo, alle wollen sie ihre eigenen Hallen füllen. Auch das Argument, dass ein St. Galler Reiseinteressierter nicht nach Bern an eine Messe gehen würde, leuchtet ein. Und gewisse Aussteller, man denke an die vielen österreichischen Hotels an der Fespo, haben kein Interesse an einem B2B-Kontakt. Die ITB Suisse bleibt ein Traum.