Tourismuswelt
Sunday Press «Der Franken-Tsunami ist überstanden»
Noch klingen die Klagen des Schweizer Tourismus in den Ohren („Krisengipfel“ bei Bundespräsident Schneider-Ammann), da gibt die „SonntagsZeitung“ bereits vorsichtig Entwarnung. „Die Deutschen kommen wieder“, lautet eine Schlagzeile, und im Interview spricht Schweiz-Tourismus-Direktor Jürg Schmid über die „Rückkehr der Auslandgäste“. Seit Mai flache der Rückgang „deutlich ab“, sagt Schmid, und einige Regionen würden gar wieder zulegen. Für ihn sind die deutschen Gäste „brutal wichtig“. Für die „Psychologie der gesamten Branche“ sei es entscheidend, dass es im deutschen Markt wieder besser laufe.
Auf die Frage, ob sich die Europäer an den teuren Franken gewöhnt hätten, antwortet Schmid: „Der Franken-Tsunami ist überstanden.“ Allerdings relativiert er diesen Satz auch gleich wieder. Aber wie nach einem Tsunami biete sich dem Betrachter „ein schreckliches Bild“. Seit Beginn der Frankenstärke 2008 habe die Schweiz 29 Prozent der europäischen Gäste verloren, aus dem wichtigen Markt Deutschland sogar 47 Prozent. „Nun stehen die Zeichen auf Erholung“, heisst es auch im Artikel, wonach „erste Tourismusdestinationen“ für den Sommer bereits ein Plus bei den Logiernächtezahlen deutscher Gäste vermelden. Ganz vorne dabei das Tessin, das in den ersten sieben Monaten des Jahres ein Plus von 7,3 Prozent verzeichnete. Luzern lag sogar mit 16,2 Prozent im Plus. Einig seien sich die Touristiker, so die „SoZ“ weiter, „dass die Schweiz vor allem mit dem Thema Sicherheit punkten konnte.“
Im Interview mit Jürg Schmid wird auch seine dreimonatige Auszeit thematisiert, die zu 75 Prozent von Schweiz Tourismus finanziert wurde, und sein hoher Lohn von rund 425'000 Franken. Die Regelung für ein Sabbatical nach zehn Dienstjahren gilt für das ganze Kader von Schweiz Tourismus. Schmid findet dies „angebracht“, denn die Führungskräfte „könnten Überstunden nicht kompensieren und haben eine hohe Arbeitszeitbelastung“. Dass er gegenüber dem Vorjahr 30'000 Franken mehr erhält und bald so viel wie ein Bundesrat verdient, verteidigt er wie folgt: „Der Vorstand legt meinen Lohn fest und ist der Überzeugung, dass dieses Salär für die Verantwortung, die Aufgabe und die Voraussetzungen, die man für den Job mitbringen muss, angemessen ist.“
Trotz roter Zahlen – kein grosses Bergbahn-Sterben
Schmid kommt auch auf die Zukunft zu sprechen. „Ab diesem Winter geht’s wieder aufwärts“, stellt er in Aussicht, vorausgesetzt die Schneebedingungen stimmen. Nach der schlechten letzten Saison hänge die Existenz vieler Bergbahnen „an einem seidenen Faden“, stellt die „SoZ“ fest und fragt: „Machen Sie sich Sorgen?“ Ja, er mache sich „grosse Sorgen“, zumal die Schneetage infolge des Klimawandels „immer mehr abnehmen werden“.
Die notleidenden Bergbahnen vor allem im Kanton Graubünden sind auch der Aufmacher im Wirtschaftsteil der „Schweiz am Sonntag“. Gemäss einer Auswertung der Geschäftsabschlüsse sind viele Bergbahnen in die roten Zahlen gerutscht. Das Fazit: „Die Umsätze schwinden allerorts dahin. Selbst bei top geführten Bahnen sind dadurch aus Gewinnen teils happige Verluste geworden. So etwa bei den Bahnen von Lenzerheide, Engadin St. Moritz oder der Weissen Arena in Laax.“ Trotz der finanziellen Misere werde es aber kaum ein grosses Bergbahn-Sterben geben, weil Gemeinden oder Sponsoren einspringen. Der Wegfall der Bahn würde eine Abwanderung nach sich ziehen. „Das wäre für eine Region der schleichende Tod“, sagt der Finanzchef einer Bahn.
Philippinen, Sri Lanka und Laos
Einen Ausblick auf den kommenden Winter macht auch die „Zentralschweiz am Sonntag“, allerdings mit Blick auf Fernreisen und Strandferien. Besonders gefragt seien frisch erschlossene Destinationen, neue Rundreisen sowie nachhaltige Hotels. Mit Abstand die beliebteste Reisedestination in Asien bleibe Thailand. Als „aufstrebende Ziele“ nennt Tourasia die Philippinen, Sri Lanka und Laos. Gemäss Geschäftsführer Stephan Roemer hätten diese Länder „ein grosses Potenzial“.
Für Andreas Zgraggen, General Manager Indian Ocean des Spezialisten Manta Reisen, geht der Trend in Richtung Nachhaltigkeit. Die Kunden würden Hotels schätzen, „die Wert auf Umweltschutz legen und ihre Mitarbeitenden fair behandeln“. Ein „gefragtes Ferienziel“ bleibe diesen Winter die Karibikinsel Kuba. Viele Schweizer würden Unterkünfte bei lokalen Familien buchen. Spezialist Reto Rüfenacht nennt aber den weniger bekannten Südwesten der Dominikanischen Republik als „Geheimtipp“. Laut Knecht Reisen sind bei Schweizer Touristen derzeit Fernreisen nach Neuseeland, Südafrika, Namibia sowie Kanada und Alaska „sehr gefragt“. Einen „Boom“ prognostiziert Marketingchef Christoph Huckele für Costa Rica, das ab Mai 2017 zweimal pro Woche von Edelweiss direkt ab Zürich angeflogen wird.
Pilot ist kein Traumberuf mehr
Der „SonntagsBlick“ nutzt den 15. Jahrestag der Swissair-Groundings zu einem Frontalangriff auf die „Billig-Airlines“, die ihren Piloten „miserable Gehälter“ bezahlten und deshalb ein Sicherheitsrisiko darstellten. Der frühere „Blick“-Chefredaktor René Lüchinger begnügt sich jedoch mit einem 34jährigen Piloten als Kronzeugen, der als Contractor angeheuert hat und anonym bleiben will. Sein Fazit: „Auf keinem Fall“ würde er seinen „Traumberuf“ nochmals ergreifen und seinen Kindern davon abraten.
Die angegriffenen Fluggesellschaften kommen nicht zu Wort. Auch erfährt man nicht, wie viele Piloten überhaupt als Contractors, also nur nach Flugstunden bezahlt, im Einsatz sind. Lüchinger zitiert lediglich den Aviatikexperten Tim van Beveren, der Contractors als „sozusagen Freiwild“ bezeichnet, da sie keinen gewerkschaftlichen Schutz geniessen. „Das ist brandgefährlich für die Sicherheit.“ Der nicht festangestellte Pilot sei in seinen Entscheiden nicht mehr frei, was sich auf die Arbeit im Cockpit auswirke. Die Anstellungsform des Contractors bezeichnet van Beveren als „sittenwidrig“. Zum 15-jährigen Grounding der Swissair bietet „blick.ch“ überdies ein „interaktives Mulitmedia-Spezial zur internationalen Aviatik“ an.
100 Jahre Transsibirische Eisenbahn
Das Jubiläum nimmt die „NZZ am Sonntag“ zum Anlass, in ihrem „Stil“-Bund eine fünfseitige Reportage über die siebentägige Zugreise durch Russland zu publizieren. Leider entpuppt sie sich beim näheren Hinsehen als Beleg dafür, wie selbst die Sonntagsblätter in ihren Reiseteilen sparen müssen und die Qualität zuweilen auf der Strecke bleibt. Kann man über den journalistischen Stil der deutschen Journalistin noch hinwegsehen, so erstaunt der Hinweis auf den Veranstalter „Lernidee Reisen“, der die Fahrt wohl gesponsert hat. Die Kosten werden „inkl. Flug von Frankfurt“ aufgeführt – immerhin in Franken und nicht in Euro. Aber keine Zusatzinformation über Preise ab Zürich oder die verschiedenen Schweizer Reiseveranstalter, welche Reisen mit der Transsibirischen Eisenbahn anbieten.
Die „Schweiz am Sonntag“ berichtet aus der Ursprungsregion des Champagners und bilanziert: „Von wegen dekadent, den Luxus gibts auch günstiger.“ Die „SonntagsZeitung“ war auf Einladung der Winzer im französischen Roussillon und stellt „sieben Sonnenziele für die kalte Jahreszeit“ vor – „ohne garantierte Massentauglichkeit aber mit Potenzial“. Die „Zentralschweiz am Sonntag“ wiederum war mit der „Costa Deliziosa“ auf einer Mittelmeer-Kreuzfahrt und warnt schon im Untertitel: „Am Massentourismus darf man sich bei der Reise nicht stören.“ Auch der Titel ist Einstimmung genug: „Ein schwimmendes Las Vegas.“