Tourismuswelt

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Büffeln alleine holt keine Sprachschüler hinter der Bank hervor

Robert Wildi

Wer eine Sprachreise bucht, wählt immer öfter Ziele, die auch als Ferienparadies taugen. Neben Tahiti, Hawaii oder Kuba boomen auch Klassiker wie San Diego, Vancouver und Destinationen in Europa — allen voran England.

60000 Besuche

Ein bunter Sprachmix erfüllte vor wenigen Wochen das Berliner «Intercontinental»- Hotel. Der dort jährlich stattfindende internationale Sprachreisekongress ist für Schweizer Veranstalter ein Pflichttermin. «So exotisch wie diesmal ging es in Berlin noch nie zu», sagt Claudio Cesarano, CEO der Media Touristik AG, einer Tochtergesellschaft der Globetrotter Group mit starker Spezialisierung auf Sprachreisen. Auffallend hoch gewesen sei dieses Jahr der Anteil an Vertretern aus Indien und Afrika.

Die Eindrücke aus Berlin decken sich mit Beobachtungen, die der langjährige Sprachreiseprofi zurzeit im Schweizer Markt macht. Die Auswahl der Ziele ist breiter und bunter geworden. «Immer mehr Reisende entscheiden sich für Destinationen, in denen sie auch gleich ihre Ferien verbringen.» Das Examen sei dabei kein vordergründiges Ziel. Stattdessen wird nach Lust und Laune gelernt, dazwischen vor allem Freizeit genossen. Reservationen für Sprachaufenthalte an exotischen Zielen wie Tahiti, Guadeloupe, La Réunion, Kuba, Martinique und Hawaii haben zuletzt sprunghaft zugenommen. Die zu den USA gehörende Inselgruppe gehört heute sogar zu den absoluten Hotspots der Sprachreisekundschaft von Media Touristik mit ihren Veranstaltern Globo Study, Follow Me oder Linguista.

Ein Milliardengeschäft

Fully responsive

Die Erweiterung des Sprachreise¬territoriums um neue Destinationen bedeutet aber nicht, dass das traditi¬onelle Geschäft zum Auslaufmodell wird. Eine zentrale Erkenntnis von Cesarano an der Messe in Berlin: «Sprachaufenthalte zur Vorbereitung für ein Studium an einer Universität in England, den USA oder Australien bleiben nach wie vor unangefochten der wichtigste Treiber im globalen Markt und setzen Milliardensummen um.» Auch bei Media Touristik bleiben Klassiker wie Vancouver, San Diego und die britischen Marktführer Bournemouth, Brighton und London ganz oben in der Gunst der Kunden. Seit der Aufhebung des Euro-Mindest¬kurses durch die Nationalbank habe speziell auch die Nachfrage für europäische Hotspots wie Nizza, Barcelona oder Rom zuletzt markant angezogen, so Cesarano. «Bei Linguista verzeichnen wir im Vergleich zur Vorjahres¬periode ein Buchungsplus im zweistelligen Prozentbereich.»

Die Statistiken vom Schweizer Verband der Sprachreiseveranstalter (Salta) bestätigen die englische Vorherrschaft im Sprachreisemarkt. Laut den Ergebnissen der Jahresumfrage 2014 bei Mitgliedern hat England seine Führungsposition als beliebtestes Sprachreiseziel bestätigen können. Mit einem Anteil von 67 Prozent bleiben die englischsprachigen Ziele bei der erwachsenen Zielgruppe unangefochten die Nummer 1. Gefolgt von Französisch, das sich wieder vor Spanisch gesetzt hat. Noch drastischer ist die Dominanz von Englisch im Segment der Schüler und Jugendlichen. Bei den älteren Sprachreisenden über 50 Jahren hat Spanisch auf der Beliebtheitsskala Italienisch überholt und belegt hinter Englisch und Französisch den dritten Rang. Als Trendziel hat neuerdings auch diese Zielgruppe Malta für sich entdeckt, das zuvor ausschliesslich bei jugendlichen Sprachschülern begehrt war.

Segmentierung nach Altersgruppen

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SDie seit Jahren steigende Nachfrage einer älteren Generation von Sprachreisenden hat dazu geführt, dass die Schulen und Veranstalter eine stärkere Segmentierung des Angebots nach Altersgruppen vorgenommen haben. «Rund 75 Prozent des Geschäfts wird nach wie vor für eine Kundschaft von 18 bis 30 abgewickelt», sagt Cesarano. Darüber habe sich ein wachsender Markt für «30-Plus-Schulen» entwickelt. Programme der Media-Touristik-Anbieter für diese Zielgruppe sind zum Beispiel in England, Kanada und den USA sehr erfolgreich angelaufen. «Für die 50-Plus-Generation organisieren wir häufig zweiwöchige Sprachaufenthalte in Städten, die mit exklusiven Ausflugsprogrammen angereichert werden.» Im Gegensatz zu jüngeren Kunden, die in den meisten Fällen bei einer Gastfamilie logieren, bevorzugen ältere Sprachschüler mehr Privatsphäre und buchen häufig ein eigenes Appartement. Auch dies ein Phänomen, mit dem sich die Sprachreiseveranstalter an der Messe in Berlin intensiv aus¬einandergesetzt haben.