Tourismuswelt

Über das Reisebüro von Fernost-Spezialist Harry Kolb wurde der Konkurs eröffnet. Bilder: Adobe Stock / Linkedin

Neue Entwicklung im Fall Harry Kolb

Reto Suter

Über das Reisebüro von Harry Kolb in Kilchberg ZH ist der Konkurs eröffnet worden. Vor rund einem Monat war ans Licht gekommen, dass mehrere Kunden bei ihm teure Asien-Arrangements gebucht und bezahlt hatten. Doch die Reisen platzten, weil dem Fernost-Spezialisten das Geld fehlte, um die gebuchten Leistungen zu bezahlen.

Der Fall Harry Kolb hat eine neue Dimension erreicht. Das Bezirksgericht Horgen hat über die Reisebüro Harry Kolb AG in Kilchberg ZH den Konkurs eröffnet. Das geht aus einer aktuellen Publikation im Schweizerischen Handelsamtsblatt (SHAB) hervor.

Die Konkurseröffnung erfolgte am 20. Oktober 2026 um 10 Uhr. Seither firmiert das Unternehmen offiziell als «Reisebüro Harry Kolb AG in Liquidation». Der entsprechende Eintrag wurde am 21. Oktober ins Handelsregister aufgenommen.

Anfang Oktober hatten Travelnews und andere Medien über mehrere Kunden berichtet, die teure Japan-Reisen bezahlt, aber keine Flugtickets oder Hotelvoucher erhalten hatten.

Konkursamt beurteilt Erfolgsaussichten kritisch

Harry Kolb will gegen die Konkurseröffnung Beschwerde einlegen. Das bestätigt er auf Anfrage von Travelnews. «Ich bin sehr zuversichtlich, dass die Beschwerde gutgeheissen wird», so der Asien-Spezialist. Er wirft dem Konkursamt mehrere Unstimmigkeiten vor. So seien einzelne bereits geleistete Teilzahlungen nicht berücksichtigt worden. Sollte die Beschwerde erfolgreich sein, könnte der Betrieb der AG wieder aufgenommen werden.

Das Konkursamt Thalwil sieht die Erfolgsaussichten allerdings skeptisch. Das geht aus einem Schreiben an die Mitarbeitenden hervor, das Travelnews vorliegt. «Wir beurteilen die Chancen eher kritisch», heisst es darin.

Das Amt hat Kolb bereits einvernommen und die Personalunterlagen übernommen. Die Mitarbeitenden wurden mit sofortiger Wirkung freigestellt. Laut Konkursamt werden ihre ausstehenden Löhne vorerst nicht bezahlt.

Offene Rechnungen und hohe Betreibungen

Die finanziellen Schwierigkeiten des Reisebüros waren Ende September öffentlich geworden. Eine vierköpfige Reisegruppe hatte rund 20'000 Franken für eine Japan-Reise bezahlt, ohne die notwendigen Reiseunterlagen zu erhalten. Später wurden weitere Fälle mit Beträgen von 8500 und rund 75'000 Franken bekannt.

Nach bisherigen Informationen von Travelnews haben betroffene Kunden Reisen im Gesamtwert von mindestens 120'000 Franken bezahlt, ohne die gebuchten Leistungen vollständig erhalten zu haben.

Harry Kolb räumte ein, dass ihm das Geld zur Bezahlung der Reisen fehlte. Als Ursache seiner finanziellen Probleme nannte er einen mutmasslichen Cyberangriff, bei dem Kriminelle rund 2,5 Millionen Franken von Firmenkonten erbeutet hätten. Hier seien die Ermittlungen im Gang.

Ein Travelnews vorliegender Betreibungsregisterauszug wies per 1. Oktober sechs Betreibungen von vier Gläubigern über insgesamt 172'584.48 Franken aus. Bei vier Verfahren war Rechtsvorschlag vermerkt, bei zwei bereits eine Konkursandrohung.

Kolb bekräftigt, dass sämtliche Betroffenen ihr Geld zurückerhalten werden. Auch an der Zukunft seines Reisebüros lässt er keinen Zweifel: «Es wird alles gelöst. Das Reisebüro Harry Kolb wird in altbekannter Qualität weiterarbeiten und weiter existieren.»