Tourismuswelt

STC-Chef Markus Kohli stellt einen Trend zu individuelleren Schweiz-Reisen und authentischen, lokal geführten Erlebnissen fest. Hier ein Blick auf das Gantrisch-Gebiet in den Berner Voralpen. Bild: Shana & Marino / STC

Schweiz-Reisende erhöhen ihre Ausgaben

Ob 1. Klasse im Zug, Gepäcktransport oder individuell geführte Touren: Internationale Reisende setzen verstärkt auf Exklusivität und längere Vorlaufzeiten, zeigt eine Auswertung von Switzerland Travel Centre.

Von Switzerland Travel Centre (STC) liegt eine neue Untersuchung vor zum Buchungsverhalten der vier wichtigen Märkten USA, Grossbritannien, Deutschland und Australien. Die Auswertung zeigt zum jetztigen Zeitpunkt in allen vier Märkten einen höheren durchschnittlichen Buchungswert als im Vorjahr. Gleichzeitig werden Reisen früher geplant.

Am deutlichsten zeigt sich die Entwicklung im US-Markt. Der durchschnittliche Buchungswert steigt gegenüber dem Vorjahr von rund 4900 auf 6100 Franken – ein Plus von rund 24 Prozent. Gleichzeitig erhöht sich die typische Aufenthaltsdauer von sechs auf sieben Nächte. Auch in den anderen untersuchten Märkten steigen die durchschnittlichen Buchungswerte: in Grossbritannien um rund 12 Prozent auf CHF 5330 Franken, in Australien um rund 11 Prozent auf 4600 Franken und in Deutschland um rund 7 Prozent.

«Wir sehen in allen vier untersuchten Märkten höhere durchschnittliche Buchungswerte. Besonders ausgeprägt ist die Entwicklung in den USA. Die Preisentwicklung in der Schweiz dürfte dazu beigetragen haben. Gleichzeitig stellen wir gerade in den Fernmärkten eine hohe Nachfrage nach Zusatzleistungen und exklusiveren Angeboten fest», sagt Markus Kohli, CEO von Switzerland Travel Centre.

Dazu gehört beispielsweise der Gepäcktransport, der insbesondere von Gästen aus den USA häufig gebucht wird. Auch Reisen in der 1. Klasse sind in den Fernmärkten USA und Australien besonders beliebt. Bei den Hotelkategorien lasse sich hingegen kein genereller Trend zu höherklassigen Häusern feststellen. «Hier entscheiden weiterhin primär das verfügbare Angebot und das Preis-Leistungs-Verhältnis», stellt Kohli fest.

Gäste planen ihre Schweiz-Reise immer früher

Noch eindeutiger ist die Entwicklung beim Buchungszeitpunkt: In allen vier untersuchten Märkten werden Schweiz-Reisen aktuell früher gebucht als im Vorjahr. Bei identischen Reisezeiträumen ist der mediane Buchungsvorlauf gestiegen: um rund 10 Tage bei Gästen aus den USA, 9 Tage aus Grossbritannien, 13 Tage aus Deutschland und 12 Tage aus Australien.

Australische Gäste planen ihre Reise mit einem medianen Vorlauf von rund 154 Tagen besonders früh. Auffällig ist aber vor allem Grossbritannien. Bereits seit rund zwei Jahren beobachtet STC, dass britische Gäste immer früher buchen. Das Verhalten nähert sich damit zunehmend jenem klassischer Fernmärkte wie den USA oder Australien an. Britische Reiseveranstalter gehören aktuell zu jenen mit den stärksten Vorausbuchungen für das Jahr 2027.

«Grossbritannien ist für uns besonders interessant. Der Markt verhält sich bei der Reiseplanung zunehmend wie ein Fernmarkt. Britische Gäste und Reiseveranstalter sichern sich ihre Schweiz-Reisen deutlich früher als noch vor wenigen Jahren», erklärt Markus Kohli.

Bei den bevorzugten Reisezeiten zeigt sich dagegen wenig Veränderung. Mai, Juni und September gehören weiterhin zu den buchungsstärksten Monaten. Zwar verzeichnet STC auch Buchungen für April und Oktober, das Wachstumspotenzial in diesen Monaten wird jedoch durch eingeschränkte Betriebszeiten und Verfügbarkeiten insbesondere in alpinen Destinationen begrenzt.

Zugreisen, individuelle Erlebnisse und neue regionale Interessen

Seit der Pandemie beobachtet STC grundsätzlich einen verstärkten Trend zu längeren Aufenthalten und sogenannten «Mono-Swiss»-Reisen, bei denen die Schweiz nicht nur Teil einer Europareise, sondern die eigentliche Hauptdestination ist. 2026 zeichnet sich allerdings eine leichte Gegenbewegung ab: Italien und Frankreich haben für Gäste aus Übersee wieder an Attraktivität gewonnen und werden vermehrt mit der Schweiz kombiniert.

Gleichzeitig entwickeln sich einzelne Märkte unterschiedlich. Gäste aus den USA fragen weiterhin stark nach individuell geführten Touren mit lokalen Guides. Im französischsprachigen Kanada steigt das Interesse an der Genferseeregion. Im niederländischen Markt gewinnen Zugreisen durch die Schweiz an Bedeutung. Gäste aus Indien buchen teilweise sehr hochwertige Hotels. Und aus Japan beobachtet STC einen Trend hin zu mehr Individualreisen – sogenannten FIT-Reisen – und teilweise massgeschneiderten Angeboten.

«Es gibt nicht den einen internationalen Schweiz-Gast. Die Bedürfnisse unterscheiden sich stark nach Markt. Für uns wird deshalb immer wichtiger, Produkte flexibel zusammenzustellen und auf die jeweiligen Erwartungen auszurichten. Besonders spannend ist die Entwicklung hin zu individuelleren Reisen und authentischen, lokal geführten Erlebnissen», sagt Kohli.

(TN)