Tourismuswelt

Andrea Beffa, Geschäftsführerin des Schweizer Reise-Verbands, erklärt im Interview mit Travelnews, was es mit dem neuen SRV-Nachwuchsgremium auf sich hat. Bilder: Orascom / SRV

«Das Alter wird kein Ausschlusskriterium sein»

Reto Suter

Der Schweizer Reise-Verband (SRV) will der jungen Generation mehr Mitsprache ermöglichen und ihr künftig einen Sitz im Vorstand geben. SRV-Geschäftsführerin Andrea Beffa erklärt im Interview mit Travelnews, wie das neue Nachwuchsgremium funktionieren soll.

Der Schweizer Reise-Verband (SRV) will den Nachwuchs nicht nur fördern, sondern ihm künftig auch mehr Mitsprache ermöglichen. Einen ersten Schritt machte der Verband im vergangenen Jahr auf seiner Mitgliederreise auf dem Rhein, die unter dem Motto «River of Change» stattfand. Fünf Talente aus der Branche durften mitreisen, Kontakte knüpfen und sich mit erfahrenen Reiseprofis austauschen.

Obwohl das Experiment auf ein positives Echo stiess, wird es auf der diesjährigen Mitgliederreise nach Ägypten nicht wiederholt. Das machte Travelnews bereits Mitte August publik. Gleichzeitig kündigte der SRV an, neue Wege zu suchen, um die nächste Generation stärker in die Verbandsarbeit einzubinden.

Ein Sitz im Vorstand

Nun ist klar, wie das funktionieren soll. Unter dem Namen «SRV Future Voices» entsteht ein neues Gremium, das jungen Touristikerinnen und Touristikern eine feste Stimme im Verband geben soll.

Die Idee stammt aus den diesjährigen SRV Think Tanks, bei denen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer intensiv Gedanken machten zur Zukunft der Schweizer Reisebranche. Vier bis fünf Nachwuchskräfte sollen sich künftig rund viermal jährlich treffen, Ideen entwickeln und neue Perspektiven in die Verbandsarbeit einbringen.

Der SRV geht aber noch einen Schritt weiter: Die junge Generation soll künftig auch direkt im Vorstand vertreten sein. An der Generalversammlung vom 28. Oktober 2026 in El Gouna steht deshalb Carla Riss, Geschäftsführerin von Meraki Travel, zur Wahl. Sie soll die neue Säule «SRV Future Voices» im Vorstand vertreten.

Was verspricht sich der SRV von diesem Schritt? Wie viel Einfluss erhalten die jungen Stimmen tatsächlich? Und weshalb fiel die Wahl auf Carla Riss? Travelnews hat bei SRV-Geschäftsführerin Andrea Beffa nachgefragt.

Frau Beffa, die Idee für die «SRV Future Voices» ist aus den Think Tanks entstanden. Welche Anliegen der jungen Branchenvertreter haben Sie dort besonders aufhorchen lassen?

Andrea Beffa: Es waren weniger die konkreten Problemstellungen oder Anliegen, die mich aufhorchen liessen. Diese decken sich weitgehend mit dem, was wir auch sonst aus der Branche wahrnehmen. Besonders beeindruckt hat mich vielmehr das Wie: die Art, wie die Nachwuchskräfte an Themen herangehen, ihr grosses Interesse an Vernetzung und am offenen Austausch untereinander sowie der Wille, Herausforderungen gemeinsam anzupacken. Diese Dynamik und die Bereitschaft, voneinander zu lernen und gemeinsam etwas zu bewegen, haben mich begeistert und motiviert. Daraus entstand die Idee, diesen Austausch zu institutionalisieren und damit einen Rahmen zu schaffen, in dem Themen nicht nur diskutiert, sondern auch vertieft und gemeinsam weiterentwickelt werden können.

Carla Riss soll die Future Voices direkt im Vorstand vertreten. Welchen tatsächlichen Einfluss wird sie dort haben?

Der aktuelle Vorstand trägt die Idee der Future Voices einstimmig und mit voller Überzeugung mit. Carla wird im Vorstand ein gleichberechtigtes Stimmrecht haben und damit auch tatsächlich Einfluss nehmen können. Sie wird die Themen, Perspektiven und Ideen der Future Voices direkt einbringen und bei Entscheidungen mitwirken. Uns ist wichtig, dass die junge Generation nicht nur angehört wird, sondern eine echte Stimme erhält.

«Carla Riss ist eine Vollbluttouristikerin, bestens vernetzt, voller Tatendrang und guter Ideen»

Rund um Carla Riss soll ein Gremium mit vier bis fünf jungen Branchenprofis entstehen. Wer kann mitmachen, und wie werden diese Personen ausgewählt?

Mitmachen können junge Branchenprofis zwischen 20 und 30 Jahren, die bei einem Schweizer Reiseveranstalter oder Reisebüro tätig sind und mindestens drei Jahre Berufserfahrung mitbringen. Wobei das Alter kein Ausschlusskriterium sein wird. Entscheidend sind für uns Motivation, neue Ideen und die Bereitschaft, die Branche aktiv mitzugestalten. Nach der Wahl von Carla werden wir den offiziellen Aufruf starten und anschliessend gemeinsam mit ihr die weiteren Mitglieder der Gruppe auswählen.

Warum ist Carla Riss die richtige Person für dieses Amt?

Carla ist eine Vollbluttouristikerin, bestens vernetzt, voller Tatendrang und guter Ideen – und vor allem mit dem Willen, wirklich etwas zu bewegen. Gleichzeitig bringt sie die nötige Erfahrung und Seniorität mit, um die Gruppe zu führen und deren Anliegen im Vorstand selbstbewusst und überzeugend zu vertreten. Diese Kombination macht sie für mich zur idealen Besetzung für diese Rolle.

Ist der neue Sitz für die Future Voices auch ein Signal, dass sich der SRV und seine Führung stärker verjüngen müssen?

Ein Vorstandsamt setzt eine gewisse Führungsverantwortung und Entscheidungskompetenz voraus. In entsprechenden Funktionen ist man naturgemäss mit Anfang 20 meist noch nicht. Gleichzeitig vertreten unsere Vorstandsmitglieder verschiedene Bereiche der Branche und bringen deren jeweilige Perspektiven ein. Ich finde, dass wir bereits heute einen guten Mix aus unterschiedlichen Generationen, Erfahrungen und Blickwinkeln im Vorstand haben. Mit dem neu geschaffenen Sitz wird dieser Mix nun noch zusätzlich bereichert. Und natürlich sind wir sehr glücklich, dass wir damit einen direkten Zugang zur jüngeren Generation schaffen, ihre Perspektiven noch stärker einbeziehen und ihr eine unmittelbare Stimme im Vorstand geben können.